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Sport Fußball
06/18/2021

EM-Duell England gegen Schottland: Die Mutter aller Länderspiele

Schottland und England bestritten 1872 das erste Länderspiel der Geschichte – bei der EURO kommt es zur Neuauflage.

von Peter Gutmayer

England gegen Schottland – mehr Tradition geht im Fußball nicht. Im Jahr 1872 trafen die beiden Teams im allerersten offiziellen Länderspiel der Geschichte aufeinander. Fast 149 Jahre danach, geht das Duell am Freitag in seine 115. Auflage. Die Vorzeichen sind klar: England hat beim Gruppe-D-Auftakt gegen Kroatien zwar nicht restlos überzeugt, aber mit dem 1:0-Sieg die erhofften drei Punkte geholt. Schottland steht hingegen nach der 0:2-Niederlage gegen Tschechien schon unter Druck.

So traditionsreich das Duell auch ist, so selten ist es in den letzten Jahren geworden. Bei einer Endrunde, man glaubt es kaum, trafen die beiden Mannschaften überhaupt erst einmal aufeinander. Bei der EM 1996 setzte sich England klar mit 2:0 durch. Unvergessen das Traumtor von Paul Gascoigne im alten Wembley-Stadion.

So traditionsreich das Duell auch ist, so selten ist es in den letzten Jahren geworden. Bei einer Endrunde, man glaubt es kaum, trafen die beiden Mannschaften überhaupt erst einmal aufeinander. Bei der EM 1996 setzte sich England klar mit 2:0 durch. Unvergessen das Traumtor von Paul Gascoigne im alten Wembley-Stadion.

Historische Nullnummer

Diesmal wird wieder im (mittlerweile neuen) Wembley-Stadion gespielt. Im Gegensatz zum ersten Aufeinandertreffen, das in Glasgow über die Bühne ging. Es war der 30. November 1872, angeblich ein sonniger Tag, als in der größten Stadt Schottlands Geschichte geschrieben wurde. Rund 4.000 Fans wurden damals am Hamilton Crescent gezählt, einem Cricket-Platz, der bis zur Eröffnung des First Hampden Park auch für Fußballspiele genutzt wurde.

Heute absolut undenkbar: Damals kamen alle elf schottischen Spieler von ein und demselben Klub: Queen’s Park. Der älteste Klub des Landes (Gründung 1867) gilt bis heute als dritterfolgreichster Verein im schottischen FA Cup, nur Celtic Glasgow und die Rangers haben mehr Titel gesammelt. Kapitän und Tormann der Heim-Mannschaft war ein gewisser Robert Gardner, der das Team auch zusammenstellte. Sein Gegenüber auf englischer Seite war Charles Alcock, der wegen einer Verletzung selbst aber nicht spielen konnte. Interessantes Detail am Rande: Schiedsrichter William Keay konnte die Partie erst mit 20-minütiger Verspätung anpfeifen. Dafür hatte er in den darauffolgenden 90 Minuten dann weniger zu tun – zumindest, was Tor-Entscheidungen betrifft. Das erste Länderspiel der Geschichte war nämlich gleichzeitig auch das erste 0:0 in der Historie.

Vorteil England

In den Jahren darauf kreuzten die beiden immer wieder die Klinge. Was das Gewinnen betrifft, hatten die Schotten zunächst einen kleinen Vorteil, was sich im Laufe der Zeit jedoch ändern sollte. Aktuell führen die Engländer die Statistik mit 48 Siegen an, 41 Mal war Schottland erfolgreich, 25 Remis waren dabei. Weil Schottland bei Endrunden zuletzt nicht unbedingt Dauergast war und die Losfee die beiden Kontrahenten in Qualifikationen selten die gleiche Gruppe beschert hat, kam es in den letzten Jahren nur selten zur „Battle of Britain“. England hat drei der jüngsten vier Partien gewonnen, der letzte Sieg der Bravehearts liegt schon etwas länger zurück, dieser gelang am 17. November 1999.

Bei aller Tradition: Das häufigste Länderspiel-Duell ist England – Schottland nicht. Argentinien und Uruguay sind seit 1901 unglaubliche 184 Mal aufeinander getroffen – und das sind nur die offiziell gezählten Partien. Auf Platz zwei in dieser Wertung liegt übrigens Österreich mit 137 Spielen gegen Ungarn. Auch das Duell Belgien – Niederlande (127) gab es öfter als England – Schottland.

Einzigartig

Trotzdem: Die „Battle of Britain“ lässt keinen Fußball-Fan kalt. 1872 genauso wenig wie heute. Die Schotten wissen, um was es geht: „Jetzt müssen wir es eben auf dem harten Weg schaffen“, sagt Mittelfeldmann John McGinn mit Blick auf die schwere Aufgabe. Vom vorzeitigen Ausscheiden will er nichts wissen. Favorit England versucht den Ball flach zu halten und weiß um die Besonderheit dieses Duells. „Die Atmosphäre beim letzten Mal war einzigartig, es wird ein schwieriges Spiel für uns“ , erinnert sich Stürmer Marcus Rashford an die letzte Begegnung 2017, die 2:2 endete. Ein Ergebnis, mit dem die Engländer ganz gut leben könnten.

Der Respekt vor den Schotten und der Größe des Spiels ist aber da. Rashford warnte vor dem Gegner, dieser habe gute Spieler. Namentlich nannte er seinen Manchester-Kollegen Scott McTominay und Liverpools Andrew Robertson. Als Spieler würde man auf diese Momente warten, sagte der Angreifer: „Du willst in den größten Partien spielen, und an diese werden wir uns für den Rest unserer Karrieren erinnern.“ Gute Nachrichten für die Three Lions: Harry Maguire ist wieder fit.

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