Sport | Fußball
03.08.2017

EM: Wenninger schaut auf Hummels und Alonso

Carina Wenninger ist eine der Stützen im ÖFB-Team. Bei Bayern schaut sie auch den Männern auf die Füße.

Im Nationalteam eine fixe Größe, bei Bayern München ein wichtiger Teil der Mannschaft: Carina Wenninger hat in ihrer Fußball-Karriere viel richtig gemacht. Bei der EM in den Niederlanden eilt die 26-Jährige gerade von Highlight zu Highlight. Um für ihre Aufgaben gerüstet zu sein, wagt sie oftmals auch einen Blick zu den Männern. Mit den Bayern hat sie eines der weltbesten Teams vor der Haustüre.

Das Training der Bayern-Frauen findet nur teilweise an der Säbener Straße statt, zum Mittagessen in die Kantine geht es für Wenninger und Co. regelmäßig dorthin. "Da verfolgt man schon die Trainingseinheiten, da kann man viel lernen, weil es einfach Weltklasseniveau ist", sagte die Abwehrspielerin. Für sie stehen bestimmte Akteure im Fokus. "Ich schaue gerne Mats Hummels zu, sein Spielaufbau ist stark", gab Wenninger Einblick. Thiago findet sie auch interessant, früher war es auch der mittlerweile zurückgetretene Xabi Alonso.

Im Schatten der Männer

Viel direkten Kontakt zu den Männer-Profis gibt es aber nicht, ÖFB-Star David Alaba und Co. werden abgeschirmt. "Wenn man gemeinsam auf einer Meisterfeier ist oder sich so trifft kennt man sich, grüßt sich und erkundigt sich, wie es dem anderen geht. Es ist aber nicht der megapersönliche Kontakt", erklärte Wenninger. Die Frauen fristen im Club ein Schattendasein. "Die Männer haben so ein hohes Standing, dass es als Frauenmannschaft nicht einfach ist", so die ÖFB-Teamkickerin.

Da sie sich in München und beim Club sehr wohl fühlt entschied sie sich nach zehn gemeinsamen Jahren für eine weitere Vertragsverlängerung bis Sommer 2019. "Es macht mir weiter großen Spaß, das ist das Wichtigste", so Wenninger. Die Frau mit wenig Rhythmusgefühl hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. "Ich glaube, dass in meiner Karriere sehr viel gut gelaufen ist", so die Abwehrspielerin.

Bei der EM stand sie bisher in jeder Partie über die volle Distanz auf dem Feld, ihr Marktwert hat sich dadurch auch gesteigert. "Das ist aber ein Faktor, der für mich nicht bedeutend ist", betonte Wenninger. Anderen geht es anders. "Für die eine oder andere, die vielleicht noch den Sprung ins Ausland wagen oder gerne bei einem anderen Verein spielen würden, ist die EM natürlich eine Topauslage", weiß Wenninger.

Höhepunkt noch nicht erreicht

Mit dem Halbfinale wurde mehr als jemals gedacht schon erreicht. Die Euphorie in der Heimat ist riesengroß. "Es ist schön zu sehen und wenn jetzt viele Mädels anfangen, Fußball zu spielen, wäre das ein Traum", erläuterte Wenninger. Auch wenn es während einer normalen Saison manchmal Gedanken über die Zeit nach dem Fußball gebe, sei ein Karriereende noch nicht in Sicht. "Momentan überwiegen die tollen Eindrücke, die ich im Sport erleben darf", betonte Wenninger, die 2013 einen Kreuzbandriss erlitten hatte.

Am Höhepunkt muss sie noch nicht angelangt sein. Eine Horizonterweiterung scheint möglich. "Mich würde auch einmal ein anderer Fußball, wie in England oder anderen Ländern, interessieren", verriet Wenninger.

Ausbildunsgtechnisch absolviert sie ein Fernstudium im Bereich Fitness und Health-Management. "Da habe ich noch ein Semester, da ist mir die EM ein bisschen in die Quere gekommen, da hätte ich Prüfungen machen sollen", sagte Wenninger. Was sie nach dem Bachelor-Abschluss machen wird, ist offen. Bereiche wie betriebliches Gesundheitsmanagement oder auch etwas in Richtung Sport oder Fußball würde sie nach der Karriere interessieren.

Kindheitstraum erfüllt

Was das Lernen betrifft, ist Wenninger oftmals am letzten Drücker tätig. "Wenn ich es anders vereinbaren könnte, würde es mir schon großen Spaß machen an die Universität zu gehen, aber ein Fernstudium ist einfach mit Leistungssport die perfekte Kombination", verlautete die Innenverteidigerin. Im Fußballtraining hängt sie Disziplin sehr hoch. "Ich habe meine Trainingssteuerung ganz gut im Griff, besser als im Studium, es läuft alles ganz gut", meinte die Bayern-Spielerin.

Bereits im Kindergartenalter kickte sie mit Burschen, in der Volksschule nahm sie ein Freund zum Training mit. Es war der Anfang einer Erfolgsgeschichte, vom Fußball kam sie nicht mehr weg. "Ich habe schon als Kind davon geträumt, einmal mit Österreich bei einem großen Turnier dabei zu sein", verriet Wenninger. Das hat sie nun erreicht. Der durchschlagende Erfolg kam noch dazu. Am (heutigen) Donnerstag ging es in Breda gegen Dänemark um den Einzug ins Finale. Ihr 70. Länderspiel könnte ewig in Erinnerung bleiben.