Vertrag beim ÖFB? Warum es mit Rangnicks Unterschrift dauert
Ralf Rangnick
Sieben Mal hat die Associazione Calcio Milan, kurz AC Milan, die Champions League bzw. den Europapokal der Landesmeister gewonnen. Nur Real Madrid hat im eigenen Vereinsmuseum mehr Repliken des großen Henkelpokals stehen (15).
Wenn ein Klub wie Milan anruft, dann hebt man ab. Und wenn namhafte Vertreter dieses Klubs extra für ein Treffen nach Wien fliegen wollen, dann hört man sich das für gewöhnlich auch an. Selbst dann, wenn man als Trainer schon einige Erfolge vorzuweisen hat.
Dementsprechend hat sich wohl auch Ralf Rangnick mit Klubbesitzer Gerry Cardinale und dessen Berater Zlatan Ibrahimovic getroffen. Ganz so, wie es die italienische Sport-Bibel Gazzetta dello Sport am Mittwoch berichtet hat. Gut möglich, dass auch deshalb Rangnicks in London lebender Berater Raphael Honigstein am Mittwoch in Wien war. Österreichs Teamchef hat ein Treffen mit den Herrschaften weder dementiert noch bestätigt.
Was bei Milan passiert ist? Der 19-fache italienische Meister hat durch eine 1:2-Heimniederlage gegen den Tabellen-14. Cagliari in der letzten Runde die Qualifikation für die Champions League verspielt. Die gesamte sportliche Führung, inklusive Trainer Massimiliano Allegri, wurde tags darauf gefeuert.
Ob Coach, Sportchef oder Technischer Direktor – es wären nun also ein paar Stühle frei für Ralf Rangnick. Und es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass kurz vor einem so wichtigen Turnier wie der bevorstehenden WM schon wieder ein Abgang des Teamchefs im Raum steht. Zur Erinnerung: Kurz vor der EM 2024 schlug Rangnick ein Angebot der Bayern mit einem kolportierten Jahresgehalt von zehn Millionen Euro aus.
Vertrag läuft aus
Allerdings: Von Vertragsverhandlungen und einem konkreten Angebot wie damals kann aktuell definitiv nicht die Rede sein. Dabei läuft der aktuell gültige Vertrag Rangnicks beim ÖFB mit Ende der Weltmeisterschaft aus. Das wäre im allerbesten Fall mit dem Finale in New York am 19. Juli. Saisonstart in der Serie A ist ein Monat später – am 23. August. So weit, so theoretisch.
Dem Vernehmen nach hat sich Rangnick im Grunde zu einer Verlängerung seines Vertrags beim ÖFB um zwei weitere Jahre bekannt. Unterschrieben ist aber noch nichts, obwohl schon seit einem halben Jahr daran gearbeitet wird. Bei der Reise zur WM-Auslosung nach Washington, D.C., am 5. Dezember gab es erste Gespräche zwischen ÖFB-Boss Josef Pröll und dem Teamchef, der am 29. Juni seinen 68. Geburtstag feiern wird. Zwei Tage, nachdem Österreich in Kansas City sein drittes WM-Spiel gegen Algerien bestritten haben wird.
ÖFB-Boss Josef Pröll und Teamchef Ralf Rangnick
Bis dahin sollte und möchte der ÖFB die Zukunft Rangnicks längst auch offiziell unter Dach und Fach haben. Woran liegt es, dass sich die Angelegenheit dermaßen in die Länge zieht?
Geld-Frage geklärt
Ums Geld geht es nicht mehr. Dass Rangnicks Gehalt von einer Million Euro mithilfe von vier Sponsoren um 100 Prozent erhöht wird, ist KURIER-Informationen zufolge beschlossene Sache. Doch dem Teamchef geht es dem Vernehmen nach vor allem auch um gewohnte, effiziente Arbeitsabläufe. Demzufolge will er nur mit seinem bewährten Betreuerteam weitermachen.
Fakt ist aber, dass der Teamchef nach der WM seinen engsten Vertrauten verlieren wird. Assistent Lars Kornetka ist seit März Cheftrainer von Eintracht Braunschweig in der 2. deutschen Bundesliga. Er wird seine Doppelrolle nach der WM nicht mehr ausfüllen und den ÖFB verlassen.
Umso wichtiger ist Rangnick, dass der Rest seines Gespanns bleibt. Konkret geht es um die Co-Trainer Stefan Oesen und Onur Cinel sowie Teammanager Lennart Coerdt, deren ÖFB-Engagement für den Teamchef Bedingung für eine abermalige Unterschrift sind.
Wenn es stimmt, dass auch mit diesen Herren schon alles klar ist, liegt der Ball nun bei Rangnick. Mit dem Zusatz, dass dem Teamchef soeben noch ein Ball zugespielt wurde. Aus Mailand.
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