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Sport Fußball
12/05/2011

Der steile Fall von Inter Mailand

Inter Mailand holte 2010 Weltpokal und Champions League. Ein Jahr später steht der Traditionsverein im Niemandsland.

von Christoph Geiler

Quizfrage: Wie heißt die derzeit beste Fußball-Klubmannschaft der Welt? FC Barcelona? Weit gefehlt. Manchester United? Auch falsch.

Ein kleiner Tipp: Es ist eine Mannschaft, die in den vergangenen fünf Pflichtspielen einen heroischen Punkt erkämpft hat; ein Team, dem vom berühmten Starensemble von Trabzonspor Kulübü und dem noch viel berühmteren Novara Calcio 1908 die Grenzen aufgezeigt worden sind; eine Mannschaft, über deren Spielstil die italienische Gazzetta dello Sport befand: "Als hätte man die Wahl zwischen Bauch- und Kopfschmerzen."

Und so was schimpft sich also tatsächlich beste Fußball-Klubmannschaft der Welt?

Ein Pünktchen in drei Partien

Inter Mailand wird noch immer als amtierender Weltpokal-Sieger geführt, als Nummer 1 der Vereinsmannschaften also. Der Titel ist zwar offiziell noch nicht verjährt, aber es erinnert freilich auch nichts mehr an diesen Triumph, errungen im Spätherbst des vergangenen Jahres, als sich Inter Mailand auch noch Champions League-Sieger nennen durfte.

Und heute? Heute ist Inter nur mehr ein Schatten seiner selbst, eine Persiflage eines Weltpokalsiegers. Die jüngste 1:3-Pleite bei Aufsteiger Novara manifestierte eine der größten Krisen der ruhmreichen Klubhistorie.

Ein Pünktchen in drei Partien - seit einem Jahrhundert ist Inter nie schlechter in die Meisterschaft gestartet. Und als wäre das nicht schon bitter genug, kassierten die erfolgsverwöhnten Mailänder in der Champions League eine 0:1-Heimpleite gegen die No-Names von Trabzonspor Kulübü und verloren auch noch das Supercup-Duell gegen den Erzrivalen AC Milan.

Rauswurf

Das war eindeutig zu viel des Unguten. Inter-Boss Massimo Moratti, seit jeher ein Mann der Tat und ein Freund schneller Entscheidungen, feuerte am Mittwoch den erfolglosen Trainer Gian Piero Gasperini, den er erst im Sommer eingestellt hatte. "Er hatte das Team nicht in der Hand", so der Präsident.

In der Trainerfrage zeigt sich am deutlichsten der triste Status quo des italienischen Fußballs. Moratti suchte eigentlich nach einem namhaften Coach, er buhlte um Pep Guardiola (Barca), er fühlte bei Jungstar Andre Villas Boas vor, der mit Porto die Europa League gewonnen hatte, er dachte über eine Rückholaktion von Jose Mourinho nach, der 2010 Inter zum Champions-League-Erfolg geführt hatte. Doch keinen der ausländischen Kandidaten reizte der Job beim Traditionsklub in der skandalumwitterten Serie A , weshalb der unbekannte Signore Gasperini zum Zug kam. Ein Coach, dessen größte Errungenschaft bisher ein Aufstieg mit FC Genua in die oberste Spielklasse war.

Nebenbühne

Längst machen auch die Stars der Szene einen Bogen um die Serie A mit ihren abbruchreifen Stadien, verwaisten Tribünen, manipulierten Partien und randalierenden Tifosi. Samuel Eto'o, einer der letzten klingenden Namen, zog es vor, im Sommer von Inter zu Machatschkala in die russische Pampa zu wechseln.

Bei der Suche nach einem Nachfolger leistete sich Inter Mailand übrigens einen ähnlich peinlichen Flop wie bei der Trainer-Entscheidung. Diego Forlan, Teamstürmer aus Uruguay, ist in der Champions League nicht spielberechtigt, weil er bereits für Atletico Madrid im Einsatz war ...

Quizfrage: Wie heißt die derzeit dilettantischste Fußball-Klubmannschaft der Welt?

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