Dragovic: "Hey, was willst du mehr?"

Karrieresprung: Aleksandar Dragovic (re.) verließ im Winter die Austria Richtung Schweiz. Nun spielt er im Trikot von Basel als einziger Österreicher fix in der Champions League
Foto: reuters

Basel-Legionär Aleksandar Dragovic über die Champions League, Schwyzerdütsch und den Ruf der Österreicher.

Aleksandar Dragovic ist im Moment noch der einzige Österreicher, der diese Saison fix in der Champions League spielen wird. Der FC Basel, für den der 20-Jährige seit Winter aufläuft, ist als Schweizer Meister für die Eliteliga qualifiziert. Dragovic, der bei der U-20-WM fehlt, weil ihn Basel in der Liga benötigt, sitzt am Ufer des Tegernsee und lächelt zwei Asiaten zu. "Ich kenn sie noch nicht auseinander", gesteht der Verteidiger im Flüsterton. Kwang Ryong Pak, ein Nordkoreaner, und Joo Ho Park, ein Südkoreaner, sind neu beim FC Basel. "Aber die Kommunikation ist schwierig. Ich kann kein Koreanisch."

KURIER: Wo wir gerade beim Thema sind. Wie sieht's denn eigentlich mit Ihrem Schwyzerdütsch aus?

Aleksandar Dragovic: Hören Sie auf, diese Sprache ist eine Frechheit. Das werde ich sicher auch nicht lernen, weil diese Sprache werde ich nie wieder brauchen.

Verstehen Sie denn was?
Inzwischen ein bisschen mehr. Die sagen hier zum Beispiel 'Wia goot's?' zu 'Wie geht's?'. Oder: 'uf da richtn Site' statt 'auf der rechten Seite.' Aber wenn sie untereinander schnell reden, ist es immer noch schwierig.

Viele haben sich gewundert, dass sie von der Austria zu Basel gewechselt sind und nicht in eine Top-Liga.
Die Leute, die sich wundern und meinen, der FC Basel ist nur irgendein unbekannter Verein, die haben keine Ahnung vom Fußball. Ich spiele jetzt Champions League, hey, was willst du als 20-Jähriger mehr? Bei Köln oder Nürnberg hätte ich diese Möglichkeit nicht gehabt. Das war ja auch der Hauptgrund, warum ich Basel ausgesucht habe.

Der Hauptgrund?
Ich wollte unbedingt international spielen, am besten in der Champions League. Und vor allem wollte ich einen Verein, wo meine Chance groß ist, dass ich auch zu Einsätzen komme. Was hätte es mir denn gebracht, wenn ich nach England oder zu einem anderen großen Klub gegangen wäre?

Im Lebenslauf macht sich ein klingender Klub vielleicht besser?
Mag sein. Aber wenn ich dort dann nur bei den Amateuren herumgurke, bringt mir das nichts. Man darf nicht nur aufs Geld schauen. Okay, in zehn Jahren interessiert mich das vielleicht mehr. Aber was brauchst du als Junger? Spiele, Spiele und noch einmal Spiele.

So denken nicht alle Fußballer in Ihrem Alter.
Ich hatte sicher auch ein bisschen Glück, weil ich mit 17 schon die Chance bekommen habe. Aber ich habe auch viel dafür getan, viel gearbeitet. Wenn man im Bett liegt und Fernsehen schaut, wird man nicht besser. Ich will nicht mit 25 noch als Talent bezeichnet werden.

Sie sind bei Basel sofort Stammspieler geworden. Welchen Ruf hat man denn als österreichischer Fußballer im Ausland?
Einen ganz schlechten. Einige glauben, wir Österreicher haben keine Ahnung vom Fußball. Oder man wird gleich als Skifahrer bezeichnet. Am Anfang haben sie zu mir auch Ösi gesagt. Damit muss man sich abfinden und sich durchsetzen. Obwohl ...

... obwohl?
Obwohl es am Anfang sehr schwer war. In den ersten zwei, drei Monaten habe ich immer nur gedacht: 'Was machen jetzt wohl gerade die Kollegen bei der Austria?' Aber wenn du spielst und erfolgreich bist, geht es leichter. Dann vergisst du das.

Nach einem halben Jahr in Basel: Wie ist denn jetzt der Schweizer Fußball?

Ich will jetzt nicht sagen, dass in der Schweiz das Niveau höher ist. Sonst gibt's daheim Streit. Aber hier wird definitiv mehr Wert darauf gelegt, Fußball zu spielen, offensiv zu spielen. In Österreich steht oft die Defensive an erster Stelle. Nur kämpfen, gehobene Bälle. So ein Fußball gefällt mir nicht.

Gibt es sonst Unterschiede?
Das Training hier ist auch anders, intensiver. Ohne den Herrn Daxbacher schlechtzureden: Beim FC Basel ist alles durchgeplant. Wir trainieren mit Brustgurten, Pulsuhr, alles wird danach abgestimmt. Sogar die Getränke, die wir bekommen. Das sind alles Kleinigkeiten, aber vielleicht macht das auch den Unterschied aus.

Die Schweizer Nationalmannschaft ist auch deutlich erfolgreicher als die österreichische.

Das Potenzial ist auch bei uns da. Nur: Wir dürfen das nicht nur jedes fünfte Spiel zeigen, sondern in jedem Match. So eine Leistung muss Standard sein. Dass Österreich keine Welttruppe ist, weiß eh jeder.

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(kurier / Christoph Geiler, Tegernsee) Erstellt am
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