Wieder fit: Schobesberger könnte bereits in Genk als Joker zum Comeback kommen

© AP/Alberto Saiz

Sport | Fußball
11/26/2015

Rapid verliert in Villarreal

Die Wiener unterliegen nach guter Leistung 0:1. Platz 1 bleibt umkämpft.

Die erste Entscheidung ist schon vor dem Anpfiff gefallen: Weil Minsk im vorgezogenen Spiel Pilsen in letzter Minute 1:0 geschlagen hatte, stand nach Rapid auch Villarreal schon als Aufsteiger in die K.-o.-Runde fest.

Es ging also „nur“ noch um den Gruppensieg. Die Entscheidung wurde auf die letzte Runde vertagt, weil Villarreal mit 1:0 gewann.

Nach nur vier Minuten war Christopher Dibon schreiend auf dem Boden gelegen. Der zuletzt sehr starke Innenverteidiger hatte sich im Zweikampf mit Stürmerstar Soldado die Bänder im Knöchel verletzt. Maximilian Hofmann kam als Ersatz.

Bis dahin hatte Zoran Barisic seine aktuelle Top-Formation aufgeboten. Nach längerem Überlegen entschied sich der Rapid-Trainer, bei der Aufstellung keine Rücksicht auf das Sonntagsspiel gegen Altach zu nehmen. Deswegen lief auch der zuletzt angeschlagene Thanos Petsos ein.

Villarreal-Trainer Marcelino bot fast alle Stützen auf, traute sich nicht mehr - wie bei der 1:2-Niederlage in Wien - eine B-Elf auf dem mit viel Wasser befeuchteten Rasenteppich einlaufen zu lassen. Dementsprechend druckvoll startete der Vierte der Primera División. In Minute 7 rettete Tormann Jan Novota gegen Bakambu.

Nach einer Rapid-Viertelstunde mit viel Ballbesitz für Villarreal hatte sich der Tabellenführer vom Dibon-Schock erholt. Die erste Chance hatte Steffen Hofmann per (gehaltenem) Freistoß (23.). Ehefrau Barbara zitterte mit den drei Kindern auf den steilen Tribünen mitten im Wohngebiet mit.

Eine weitere Viertelstunde später waren die Gäste der Herr im Haus. Als die Rapidler in der gegnerischen Hälfte Such’s-Balli spielten, pfiffen die rund 15.000 Spanier auf ihre Mannschaft.

Die 1700 mitgereisten Rapid-Fans durften vom höchsten Punkt der Kleinstadt aus einen starken Kainz-Schuss beklatschen: Nicht einmal die Kirchen Villarreals sind höher als der einzige dritte Rang im Stadion, der für die Grünen reserviert war.

Es dauerte bis in die Nachspielzeit der ersten Hälfte, ehe der Favorit wieder gefährlich wurde. Bakambu setzte den Volley daneben.

Aufgedreht

Nach der Pause legte Villarreal zu. Soldado vergab gleich doppelt (48., 49.). In Minute 58 ging es rund. Novota rettete mit einem Reflex vor dem 0:1, Soldado setzte den Abpraller an die Stange, im direkten Konter vergab Rapid eine 3:1-Überzahl.

Erst dann fiel auf, dass Novota noch auf dem Boden lag. Er hatte sich bei seiner Rettungstat an der Schulter verletzt. Nach dem zweiten verletzungsbedingten Wechsel kam Goalie Richard Strebinger zu seinem Europacup-Debüt. Bei einem Schuss von Joker Samu wäre er wohl geschlagen gewesen (72.). Auch in der Rapid-Viertelstunde hielt der Druck an. Nach einem Corner passierte es: Bruno Soriano stand im Getümmel goldrichtig und traf ins Eck – 1:0 (78.).

Die Chance auf den Ausgleich folgte nach einem abgefälschten Kainz-Schuss. Stefan Stangl drehte sich elegant, verfehlte beim Abschluss aber das Tor (81.). Strebinger hielt zwar noch vorbildlich gegen Samu, weil aber auch Barbosa den Kopfball von Stangl bändigen konnte (95.), setzte es die erste Auswärtsniederlage der Europacup-Saison.

Der Liveticker zum Nachlesen

Ergebnisse, Tabellen

Villarreal - SK Rapid Wien 1:0 (0:0)

Villarreal, Estadio El Madrigal, 15.000, SR Pawel Raczkowski (POL).

Tor: 1:0 (78.) Soriano

Villarreal: Barbosa - Rukavina, Gaspar, Ruiz, Costa - Castillejo (83. Nahuel), Soriano, Dos Santos (73. Trigueros), Suarez - Soldado, Bakambu (52. Samuel)

Rapid: Novota (61. Strebinger) - Pavelic, Sonnleitner, Dibon (6. M. Hofmann), Stangl - Petsos, Schwab - Schobesberger, S. Hofmann, F. Kainz - Prosenik (86. Jelic)

Gelbe Karten: Costa, Soriano, Ruiz bzw. M. Hofmann, Sonnleitner

Sonnleitner: "Gutes Spiel gegen eine sehr gute Mannschaft"

Steffen Hofmann (Rapid-Kapitän): "Es schmerzt schon. In der ersten Hälfte haben wir nach einer Viertelstunde gut ins Spiel gefunden, auch Möglichkeiten gehabt. Wir hätten auch in Führung gehen können, da hätten wir das Spiel auch nicht verloren. Es war eine Leistung, mit der wir phasenweise zufrieden sein können. In der zweiten Hälfte hat man gemerkt, dass wir langsam müde werden."

Stefan Stangl (Rapid-Verteidiger): "Wir sind schwer ins Spiel gekommen, haben dann aber guten Fußball gespielt und gut kombiniert. In der zweiten Hälfte haben wir uns zu weit reindrängen lassen. Nach dem 0:1 hatte ich noch zwei Chancen, eine hätte ich machen müssen, das tut mir leid. Aber wir sind ein gutes Team, und das sieht man auf dem Platz. Jetzt hoffen wir noch auf den Gruppensieg und ein volles Haus gegen Dinamo Minsk."

Mario Sonnleitner (Rapid-Verteidiger): "Alles in allem haben wir ein sehr gutes Spiel gegen eine sehr gute Mannschaft gezeigt. Wir hätten einen Punkt verdient gehabt. Die Entwicklung geht trotzdem nach oben. Es ist bitter, dass sich zwei Spieler (Anm.: Christopher Dibon und Jan Novota) verletzt haben, aber wir haben zum Glück einen guten Kader."

Zoran Barisic (Rapid-Trainer): "Die Enttäuschung ist schon groß, was das Resultat betrifft. Auf der anderen Seite bin ich mit der Leistung meiner Mannschaft gegen einen sehr starken Gegner zufrieden. Dieses Spiel hat für uns große Bedeutung, was unsere Zukunft betrifft. Es hat gezeigt, dass wir auf so einem Niveau nicht nur verteidigen können, sondern auch mitspielen und Akzente nach vorne setzen können. Jetzt möchte ich eine Super-Leistung gegen Altach sehen, und dann im letzten Europa-League-Match gegen Dinamo Minsk hoffen wir auf ein volles Stadion."