Die Medizinmänner des ÖFB

Doktorspiele: Teamarzt Ernst Schopp (links) im Gespräch mit Österreichs Kapitän Marc Janko.
Foto: ap

Wenn das Nationalteam ruft, stehen vier Männer unter Dauerstress: jene aus der medizinischen Abteilung des ÖFB.

Genaugenommen gibt es keine Ausbildung für den Job, den die Medizinmänner des Nationalteams erfüllen müssen: Wunderheiler, punktgenauer Diagnostiker, Diplomat und Psychologe in Personalunion. Die Ansprüche sind höher denn je - für die Spieler wie für deren Betreuer.

Teamarzt Ernst Schopp und die Sporttherapeuten Thomas Schmal, Christoph Ogris und Michael Vettorazzi sorgen dafür, dass dem Teamchef möglichst alle Spieler in einem topfitten Zustand bei Anpfiff eines Länderspiels zur Verfügung stehen. Die Zeit drängt meist, oft reichen die vorhandenen Mittel nicht aus. Wie zuletzt bei Paul Scharner und dessen Problemen mit der Achillessehne. Schopp: "Die hätten wir in nur zwei Tagen nicht beheben können. Bei einem Doppel-Termin mit einer Woche Vorlaufzeit hätten wir ihn behandelt mit einer realistischen Chance auf einen Einsatz."

Trifft das Team zusammen, müssen die Medizinmänner in erster Linie kleine Blessuren behandeln, die die Spieler von den letzten Liga-Spielen mitbringen. Schopp nennt dies "klassisch pflegende Aufgaben". Dabei wird das Risiko eines Einsatzes ganz gezielt abgeschätzt. "Es geht immer darum, wie wichtig ein Spiel ist. Bei einem WM-Finale wird man natürlich mehr riskieren als bei einem Testspiel."

Entwicklung

Schopp wie Schmal bemerkten in den letzten Jahren einen eklatanten Wandel bei den Spielern. "Sie achten mehr auf ihre Körper. Zum Glück haben sie erkannt, dass die Eigenverantwortung vor allem im Privatleben extrem wichtig ist", meint Schmal, der in seinem Therapiezentrum Maxx 21 so manchen Kicker auch privat betreut.

Sein Kollege Christoph Ogris hat sich nach den Stationen Admira und Austria ebenfalls selbstständig gemacht und behandelt im 14. Bezirk in Wien neben den Fußballern unter anderen auch Österreichs Tennis-Elite mit Melzer, Peya oder Knowle. Beide wissen, welcher Spitzensportler wie tickt und was er von seinem Therapeuten verlangt.

Auch Ernst Schopp kann ein Lied von den unterschiedlichen Bedürfnissen der Kicker singen. "Manche saugen alle Informationen wie ein Schwamm auf, andere brauchen zur Beruhigung nur wenige Fakten. Aber alle zeigen mehr Interesse als früher. Jene, die mehr in ihren Körper hineinhören, hören dem Arzt auch länger und aufmerksamer zu."

Das Internet und alternative medizinische Quellen tragen ebenfalls zur Aufgeschlossenheit bei. Schmal: "Die Unterschiede bei den Spielern sind geringer geworden, weil die Routiniers sich als Vorbilder für die Jungen herauskristallisiert haben. Das hebt natürlich auch den Wert unserer Tätigkeit."

Wertschätzung

Den wusste einst schon der deutsche Startrainer Christoph Daum zu schätzen: Als Schmal die Wiener Austria verließ, musste sich Nachfolger Ogris einem von Daum gewünschten Casting unterziehen.

Was die beiden Therapeuten noch vereint? Beide kennen den aktuellen Teamchef Dietmar Constantini von gemeinsamen Zeiten bei der Wiener Austria.

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(kurier) Erstellt am
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