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Sport Fußball
02/20/2019

Der Salzburg-Schreck kommt aus der slowakischen Provinz

Europa League: Der Brasilianer Wesley startete die Karriere in Trencin. Am Donnerstag gastiert er mit Brügge in Salzburg.

von Stephan Blumenschein

Trencin, 55.000 Einwohner, Zentrum des mittleren Waagtals in der Westslowakei, nahe der tschechischen Grenze. Der lokale Fußballklub wurde 2015 und 2016 Meister – dank eines niederländischen Geldgebers. Tscheu La Ling kaufte 2007 den Klub um 800.000 Euro und übernahm 500.000 Euro Schulden – eine Investition, die sich bezahlt machen sollte.

Ling, der einen chinesischen Vater und eine niederländische Mutter hat, war selbst ein sehr guter Fußballer, mit Ajax Amsterdam wurde er 1977, 1979 und 1980 Meister. Mittlerweile handelt der 63-Jährige erfolgreich mit Nahrungsergänzungsmitteln, nachdem er Mitte der 1980er wegen Schulden noch sein Haus und sein Auto verkaufen musste.

 

 

In Trencin setzt er seine Vorstellung, wie ein Fußballklub geführt werden soll, um – ganz nach dem Vorbild von Ajax: Junge unbekannte Spieler werden um wenig Geld erworben, gefördert und im Idealfall um viel Geld verkauft. „Wir haben so in den letzten fünf Jahren rund 25 Millionen Euro umgesetzt“, erklärte Ling im August 2018 der niederländischen Zeitung De Telegraaf.

Matchwinner

Einer, der seine Karriere in Trencin begann, ist Leverkusen-Star Leon Bailey, ein anderer Wesley. Mit dem Brasilianer, der mittlerweile bei Club Brügge spielt, hatte Salzburg im Sechzehntelfinal-Hinspiel der Europa League Probleme. Der 1,91 m große und 93 kg schwere Stürmer fiel nicht nur wegen seines Treffers zum 2:1-Sieg des belgischen Meisters auf.

 

Wesley war im Sommer 2015 mit 18 Jahren von Itabuna Esporte Clube, einem kleinen Klub aus der Provinz Bahia, in die Slowakei gekommen. Lange geblieben ist er nicht. Nach acht Toren in 22 Spielen holte ihn Club Brügge bereits im Jänner 2016 um eine Million Euro Ablöse. Wesley war also ein Schnäppchen.

Diese Ablöse hätte sich in Österreich nicht nur Salzburg leisten können. In der Bundesliga wäre Wesley wohl von vielen schnell als Fehlkauf abgestempelt worden. Nur sechs Tore in 32 Spielen waren ihm in seiner ersten vollen Saison in Belgien gelungen. In Brügge wurde weiter auf ihn gesetzt, auch wenn sich die Trefferquote zunächst nicht wesentlich verbesserte. Und das hat sich ausgezahlt.

Warteschlange

Nach seinen starken Leistungen in der Champions League wurde er mit Topklubs wie Dortmund, Tottenham, Chelsea, PSG, Manchester United oder Barcelona in Verbindung gebracht. Ein 25-Millionen-Euro-Angebot des chinesischen Klubs Guangzhou Evergrande lehnte Club Brügge im Jänner ab. Im Sommer wird man ihn nicht mehr halten können – trotz eines bis 2023 laufenden Vertrages.

Der Brasilianer ist ein gutes Beispiel, dass ein Stürmer nicht mehr nur an seinen Toren gemessen wird. Salzburg-Trainer Rose bezeichnete Wesley schon vor dem Hinspiel als „herausragenden Spieler, der körperlich extrem stark und präsent ist“. Qualitäten, die er dann auch unter Beweis stellte. Besonders Marin Pongracic hatte große Mühe, wenn er direkt gegen den Brasilianer spielen musste, während sich Andre Ramalho Wesley lange erfolgreicher in den Weg stellen konnte, ihn aber beim zweiten Gegentor auch aus dem Auge verlor.

 

 

Wesley aus dem Spiel zu nehmen wird ein Schlüssel sein, um das 1:2 aufzuholen und ins Achtelfinale der Europa League aufzusteigen. Ramalho kann sich im Rückspiel am Donnerstag (21.00 Uhr) aber nicht um seinen Landsmann kümmern. Er ist gesperrt. Diese Aufgabe wird wohl der Franzose Jérôme Onguéné bewältigen müssen.

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