Sport | Fußball
24.07.2017

Frauen-EM: Eine sensationelle Werbeshow

Der Frauenfußball in Österreich braucht die Impulse des gefeierten Nationalteams.

Österreichs Damen sind die Überraschung bei dieser EM. Dem Sieg gegen die Schweiz ließen sie ein 1:1 gegen Mitfavorit Frankreich folgen. Nach Sarah Puntigam wurde auch am Samstag wieder eine Österreicherin zur besten Spielerin gewählt: Nicole Billa (Bild links). Und Le Monde verglich Torfrau Manuel Zinsberger von den Bayern mit Manuel Neuer, ebenfalls Bayern.

Österreich ist erstmals bei der EM. Nun genügt ein Punkt im Spiel gegen Island am Mittwoch, um fix im Viertelfinale zu sein. "Wir sind schon sehr weit gekommen, aber noch nicht durch. Träumen dürfen wir, aber sprechen brauchen wir nicht davon", sagte ÖFB-Präsident Leo Windtner.

Quotenstars Frauen

577.000 Zuschauer bei der Frankreich-Analyse waren der Topwert auf ORF eins in dieser Woche. Die Begeisterung für das Frauenteam schraubt nun auch die Erwartungshaltung in unrealistische Höhen. Die Leistung in den Niederlanden ist schon jetzt eine Sensation, das zeigt der Vergleich mit der europäischen Spitze (siehe Grafik unten).

Vor allem die heimische Liga hinkt weit hinterher. In den Niederlanden sind 150.000 Frauen und Mädchen beim Verband gemeldet. In Österreich sind es rund 7500 Frauen und 12.000 Nachwuchsspielerinnen. ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner: "Wir hoffen, dass durch die Leistungen bei dieser EM viele Mädchen Fußball spielen wollen und dadurch Druck auf die Vereine machen, damit etwas passiert." Auch bei den Bundesligavereinen.

Denn bislang sind die Erfolge des Teams auf Eigeninitiative (Schnaderbeck und Wenninger gingen mit 16 zu dem Bayern) und auf das "Nationale Zentrum für Frauenfußball" des ÖFB in St. Pölten zurückzuführen. Zwei Millionen Euro gibt es pro Jahr für die drei Nationalteams und das nationale Zentrum, wo es aber nur 50 Plätze gibt.Bezüglich eines zweiten solchen Zentrums redet Ruttensteiner Klartext: "Die Anzahl der hochqualitativen Spielerinnen ist noch nicht da. Wir haben schon Probleme, jährlich zehn herausragende Talente zu finden."

Wie auch bei den Männern erfolgt der größte Schritt in der Entwicklung mit dem Abschied aus der österreichischen Liga. Teamverteidiger Sebastian Prödl, selbst schon neun Jahre im Ausland und Cousin von Viktoria Schnaderbeck, sagt: "Ich hoffe, dass diese EM Impulse für den Damenfußball in Österreich bringt. Ich glaube aber, dass die talentierten Spielerinnen auch künftig ins Ausland gehen müssen, wenn sie von ihrem Sport leben wollen."