Sport | Fußball 27.02.2015

Sieben Gründe für Salzburgs Europacup-Aus

Da wurde es finster: Nicht nur Martin Hinteregger wollte sich verstecken, als die Gäste aus Villarreal zum dritten Mal jubelten. © Bild: REUTERS/DOMINIC EBENBICHLER

Nach dem K.o. gegen Villarreal ist Aufarbeitung angesagt. Warum das Achtelfinale verpasst wurde.

Eine engagierte Leistung hat nicht gereicht: Zum dritten Mal im vierten Versuch ist Salzburg im Sechzehntelfinale der Europa League gescheitert. Gegen den FC Villarreal war gestern Endstation. Nach dem 1:2 in Spanien verlor Österreichs Meister auch das Rückspiel mit 1:3 – trotz einer frühen Führung.

Viel fehlte nicht. Es waren im beiden Spielen Kleinigkeiten, die aber gravierende Folgen hatten. Sieben Gründe, warum Salzburg gegen die Nummer sechs Spaniens ausgeschieden ist:

1. Das Lospech Salzburg war als Gruppensieger ein gesetzter Verein und bekam trotzdem einen Top-Klub aus einer europäischen Topliga zugelost. Es fehlte also auch das Losglück, wären doch mit Klubs wie Aalborg, Young Boys Bern, Trabzonspor oder Guingamp vermeintlich leichtere Gegner möglich gewesen.

2. Die Fehleinschätzung Die Salzburger wollten Villarreal mit extremen Offensiv-Pressing überraschen. Gelungen ist das freilich nicht. Die Spanier waren nicht nur in der Defensive perfekt auf Österreichs Meister eingestellt, sondern hatten auch in der Offensive die Klasse, um Salzburgs Abwehr zu Fehlern zu zwingen.

3. Die Spielweise "Wir werden unser Spiel an niemanden anpassen." Ein Satz, der von Salzburgs Verantwortlichen immer wieder zu hören ist: Früh im Schwarm attackieren, nach Ballgewinn den direkten Weg zum Tor suchen und besonders hoch verteidigen – daran gibt es nichts zu rütteln. Auch dann, wenn der Gegner die Qualitäten hat, Salzburgs Stärken in Schwächen zu verwandeln, wie es Villarreal konnte.

4. Die Abgänge Niemand kann beweisen, ob es mit Sadio Mané, Kevin Kampl und Alan zum Aufstieg gereicht hätte. Fakt ist aber, dass die Salzburger mit diesen drei Abgängen individuelle Qualität verloren haben, die (noch) nicht kompensiert werden konnte.

5. Die Einkäufe Die Winterzugänge Marco Djuricin und Takumi Minamino nach einem Monat zu bewerten, wäre unseriös. Aber etwa Massimo Bruno ist mittlerweile schon mehr als halbes Jahr in Salzburg, angekommen ist der kolportierte sechs Millionen Euro teure Belgier noch immer nicht. In Villarreal agierte er unter der Wahrnehmungsgrenze, im Rückspiel stand er nicht einmal in der Startelf.

6. Der Jugendwahn Für Sportchef Ralf Rangnick ist ein Spieler, der älter als 23 Jahre ist, uninteressant. Routine und Erfahrung sowie die meist daraus resultierende Cleverness zählen wenig. Es gibt in jedem Spiel Phasen, in denen diese Eigenschaften wichtig wären. Das hat besonders das Hinspiel bewiesen, als Salzburg nach dem eigenen 1:1-Ausgleich völlig die Ordnung verloren hatte, weil niemand das Tempo drosseln konnte.

7. Die Defensive Salzburg kassiert für ein Spitzenteam zu viele einfache Gegentore, die sich gerade in K.-o.-Duellen besonders negativ auswirken. Seit mehr als eineinhalb Jahren herrscht in Salzburg ein Vakuum auf der Innenverteidiger-Position: Es gibt keine Alternativen zum Duo Hinteregger/Ramalho, das im Sommer 2013 auch nur aus der Not geboren worden ist. Der Brasilianer ist seit Monaten außer Form, spielt aber praktisch immer. Ein neuer Innenverteidiger wurde mehrmals angekündigt, aber seit zweieinhalb Jahren keiner verpflichtet.

Salzburg - Villarreal in Bildern

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©REUTERS/DOMINIC EBENBICHLER

Salzburg's Djuricin celebrates a goal against Vill

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FUSSBALL: UEFA EUROPA LEAGUE / RED BULL SALZBURG -

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FUSSBALL: UEFA EUROPA LEAGUE / RED BULL SALZBURG -

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FUSSBALL: UEFA EUROPA LEAGUE / RED BULL SALZBURG -

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( Kurier ) Erstellt am 27.02.2015