Sport | Fußball 30.01.2013

Die erste Fußball-Kommentatorin

© Bild: Fabian Helmich

Premiere. Erstmals kommentiert eine Frau Bundesliga-Spiele der Männer im TV.

Am Freitag beginnt die Frühjahrssaison der zweiten Deutschen Bundesliga mit mittlerweile elf österreichischen Legionären sowie den beiden Trainern Ralf Hasenhüttl (Aalen) und Peter Pacult (Dresden). Erstmals im deutschsprachigen TV wird eine Frau Bundesliga-Spiele der Männer über 90 Minuten live kommentieren. Die 26-jährige Christina Graf setzte sich unter 1200 Bewerberinnen durch und gibt am Sonntag bei der Partie RegensburgHertha BSC ihre Premiere für den Bezahlsender Sky.

KURIER: Frau Graf, helfen Ihnen die Kollegen bei der Vorbereitung? Oder sehen Sie sich als Ein-Frau-Unternehmen?
Christina Graf:
Es stehen alle Türen der Kollegen offen, auch wenn ich irgendwann als Konkurrenz angesehen werden will. Zur Vorbereitung lese ich viel und habe mir von allen Vereinen die Autogramm-Karten schicken lassen, damit ich bei allen sofort den Namen weiß.

Warum entschied Sky, eine Frau auszusuchen?
Sie wollten etwas aufbrechen. Ich denke nicht, dass es den typisch weiblichen Blick gibt. Aber die Männer waren lange genug alleine.

Als Carmen Thomas 1973 als erste Frau das „Aktuelle Sportstudio“ moderierte, war die Aufregung groß. Besonders, nachdem sie „ Schalke 05“ gesagt hatte. Werden Sie auf dieses Hoppala oft angesprochen?
Sogar so oft, dass ich es schon eigenartig finde. Solche Fehler passieren einfach. Man sollte festhalten, dass Frau Thomas danach noch zwei Jahre lang das Sportstudio moderiert hat und deshalb nicht rausgeflogen ist.

Was wäre für Sie der schlimmste Fehler live im TV?
Da gibt’s vieles, weil man im Moment sagen soll, was man denkt. Das Schlimmste wäre, wenn man mir etwas fachlich vorwerfen könnte.

Haben Sie den Eindruck, dass Trainer mit Frauen bei Interviews anders reden?
Es kann schon sein, dass männliche Journalisten härter angepackt werden. Das Wichtigste bleibt aber, dass man sich fachlich beweist. Wenn ich da nicht auf Augenhöhe reden kann, erzählen mir die Trainer Quatsch.

Der Fußball wurde professioneller und wissenschaftlicher. Gibt es diese Entwicklung auch beim Kommentieren, während früher der Humor wichtiger war?
Der Mix macht’s aus. Man darf nicht zu viel Taktisches und Statistisches reinbringen. Es ist klar, dass es um viel Geld geht, aber dabei ist nicht zu vergessen, dass es immer noch ein Spiel ist.

Früher waren Toni Polster und Andi Herzog auch wegen ihres Humors in Deutschland beliebt. Welches Image haben jetzt die österreichischen Legionäre?
Am stärksten präsent sind David Alaba und Marko Arnautovic. Alaba ist eine so positive Erscheinung, dass seine Sympathiewerte ähnlich sind wie damals bei Polster und Herzog. Arnautovic ist ein Mann mit Ecken und Kanten, aber das würde ich nicht als negativ bewerten.

Dürfen Sie offen zu einem Verein halten?
Wer Fußball wirklich mag, kann nicht ganz objektiv sein. Ich bin zwar kein Hardcore-Fan, aber schon ein Anhänger des 1. FC Köln. Es ist aber durchaus möglich, dass man mit dem eigenen Verein besonders streng ist.

Wie ist Ihre Meinung zu Kölns Neuzugang Stefan Maierhofer?
Maierhofer als Typ tut sicher gut. Solche Spieler sind in Köln stets gerne gesehen.

Beliebte Österreicher

Eine ganze Mannschaft könnten die in der zweiten Deutschen Liga beschäftigten Österreicher bilden. Nachdem der Transfer von Erwin Hoffer von Frankfurt zu Kaiserslautern perfekt ist, sind es mit den beiden Trainern Ralph Hasenhüttl (mit Aufsteiger Aalen Fünfter) und Peter Pacult (neu beim Tabellen-16. Dresden) sogar 14 Legionäre.

Hertha BSC (2. Platz): Daniel Beichler

Kaiserslautern (3.): Christopher Drazan, Erwin Hoffer

Ingolstadt (9.): Ramazan Özcan, Ümit Korkmaz und Christoph Knasmüllner

Köln (9.): Stefan Maierhofer, Daniel Royer und Kevin Wimmer

Aue (11.): Ronald Gercaliu

Sandhausen (17.): Michael Langer

Regensburg (18.): Marco Djuricin

Erstellt am 30.01.2013