Allardyce stolperte nach nur 67 Tagen über seine Gier und Undercover-Reporter.

© REUTERS/Carl Recine

Fußball
10/04/2016

Englands Teamchefs: Hall of Shame

Männer zum Schämen, Sachen zum Lachen.

von Günther Pavlovics

Die Niederlage in Nizza traf Englands Fußballfans mitten ins Herz. 0:1 gegen Island, EM-Aus im Achtelfinale. Ex-Teamstürmer Gary Lineker jammerte: "Die schlimmste Niederlage unserer Geschichte. England geschlagen von einem Land, in dem es mehr Vulkane gibt als Fußballprofis." Roy Hodgson legte sein Amt als Teamchef, das er vor der EM 2012 übernommen hat, noch in der Nacht des Debakels zurück.

"Ich dachte, England könnte nicht mehr tiefer sinken als bei der EURO 2016", sagte Ex-Teamstürmer Alan Shearer nicht einmal drei Monate später der BBC. "Doch bitteschön, wir sind eine Lachnummer im Weltfußball." England und seine Teamchefs – da gab es schon einiges zum Kopfschütteln, Schmunzeln oder gar Lachen.

"Big Sam" Nimmersatt

Sam Allardyce trat im Juli die Nachfolge von Hodgson an. Die Nachfolge eines der bestbezahlten Teamchefs der Welt. Aber Big Sam waren die rund vier Millionen Euro Jahresgehalt wohl zu wenig. Er hatte mit vermeintlichen Geschäftsleuten einen rund 461.000 Euro schweren Beratervertrag ausgehandelt – ehe sich die angeblichen Investoren als Reporter entpuppten. Es sei "kein Problem", die "lächerlichen Regeln" zu umgehen, sagte Allardyce in dem mitgeschnittenen Gespräch. Das passiere "andauernd". Die Regeln, die er meint, betreffen das Verbot von Dritteigentümer-Verträge. Es soll verhindern, dass sich Investorengruppen Anteile an den Transferrechten von Fußballprofis sichern und bei Spielerwechseln mitverdienen. Der englische Verband (FA) wartet auf die Ermittlungsergebnisse und wird ihn dann strafen (Sperre oder Geldstrafe).

Schwedischer Casanova

2001 wurde Sven-Göran Eriksson der erste Teamchef der Nationalmannschaft, der nicht aus England kam. Der Schwede blieb bis 2006, nachdem sich der Verband 2004 mit einer pikanten Geschichte befassen durfte. Sven-Göran Eriksson hatte ein Verhältnis mit der Verbandsangestellten Faria Alam. Diese hatte auch ein Verhältnis mit FA-Geschäftsführer Mark Palios.
Eriksson durfte bleiben, Palios ging, Alam musste gehen und führte einen Prozess vor dem Arbeitsgericht. Danach tauchte sie noch in Big Brother auf und in einem Film.

Plappermaul Hoddle

Glenn Hoddle faselte sich 1999 in der Times um den Job, den er 1996 angetreten hatte. "Dir und mir wurden zwei Hände und zwei Beine und ein halbwegs akzeptables Gehirn gegeben", plapperte der damals 41-jährige Teamchef dem Sportreporter Matt Dickinson in den Block. "Es hat einen Grund, dass einige Menschen nicht so geboren sind. Dieses Karma wirkt aus einem früheren Leben. Was du säst, das wirst du ernten." Zu gut Deutsch: Behinderte müssten mit ihrer Unvollkommenheit für Sünden "zahlen", die sie in einem anderen, zurückliegenden Leben begangen hätten. Spätestens seit der damalige Premierminister Tony Blair Hoddle kritisiert hatte und seit der Drohung eines Sponsors, den Vertrag mit der FA über acht Millionen Pfund aufzulösen, war dessen Abgang klar. Über seine enge spirituelle Beziehung zu einer Amateur-Geisterheilerin, deren umstrittenes Wirken er sogar in Trainingslagern des Teams einfließen ließ, war bis zu diesem Interview hauptsächlich humorig geschrieben worden. Mit diesem Outing wurde deutlich, dass Hoddle sich in dem bunten Mix aus westlichen und östlichen Religionen fundamental verlaufen hat.

Der Regenschirm-Trottel

England spielte 2007 daheim gegen Kroatien, es war die entscheidende EM-Qualifikationspartie und es regnete. Die Engländer verloren – "Goodbye Vienna" (die Endrunde fand in Österreich und der Schweiz statt) und auch "Goodbye McClaren". Weil sich Teamchef Steve McClaren unter einem großen Schirm vor dem Regen und den Schmährufen der Fans versteckt und dem Aus seines Teams tatenlos zugesehen hat, hagelte es Kritik. "Wir haben Trainer gesehen, von Hagel durchnässt und gepeitscht. Wir haben Anführer gesehen, die in Schnee und beißendem Wind bei ihren Männern sein wollten. Aber wir haben noch nie einen Cheftrainer gesehen – und ganz sicher nicht in England – der in so einem wichtigen Spiel Angst hatte, dass seine Haare nass werden könnten", schrieb die Times. Die Daily Mail setzte noch einen drauf: "Steve McClaren wird in Erinnerung bleiben als der Trottel mit dem Regenschirm."
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