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Fußball
01/10/2015

Die neue Welt von Red Bull

Mit seinen drei Vereinen diktiert der Getränkekonzern das Geschehen auf Österreichs Spielermarkt.

von Stephan Blumenschein

Am Donnerstag wurden in der Bundesliga zwei Transfers fixiert. Marco Djuricin wechselte für mehr als 2,5 Millionen Euro von Sturm nach Salzburg, der zuletzt an Hartberg verliehen gewesene Bright Edomwonyi ablösefrei von Liefering zu Sturm.

So gesehen haben diese zwei Transfers nichts miteinander zu tun. Und trotzdem hätte es den einen nicht ohne den anderen gegeben. Edomwonyi ist nämlich die Zugabe von Red Bull an Sturm zum Wechsel von Djuricin nach Salzburg.

Die Grazer bekamen einen Spieler ablösefrei, für den Salzburg-Sportchef Ralf Rangnick 2012 über 600.000 Euro an den belgischen Klub Westerlo bezahlt hat, obwohl Edomwonyi da noch Nachwuchsspieler war – ein Betrag, den kein anderer österreichischer Klub für einen derart jungen Spieler ausgeben kann.

Gegengeschäft

In Salzburg konnte sich der Stürmer nicht durchsetzen, bei Liefering und Innsbruck auch nicht. Erst in Hartberg zeigte der mittlerweile 20-Jährige sein Können.

Welcher Klub mehr von diesem Deal profitieren wird, weist die Zukunft, in der es solche Geschäfte wohl öfters geben wird. Denn der Spielerpool, über den Rangnick bei den von ihm geführten Klubs Leipzig, Liefering und Salzburg verfügen kann, ist groß.

Im Sommer sorgte der Wechsel von Marcel Sabitzer von Rapid über den Umweg Leipzig nach Salzburg für Aufregung. Auch in der Red-Bull-Konzernzentrale in Fuschl löste das Nützen einer nur für einen Auslandstransfer geltenden Ausstiegsklausel in Sabitzers Vertrag keine Begeisterung aus. "Wenn wir die Uhr zurückdrehen könnten, würden wir es so nicht mehr machen. Da haben wir uns unnötig angreifbar gemacht", sagte zuletzt Rangnick im Rückblick.

Vom FIFA-Transferregulativ war das Umgehungsgeschäft völlig in Ordnung, da ja Leipzig und Salzburg als eigenständige Vereine firmieren, aber das Ganze hatte natürlich ein "Gschmäckle", wie Rapid-Manager Andreas Müller damals meinte.

Dass Red Bull in Europa drei Vereine kontrolliert, stört viele Kritiker, die sich besonders auch über das Hin- und Her-Transferieren von Spielern zwischen Salzburg, Leipzig und Liefering echauffieren, obwohl Salzburg da kein europäischer Einzelfall ist. Die Familie Pozzo praktiziert dies bei ihren Klubs Udinese (Italien), Granada (Spanien) und Watford (England) wesentlich intensiver.

Gegen den Vorwurf, Spieler wie Schachfiguren hin- und herzuschieben, dagegen wehrt sich Rangnick: "Wir versuchen im Sinne der Karriereentwicklung sinnvolle Schritte zu machen."

Diese muss ein Spieler aber selbst machen wollen. Dass es da durchaus Divergenzen gibt, musste Rangnick erst vor kurzen einsehen. Er wollte Andre Ramalho und Kevin Kampl nach Leipzig lotsen, beide wechselten lieber zu deutschen Topklubs.

Kunstklub

In Österreich wird immer wieder die Bundesliga kritisiert, dass mit dem FC Liefering ein Red-Bull-Verein in der Ersten Liga mitspielen darf. Diese ist allerdings der falsche Adressat. Solange Salzburg nicht absteigt (was momentan undenkbar ist) oder Liefering nicht aufsteigt (was durch einen freiwilligen Aufstiegsverzicht unmöglich ist), bewegen sich die Klubs innerhalb der ÖFB-Wettbewerbsregeln.

Der Österreichische Fußball-Bund hätte den FC Liefering aber zumindest bremsen können. In der Saison 2012/’13 spielten eben mit Liefering und Anif zwei Red-Bull-Klubs in einer Liga. Dies widersprach natürlich den Grundsätzen der Integrität des sportlichen Wettbewerbes. Damals gab es aber keinen Aufschrei jener Funktionäre, die sich heute an Liefering stoßen.

Der Kunstklub war nicht Rangnicks Idee. Diesen gab es schon, als der Deutsche 2012 nach Österreich gekommen war. Der damalige Geschäftsführer Peter Vogl setzte die Vorgabe von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz um, der eine Red-Bull-Mannschaft in der 2. Spielklasse haben wollte, nachdem ja die Amateurteams, darunter auch die Red Bull Juniors, 2010 aus der Bundesliga ausgeschlossen worden sind.

Spielerreservoir

Red Bull produziert aber auch Spieler en masse – in den Akademien in Salzburg, Leipzig und Campinas (Brasilien). Von dieser Ausbildung profitieren mittlerweile viele österreichische Klubs – gerade auch die anderen Großvereine. Bei Sturm (Offenbacher), Austria (Meilinger) und Rapid (Schwab) stehen bei Red Bull ausgebildete Spieler unter Vertrag.

Aber auch gerade diese drei Vereine waren zuletzt Angriffsfläche der aggressiven Transferpolitik von Rangnick. Neben Sabitzer wechselte im Sommer von Rapid auch Terrence Boyd (Leipzig) zum Konzern. Am Donnerstag folgte Sturm-Stürmer Djuricin dem Ruf aus Salzburg. Und jenem aus Leipzig wird wohl der Austrianer Omer Damari folgen.

Dass Rangnick den österreichischen Markt entdeckt hat, ist eine Neuentwicklung. In seinen ersten drei Transferperioden wurde kein einziger Bundesliga-Spieler verpflichtet. Der Erste war der Rieder Robert Zulj vor einem Jahr. Der Stürmer war aber ein erklärter Wunschspieler von Roger Schmidt und ist wie der Ex-Trainer schon wieder ein Ex-Bulle.

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