Sport | Fußball 26.01.2012

Die Fußballer sollen die Regeln lernen

© Bild: dapd

Bei sieben Bundeliga-Klubs steht die alljährliche Regelschulung noch aus. Die Schiedsrichter trainieren in der Türkei.

Den Bundesliga-Kickern mangelt es zum Teil an der nötigen Regelkenntnis. Diese Meinung vertritt Johann Hantschk, der Vorsitzende des österreichischen Schiedsrichter-Komitees. "Die Regelkenntnis ist schlecht, es interessiert sie einfach nicht. Wenn man `Mensch ärgere dich nicht` spielt, muss man sich vorher die Regeln anschauen. Fußballer machen das eigentlich nicht, das ist paradox, aber so ist es", sagte Hantschk während des aktuell laufenden Trainingslagers von Österreichs 25 besten Schiedsrichtern in Lara.

Das Interesse an Regelkunde scheint bei den Bundesliga-Klubs allgemein nicht sehr ausgeprägt zu sein. Das Angebot der Schiedsrichter, in der Türkei zu einem Meinungsaustausch und Regeldiskussionen zusammenzutreffen, wurde von keinem einzigen der sieben Vereine, die ihre Zelte dieser Tage in der Türkei aufgeschlagen haben, angenommen.

Ausstehende Regelschulung

Darüber hinaus haben laut Hantschk mit Meister Sturm Graz, Salzburg, Austria, Admira, Wacker Innsbruck, Mattersburg und dem LASK sieben Klubs der ersten beiden österreichischen Ligen noch immer nicht die pro Saison einmal verpflichtende Regelschulung durchgeführt. "Den Spielern und Trainern soll man jetzt vor der Frühjahrssaison die Schwerpunkte erklären, die schon seit einem halben Jahr gelten. Wir haben erfahren, dass ein paar Spieler und Trainer diese gar nicht gekannt haben", ärgerte sich Hantschk über die fehlende Mitarbeit der Teams.

Solche Treffen - Kapfenberg machte die Schulung am Donnerstagabend in Side - sind aus seiner Sicht wichtig. "Wir wollen partnerschaftlich agieren. Solche Treffen liefern einen Beitrag zu dem, was wir wollen. Aufeinanderzugehen, miteinander kommunizieren und Verständnis für den anderen haben. Die Spieler können ihre Sorgen kundtun, und wir sagen aus unserer Sicht was falsch läuft oder verbessert gehört."

Hartes Training, wenig Hilfe

Im Herbst standen die Schiedsrichter mehrmals in der Kritik, bei kaum einem Referee wurde kein Fehler aufgedeckt - zu einem Großteil freilich via technischer Hilfsmittel im Nachhinein. "Fehlerquellen, die im Herbst passiert sind, arbeiten wir auf, um den Ärger im Frühjahr nicht wieder zu haben", betonte Hantschk. Noch bis Samstag schuften die zum 14. Mal in Folge in der Türkei trainierenden Referees daher täglich im Lehrsaal, wo es zahlreiche Videobeispiele zu sehen gibt, am Platz, in der Halle oder auch in der Kraftkammer.

Mentale Stärke wird vorausgesetzt. Sollte sich jemand durch den Druck überfordert fühlen, muss er es eben bleiben lassen: "Es wird immer schwieriger für die Schiedsrichter, aber so brutal ist es nun einmal." Hilfestellungen für die Schiedsrichter in der Bundesliga in Form etwa im Europacup eingesetzter Torraumschiedsrichter wird es vor allem auch aus budgetären Gründen nicht geben. Mehr als die derzeit vorhandenen 25 Schiedsrichter und 41 Assistenten seien finanziell nicht drinnen.

Von der vielerorts geforderten Installierung von Profi-Schiedsrichtern hält Hantschk nicht viel. "So einer pfeift nicht besser oder schlechter", betonte der Vorsitzende des Schiri-Komitees. Zudem stelle sich die Frage, was ein Profi im Falle einer Entlassung oder nach dem Karriereende (mit 45) machen würde.

Erstellt am 26.01.2012