Christian Fuchs will auch am Sonntag jubeln.

© REUTERS/Carl Recine

Premier League
04/29/2016

Fuchs vor dem größten Erfolg seiner Karriere

Der ÖFB-Teamkapitän kann mit Leicester City englische Sportgeschichte schreiben.

Christian Fuchs steht unmittelbar vor dem Höhepunkt seiner bisherigen Karriere. Im Falle eines Sieges am Sonntag auswärts gegen Manchester United hätte Österreichs Teamkapitän mit seinem Klub Leicester City schon in der drittletzten Runde den englischen Meistertitel fixiert und damit eine riesige Sensation perfekt gemacht.

Den möglichen Gewinn des Meisterpokals würde Fuchs höher einschätzen als etwa die erfolgreiche Qualifikation für die EURO 2016 oder die Champions-League-Einsätze mit Schalke, wie der Niederösterreicher betonte. Gleichzeitig trat der Linksverteidiger jedoch auf die Euphoriebremse. "Unter den Fans herrscht schon seit Wochen eine irrsinnige Euphorie. Aber wir im Verein, die Spieler und Betreuer wissen genau, dass noch nichts in trockenen Tüchern ist. Ein Sieg muss noch her. Wir gehen voll konzentriert in die letzten Spiele und ich bin zuversichtlich, wir werden diese drei Punkte noch holen."

Im Normalfall gilt ein Klub wie Leicester in einem Auswärtsspiel gegen Manchester United als krasser Außenseiter, vor dem Duell im "Theatre of Dreams" scheint sich aber die Rolleverteilung geändert zu haben - immerhin liegt Leicester derzeit 17 Punkte vor den fünftplatzierten "Red Devils". "Die Konstellation ist eine lustige. Manchester United als Außenseiter gegen Leicester? Ist das überhaupt möglich? Egal wie die Situation in der Tabelle ist, für mich ist Manchester United der Favorit", stellte Fuchs klar.

"Das wird ein tolles Erlebnis"

Für den 30-Jährigen ist es der erste Auftritt überhaupt an der berühmten Heimstätte von Manchester United. "Natürlich ist Old Trafford ein großer Begriff im Fußball. Aber ich fahre dahin, um zu gewinnen. Da ist mir alles andere relativ egal. Es wird sicher ein tolles Erlebnis", sagte Fuchs.

Den Titel ausgerechnet im Heimstadion des Rekordmeisters zu feiern, hätte für den ÖFB-Internationalen keinen besonderen Reiz. "Das ist zweitrangig. Wichtig ist, die notwendigen Punkte zu holen. Vor eigener Kulisse ist es am schönsten."

Zu dieser Konstellation könnte es kommen, wenn der einzige verbliebene Titelrivale Tottenham, drei Runden vor Schluss sieben Punkte zurück, am Montag auswärts gegen Chelsea mehr Zähler holt als Leicester tags zuvor gegen United. Dann bietet sich für die "Foxes" die Chance, sich am darauffolgenden Samstag im heimischen King Power Stadium mit einem Sieg über Everton zum Champion zu krönen.

In diesem Fall hätte Leicester, das im April des Vorjahres noch auf dem letzten Premier-League-Rang gelegen ist, für die wohl größte Sensation in der Geschichte des englischen Klub-Fußballs gesorgt. Wo genau ein möglicher Meistertitel nicht nur fußball-, sondern auch sporthistorisch einzuordnen wäre, wagte Fuchs nicht zu prophezeien. "Das ist etwas, was ich bisher selbst noch nicht realisieren kann - die Wertigkeit dieser Saison. Was der Klub und die Mannschaft Leicester City alles bewegt hat."

Nur eines könne er bereits jetzt sagen: "Was es bisher schon beweist ist, dass Kontinuität und Teamgeist Berge versetzen kann. Ich bin richtig stolz, ein Teil dieser Truppe zu sein."

Einen besonderen Wert hätte der Titel übrigens nicht nur für Fuchs, sondern auch für seinen Trainer. Nach den Angaben der Times würde Claudio Ranieri für den Gewinn der Meisterschaft einen Bonus von fünf Millionen Pfund (6,42 Mio. Euro) kassieren.

Sensations-Meister in Europa

Leicester City kann die Sensation am Sonntag perfekt machen und englischer Fußball-Meister werden. Der Club aus den Midlands hat drei Runden vor Saisonende in der Premier League sieben Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten Tottenham. Vor zwei Jahren spielte Leicester noch in der zweithöchsten Liga. In Europas Fußball-Historie gibt es wenige Vereine, denen Ähnliches gelang. Eine Auswahl:

1. FC KAISERSLAUTERN (1997/1998)

Nur ein Jahr nach dem Bundesliga-Aufstieg schaffte Trainer Otto Rehhagel mit dem 1. FC Kaiserslautern die große Überraschung: Nach einer grandiosen Saison sicherten sich die Pfälzer in der 33. Runde den Meistertitel. Schon der Saisonstart lief perfekt. Die "Roten Teufel" gewannen zum Auftakt 1:0 bei Bayern München.

NOTTINGHAM FOREST (1977/1978)

20 Jahre zuvor schaffte Nottingham Forest in England ähnlich Beeindruckendes. Das Team von Coach Brian Clough verlor als Aufsteiger nur drei von 42 Partien, sicherte sich den Titel und verwies Liverpool deutlich auf Platz zwei.

MONTPELLIER (2011/2012)

Viermal in Serie hat Paris Saint-Germain zuletzt die französische Meisterschaft gewonnen. Der letzte Titelträger vor den Hauptstädtern kam aus Montpellier - und das völlig unerwartet. Ein Jahr zuvor nur knapp dem Abstieg entronnen, lieferte sich der Club vom Mittelmeer einen Zweikampf mit Paris. In der letzten Runde entschied Montpellier mit Goalgetter Olivier Giroud das Titelrennen für sich.

ATLETICO MADRID (2013/14)

Neun Saisonen in Folge machten Real Madrid und der FC Barcelona die spanische Meisterschaft unter einander aus. Dann kam Diego Simeone mit Atletico und verwandelte in der Saison 2013/2014 den Zwei- in einen Dreikampf. Durch ein 1:1 in der letzten Runde im Auswärtsspiel bei Barca sicherten sich die Rojiblancos den Titel.

BURSASPOR (2009/2010)

25 Jahre lang ging der türkische Meistertitel ausnahmslos nach Istanbul. 2010 gelang Bursaspor mit dem gebürtigen Wiener und ehemaligen ÖFB-U21-Teamspieler Turgay Bahadir dann die große Überraschung: Fenerbahce patzte in der letzten Runde, Bursaspor schlug Besiktas und gewann die erste Meisterschaft der Vereinshistorie.

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