© Privat

Sport Fußball
03/27/2020

Ex-Austrianer Troyansky in Madrid: "Leichen im Einkaufszentrum"

Fernando Troyansky erzählt vom täglichen Wahnsinn in der Corona-Krise und der Hilflosigkeit der Menschen in Madrid.

von Alexander Strecha

Fernando Troyansky lehnt sich aus dem Fenster seiner Wohnung, blickt auf die Calle de Arturo Soria und sieht – nichts. Madrid steht still, die Menschen bleiben daheim. So auch der Ex-Austrianer Troyansky samt seiner Frau und Schwiegermutter.

Er kann noch nicht wirklich fassen, was in der spanischen Hauptstadt passiert. In seiner Stimme schwingt Besorgnis und etwas Angst mit. „Es ist eine Katastrophe, wir haben so viele Infizierte und Tote. Mehrmals am Tag kommen neue Zahlen.“

Sein kleines feines Fitnesscenter firme24 in der Calle Goya, einer belebten Einkaufsstraße in Madrid, hat er schon vor einigen Tagen schließen müssen. „Das Wichtigste ist ohnehin, dass wir in der Familie gesund sind. Wir machen jetzt eben Dinge, für die sonst im Alltag wenig Zeit bleibt.“

Der tägliche Wahnsinn

Täglich erhält der Argentinier neue Zahlen aus den Medien. „Jeden Tag mehr als 500 Tote. Ein Wahnsinn.“ Unweit seiner Wohnung liegt im Nordosten der Stadt das Einkaufszentrum Palacio de Hielo. „Es ist zu vergleichen mit der Lugner City in Wien. Es hat ein Kino, sogar einen Eislaufplatz.“

Aktuell stapeln sich dort die Leichen der Corona-Toten auf 1800 Quadratmetern. „Die Bestattungsinstitute sind überfordert und haben keinen Platz mehr, daher bringen sie die Toten hierher.“ Der 42-Jährige wirkt erschüttert.

Doch Troyansky wäre nicht Troyansky, würde er nicht im nächsten Augenblick positiv denken. Er war schon als aktiver Fußballer in Österreich als Kämpfernatur bekannt. Diese Eigenschaft zeichnet ihn auch jetzt noch aus. „Wir werden das überstehen, und es wird uns vielleicht in bessere Menschen verwandeln. Ich hoffe es zumindest. Denn man sieht hier in Madrid sehr viel Solidarität.“

Der Hoffnungsschimmer

Die Modekette „Zara“ zum Beispiel hat viele Lkw-Ladungen voll mit sanitären Utensilien zur Verfügung gestellt. „Viele pensionierte Ärzte kommen aus ihrem Ruhestand zurück und helfen, wo es nur geht. Das Virus holt aktuell das Beste aus den Menschen heraus.“

Positiv denken, verantwortungsbewusst sein. „Wir müssen uns an die Vorgaben der Regierung halten, damit diese Krise nicht allzu lange dauert.“ Dennoch macht er sich Sorgen. Um Freunde, die bei den großen Sporttageszeitungen als Journalisten tätig sind. Zwei Legenden des Sportjournalismus, 76 und 59 Jahre alt, sind dem Virus schon zum Opfer gefallen.

Troyansky hat nach wie vor einen Bezug zu Österreich. „Vor Kurzem wurden mir Magnetfeld-Matten aus Klagenfurt geliefert. Die stärken das Immunsystem, verbessern die Lungenfunktion. Die hatten wir damals schon bei der Austria zur Regeneration.“ Heute legt er sich zur Prophylaxe darauf.

Natürlich will er wissen, wie sich die Lage in Österreich gestaltet. Seinen Ex-Kollegen von Austria Wien hat er vor einigen Tagen ein Aufmunterungsvideo geschickt. „Bitte bleibt alle daheim. Es bringt nichts. Wenn das alles vorüber ist, dann komme ich meine Freunde in Österreich sofort wieder besuchen und wir gehen auf einen Kaffee. Oder sie kommen zu mir, wir trinken eine Flasche Rioja und schauen uns ein Spiel von Real Madrid an.“

Die Hoffnung lebt. Bei Troyansky immer.