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Sport Fußball
05/22/2020

Der Tag, an dem ich mich in Maradona verliebte

Am 21. Mai 1980 geigte der Argentinier im Praterstadion auf. Beim 5:1 erzielte er gegen Österreich drei Tore. Eine wunderschöne Erinnerung.

von Alexander Strecha

Ich war acht Jahre alt und begeistert vom Fußball. Mein Vater packte die Gelegenheit beim Schopf und mich an der Hand. "Gemma Weltmeister schauen", lautete in Wien das Motto.

Argentinien, das 1978 mit Star Mario Kempes den Titel geholt hatte, gastierte im Wiener Pater, gab Österreichs Kapitän Robert Sara bei dessen Abschiedsspiel aus dem Nationalteam die Ehre.

Das tat auch mein Vater, der mit Sara viele Jahre davor bei SV Donau gekickt hatte - er ebenso wie Sara als rechter Verteidiger bzw. "Außenpracker", wie der Wiener Volksmund diese Verteidigerposition bezeichnete.

Aber nicht nur wegen Sara strömten die Massen ins Prater-Oval. Mein Vater kündigte an, die Argentinier würden mit einem Jungstar kommen, der vielleicht schon bald der beste Fußballer der Welt sein könnte. Maradona soll er heißen.

Ich stand im Sektor A, 3. Rang, hinter dem Tor und neben der Anzeigentafel. Österreich spielte in den roten Trikots, die ich noch vage von den TV-Bildern der WM 1978 und von Cordoba kannte. Ich fand sie elegant.

90 Minuten später sollten mich die blau-weißen Längsstreifen des argentinischen Dress in ihren Bann gezogen haben.

Denn Argentinien spielte auf wie die Wiener Philharmoniker, Maradona war ihr Primgeiger. Grazil tänzelte er durch die österreichische Mannschaft, ließ die Herren Obermayer, Hattenberger, Prohaska, Hintermaier, Welzl und auch Goalie Koncilia alt aussehen.

Zunächst trafen zwei Spieler, deren Namen mich faszinierten: Santiago Santamaria und Leopoldo Luque. Ich will auch so heißen!

Robert Sara verließ nach nur 14 Minuten die internationale Bühne, für ihn kam Günter Pospischil. Das klang nicht so prickelnd.

Unmittelbar danach folgte die große Show des später so großen Diego Maradona. Er traf in der 15. Minute zum 3:0 für Argentinien und - nach dem Ehrentreffer durch Kurt Jara - noch zwei Mal im Finish der Partie.

Glücklich zog ich von dannen, hatte ich doch meinen ersten echten internationalen Helden gesehen. Sein Status bei mir sollte sich 1986 noch weiter erhöhen ...