Sport | Fußball 12.03.2014

Salzburg trifft auf einen Vorzeigeklub

Österreichs Tabellenführer gastiert am Donnerstag in der Europa League in Basel.

Acht Meistertitel, sechs Cupsiege, Stammgast in der Champions League, Einzug ins Europa-League-Semifinale – die Erfolgsbilanz des FC Basel im dritten Jahrtausend kann sich sehen lassen und brachte die Schweizer auf Platz 24 im UEFA-Ranking.

Aber Salzburgs Gegner im Europa-League-Achtelfinale war nicht immer der Topklub der Schweiz. Im Gegenteil. Drei Namen sind unzertrennlich mit dem Aufstieg der Basler verbunden: Christian Gross, Gisela Oeri und René C. Jäggi.

Jäggi war es, der den schlafenden Riesen des Schweizer Fußballs erweckte. Nach sieben Meistertiteln unter Spieler-Trainer Helmut Benthaus (1965 – 1982) stieg Basel 1988 sogar für sechs Jahre in die 2. Liga ab. Finanziell angeschlagen, sportlich am Boden, nur auf die Fans in der fußballverrückten Stadt war Verlass.

1996 wurde Jäggi Klubboss und nützte dieses Potenzial. Er verpflichtete Trainer Gross, der zehn Jahre erfolgreich in Basel arbeiten sollte. Er überredete die Milliardärsgattin Oeri, in den Klub zu investieren, und er trieb den Neubau des veralteten St.-Jakob-Park in eine moderne Arena voran. Kurz nachdem diese 2001 eröffnet wurde, trat er von seinem Amt zurück. Der Aufstieg des FC Basel war nicht mehr zu bremsen. Dank der finanziellen Unterstützung von Oeri, die mit einem Erben des Basler Pharmakonzerns Hoffmann-La Roche verheiratet ist, musste der Klub nicht jeden Franken zwei Mal umdrehen.

Mäzenin

Aber Oeri, die von 2006 bis 2012 dem FC Basel als Präsidentin vorstand, sich aber schon 2009 vom operativen Geschäft zurückzog, investierte ihr Geld anders als etwa Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz. Der FC Basel wurde nicht wie Austria Salzburg in ein Unternehmen integriert. Klubnamen und -farben blieben unangetastet. Oeri baute das Fundament, aber darauf keinen Palast. Ihr Leitsatz war ein klarer: „Der FCB muss auch überleben können, wenn ich einmal von einer Tram überfahren werde.“

Mit ihren Millionen hätte sie sich Superstars leisten können, holte aber keinen Einzigen. Nur einmal wäre Oeri fast schwach geworden. 2004 wollte sie Ex-Real-Stürmer Fernando Morientes holen, doch Trainer Gross lehnte ab. Der Spanier hätte das Gehaltsgefüge durcheinandergewirbelt.

Oeri leistete die Starthilfe, mit der Gross ein Meisterteam zusammenstellen konnte. Dann öffnete sie immer nur ihre Geldbörse, wenn der Klub in eine finanzielle Schieflage zu geraten drohte oder ein nachhaltiges Projekt finanziert werden musste – wie etwa der FCB-Campus für den Nachwuchs.

Ihr Klub muss und kann mittlerweile auf eigenen Beinen stehen. Das Geschäftsmodell ist ein Einfaches: Talente selbst ausbilden oder günstig einkaufen und diese mit Gewinn verkaufen. Denn eines ist auch den Baslern klar: Trotz aller Erfolge kann kein Spieler in der kleinen Schweiz gehalten werden, wenn ein Klub aus einer großen Liga anklopft, obwohl Verkäufe aus finanziellen Gründen nicht nötig sind.

Beispiele von Spielern, die um Millionenbeträge verkauft werden konnten, gibt es unzählige – etwa die Schweizer Shaqiri und Xhaka, der Österreicher Dragovic oder erst im Jänner der Ägypter Salah (siehe unten).

