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03.12.2017

Stöger und Köln: Eine Traum-Ehe wurde geschieden

Der 1. FC Köln trennte sich vom 51-jährigen Wiener und seinem Co-Trainer Manfred Schmid.

Es war eine Entscheidung mit Anlauf. Eine, die sich schon angekündigt hat im Laufe der vergangenen Woche, und die gestern Mittag auch offiziell ausgesprochen wurde. "Es war eine Entscheidung, die uns sehr schwer gefallen ist", sagte Köln-Präsident Werner Spinner. "Wir sind in der Verantwortung, alles zu versuchen, um den Klassenerhalt doch noch zu erreichen." Am Sonntag ging der Doppelpass zwischen dem Kultklub 1. FC Köln und dem österreichischen Trainer-Duo Peter Stöger und Manfred Schmid zu Ende.

FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle sprach von einer überragenden Zusammenarbeit. "Als wir damals in Wien um Peter Stöger kämpften, wussten wir wirklich nicht, was für ein Höhenflug folgen sollte."

Kontinuierlich ging es bergauf, zunächst von der zweiten Liga in die erste, danach bis in die Europa League. Der Abstieg begann im Laufe des Herbstes, nun ist Köln mit drei Punkten aus 14 Spielen als Letzter am Tiefpunkt angekommen. "Deshalb halten wir es in der aktuellen Situation für unabdingbar, auf der Trainerposition ein Signal zu setzen, auch wenn uns diese Entscheidung sehr schwer fällt und wehtut", fügte Spinner hinzu. Die Entscheidung sei bereits vor der Partie auf Schalke gefallen, sagte Stöger. "Es ist im Sinne des Klubs und vor allem der Mannschaft, dass jetzt eine Entscheidung getroffen wurde und Klarheit herrscht", fügte der Wiener hinzu.

Positive Reaktionen

Nach Andries Jonker beim VfL Wolfsburg, Carlo Ancelotti bei Bayern München und Alexander Nouri bei Werder Bremen ist es die vierte vorzeitige Trennung zwischen Klubs und Trainern in der aktuellen Saison. Die Agenden übernimmt der bisherige U-19-Trainer Ruthenbeck.

Die Reaktionen der Medien und Fans zeigen den großen Respekt vor Stöger. "Der 1. FC Köln hat sich selbst abgeschafft", titelte beispielsweise Die Welt. "Im Sommer bejubelten die Kölner ihren Trainer Stöger und Manager Schmadtke, die den Klub in die Europa League geführt hatten. Nun sind beide weg. Das ist ein Armutszeugnis – nicht nur für den Verein."

Schon in den vergangenen Wochen gab es immer wieder interne Sitzungen, wo die aktuell schlechte Lage der Kölner diskutiert wurde. Nach dem Spiel gegen Hoffenheim teilte der FC Peter Stöger mit, dass man auch andere Trainer kontaktieren werde. Trotz des guten Einvernehmens ging Stöger am Donnerstag in die Offensive und verlangte vom Klub mehr Klarheit. Am Freitag einigte man sich darauf, dass nach dem Spiel gegen Schalke die Zusammenarbeit beendet wird. Daran änderte auch das 2:2 nichts. Stöger und Schmid verabschiedeten sich in der Arena von den mitgereisten Fans, wurden von ihnen lautstark bejubelt. Beim Abgang hatten einige Spieler sogar Tränen in den Augen.

Namen gemacht

Nach 1635 Tagen in Köln und 168 Pflichtspielen für den FC ist für Stöger nun Schluss. Laut Köln-Intimus Alex Haubrichs vom Kölner Express geht der Wiener mit einer Zustimmungsrate von 80 Prozent. "Für die Medien hier in Köln wird die Zusammenarbeit nicht mehr so einfach und freundlich werden." Auch die Spieler verabschiedeten sich gestern emotional von den zwei Österreichern, heute folgt ein Abschiedsessen, zu dem Stöger und Schmid laden.

"Es ist natürlich sehr trautig", erzählt Schmid. "Die Zeit hier in Köln war etwas Besonderes, wir haben uns viel aufgebaut, tolle Menschen kennen gelernt und Freunde gefunden." Schmid unterzieht sich am Dienstag einer Hüftoperation, zu Weihnachten wird man nach Wien zurückkehren. Angebote für das rot-weiß-rote Duo werden demnächst kommen. "Wir haben uns einen Namen gemacht und trauen uns vieles zu."

Peter Stöger, ein Wiener Urgestein

Die Person

Peter Stöger wurde am 11. April 1966 in Wien geboren. Die Moderatorin, Schauspielerin und Kabarettistin Ulrike Kriegler ist seit 1998 seine Lebensgefährtin.

Der Spieler

Beim FavAC schaffte er den Sprung vom Nachwuchs in die Bundesliga. Danach spielte er in Steyr, bei der Vienna, der Austria, in Innsbruck, bei Rapid, beim LASK, in Mödling und Untersiebenbrunn. Mit dem Nationalteam (65 Einsätze) nahm er an der WM 1998 teil.

Der Trainer

Bei der Austria war er ab 2004 Manager und Sportdirektor. Danach trainierte er die Vienna, den GAK, Wr. Neustadt und er führte die Austria 2012/’13 zum Titel. 2013 ging er nach Köln.