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Sport Fußball
06/11/2021

Ewiges Talent und Skandal-Stürmer: Balotelli geht Italien nicht ab

2012 warf Balotelli die Deutschen im Alleingang im Semifinale aus der EM, das einstige Super-Talent ist aber schon seit drei Jahren kein Thema mehr für das italienische Team.

von Günther Pavlovics

Deutschland weinte, Italien lachte, und die Fußball-Welt staunte über den Körper von Mario Balotelli. Rückblende auf das Jahr 2012. Deutschland verlor das EM-Semifinale gegen Italien 1:2. Balotelli hatte die Italiener vor der Pause mit 2:0 in Führung gebracht. Es war der beste Auftritt in der Karriere des dunkelhäutigen Stürmers, der damals mit 21 Jahren unaufhaltsam die Karriereleiter nach oben zu klettern schien.

Italien bestreitet am Freitag-Abend das Eröffnungsspiel der EM. Balotelli, obwohl erst 30 Jahre alt, hat schon im Herbst 2018 den letzten seiner 36 Teameinsätze gefeiert. Wie im Team ging es auch mit den Namen seiner Klubs bergab. Der Sohn ghanaischer Einwanderer wurde schon in jungen Jahren in die Obhut der Familie Balotelli in Palermo gegeben. Mit 15 Jahren spielte er bereits in der Serie C, mit 17 Jahren kam er zu Inter Mailand. Dort verbrachte er drei Jahre, darunter eines mit dem ein Jahr älteren Marko Arnautovic.

Knallkopf, aber guter Mensch

Es folgten Engagements bei Manchester City, AC Milan, Liverpool, Nizza, Marseille, Brescia und seit letztem Sommer Monza. Der Klub in der Serie B ist die neue Spielwiese von Silvio Berlusconi, dem ehemaligen Ministerpräsidenten und Milan-Chef. Monza scheiterte zwar in der Relegation am Aufsteig in die Serie A, aber Balotelli fand zu alter Form zurück. Er spielte an der Seite von Kevin-Prince Boateng. Der 34-jährige gebürtige Deutsche erzählte: „Dass er ein Knallkopf manchmal war oder ist, das wissen wir alle. Das war ich auch, und davon gibt’s viele. Aber im Herzen ist er ein guter Mensch, und das ist, was am Ende immer zählt.“

Gescheitertes Talent, Riesenbaby, Skandalboy – ein Best-of der „Balotellata“, ein Wort, das in Italien als Synonym für unüberlegte und bisweilen törichte Aktionen kreiert wurde:

  • Dartspfeil-Gate

Im März 2011 huldigte Mario Balotelli auf komische Art und Weise dem Dartssport. In Diensten von Manchester City schnappte sich der Angreifer ein paar Dartspfeile und bewarf auf dem Trainingsgelände einige Jugendspieler des Klubs damit. Es wurde niemand verletzt.

  • 5.000 Pfund im Auto

Bei einem von Balotelli verursachten Unfall fanden Polizisten 5.000 Pfund in bar beim Italiener im Auto. Auf die Frage, warum er so viel Bargeld bei sich trage, antwortete Balotelli: „Weil ich reich bin!“

  • Hausbrand

Balotelli zündelte mit zwei Freunden und einem Haufen Feuerwerkskörpern in einem Haus.

  • Moped-Wette

Er bot einem Barbesitzer in Neapel eine Wette über 2.000 Euro an, wenn dieser samt Moped ins Hafenbecken fährt. Gesagt, getan, bezahlt. Moped und Barbesitzer blieben wohlauf, Balotelli wurde angezeigt wegen illegaler Wetten und Anstiftung zu einer Straftat.

  • Benzinbruder

Balotelli zahlte den Sprit für alle Leute an einer Tankstelle, weil er keine Lust hatte, in der Schlange zu stehen.

  • Einkauf der Mutter

Seine Mutter wollte ein Bügelbrett. Stattdessen fand er aber einige andere schöne Dinge. Er kam mit einem Quad-Bike, einem Trampolin und einer Carrera-Bahn zurück.

  • Telefonnummer

Wieder einmal ging es ums liebe Geld. Und um Frauen: Balotelli fand eine junge Dame sehr attraktiv und bot ihr 20.000 Pfund, damit sie ihm ihre Telefonnummer gibt.

  • Hotelzimmer

Als Spieler von Manchester City düste er im Jänner durch die Arbeiterstadt im Norden Englands. Er sah eine Gruppe Obdachloser in der Nähe des Hotel Hilton. Er stieg aus, betrat die Nobelherberge und buchte 24 Zimmer. Er sorgte dafür, dass die Obdachlosen dort eine Woche wohnen konnten, inklusive Verpflegung und Haarschnitt.

  • Spielzeug

Zu seiner Mailänder Zeit kaufte der Stürmer einen kompletten Lastwagen mit Kinderspielzeug. Anschließend ließ er es vor einer Schule abladen und verteilen.

  • Weihnachtsmann

Balotelli verkleidete sich als Weihnachtsmann und gab jedem, der die Hand aufhielt, 1.000 Pfund. Er wurde aber von einem Reporter erkannt, als er sich nach der Aktion unbemerkt verdrücken wollte.

Keinen Spaß versteht er bei rassistischen Beleidigungen, die sich durch seine Karriere ziehen. Vor der EM 2012 sagte er: „Wenn mich jemand auf der Straße mit einer Banane bewirft, werde ich denjenigen umbringen.“

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