Rekordumsatz

Transfereinnahmen in Höhe von 27,4 Millionen Franken (22,5 Millionen Euro) sorgten dafür, dass das Geschäftsjahr 2012 zum finanziell erfolgreichsten des Klubs wurde. Die Transferausgaben betrugen neun Millionen Franken (7,4 Millionen Euro). Basel erwirtschaftete einen Überschuss von 18,4 Millionen Franken (15,1 Millionen Euro). Zum Vergleich: Salzburg machte in diesem Zeitraum ein Transferminus von 14 Millionen Euro.

80 Millionen Franken (65,7 Millionen Euro) betrug der Umsatz. Dieser hat sich seit 2009 verdoppelt. Zum Vergleich: Salzburg hatte in der vergangenen Saison 60,8 Millionen Euro Umsatz. Der Basler Gewinn betrug fast 15 Millionen Franken (12,3 Millionen Euro), jener von Salzburg – wie jedes Jahr – eine Million Euro.

14 Millionen Franken (11,5 Millionen Euro) des Gewinns gingen an die FC Basel Holding AG. Diese ist mit einem Eigenkapital von 32 Millionen Franken (26,3 Millionen Euro) ausgestattet. „Dieses Geld ist für uns wie eine Sparkasse, mit der wir sehr vorsorglich umgehen“, erklärt Finanzvorstand Stephan Werthmüller die Basler Klubphilosophie.

Die zehn Top-Verkäufe des FC Basel

Der Zuschauermagnet FC Basel

Von solchen Zuschauerzahlen können die österreichischen Klubs bei Liga-Spielen nur träumen. Mehr als 27.000 Fans im Schnitt pro Spiel hat der FC Basel in der Schweizer Super League, rund 24.000 Jahreskarten wurden verkauft, in der 175.000-Einwohner-Stadt ist der Klub ein Allgemeingut. Für viele Basler gehört es zum guten Ton, mit dem Kauf einer Jahreskarte den Verein zu unterstützen, auch wenn man nicht bei jedem Spiel im Stadion live dabei sein kann.

Die Fans steuern auch einen guten Teil zum wirtschaftlichen Erfolg des Vereins bei. Im letzten Geschäftsjahr betrugen die Einnahmen aus den Ticketverkäufen 19,1 Millionen Franken (15,6 Millionen Euro). Das ist fast ein Viertel des Gesamtumsatzes des Schweizer Meisters. Zum Vergleich: Von den zehn österreichischen Bundesliga-Vereinen haben nur drei (Salzburg, Austria, Rapid) einen höheren Gesamtumsatz als Basel alleine mit den Tickets umgesetzt.

Zum Hinspiel im Achtelfinale der Europa League gegen Salzburg (19 Uhr, live ORFeins, Sky) werden am Donnerstag allerdings mit 14.000 wesentlich weniger Fans erwartet als noch am Samstag beim 1:1 im Liga-Spiel gegen den FC St. Gallen (26.243) im Basler EM-Stadion waren.

Die Gründe liegen auf der Hand: Derzeit ist in Basel die weltberühmte Fasnacht voll im Gange. Die ganze Stadt ist im Ausnahmezustand, Tausende feiern bis Donnerstag um vier Uhr Früh, wenn der größte Karneval der Schweiz nach 72 Stunden mit dem Endstraich beendet wird. Der Abend danach ist für ein Fußballspiel ein denkbar ungünstiger Termin.

Dazu ist für die Basler Fans, die mit Europacupspielen gegen Topteams wie Manchester United, Bayern München, Tottenham oder Chelsea verwöhnt wurde, weder ein Europa-League-Achtelfinale noch der Gegner Salzburg besonders attraktiv.

In Salzburg ist das ganz anders. Beim Rückspiel am 20. März wird die Red-Bull-Arena zum bereits vierten Mal diese Saison mit 29.320 Zuschauern ausverkauft sein. Die im freien Verkauf erhältlichen Tickets waren am Samstag in viereinhalb Stunden ausverkauft. Die Bundesliga-Spiele ziehen da schon weniger. Der Zuschauerschnitt in dieser Saison beträgt knapp über 11.000.

( Kurier ) Erstellt am 12.03.2014