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Sport Fußball
10/09/2019

Der ÖFB und die EM-Quali: Die große Chance nach dem Fehlstart

Die Österreicher haben die EM-Quali in der eigenen Hand – ein Sieg gegen Israel ist Voraussetzung.

von Alexander Strecha, Günther Pavlovics

Vielleicht waren es damals die richtigen Worte zum richtigen Zeitpunkt, als Teamkapitän Julian Baumgartlinger nach dem 2:4 in Haifa die Kabinentür schloss und seinen Kollegen ins Gewissen redete. Es soll eine deutliche Ansprache des Deutschland-Legionärs gewesen sein. Baumgartlinger selbst kommentiert seine damalige Tonalität nicht. Er sagt aus heutiger Sicher bloß: "Wir haben das alles erst verarbeiten müssen, vor allem auch emotional."

Etwas mehr als ein halbes Jahr ist der Fehlstart der Österreicher in die EM-Qualifikation her. Zum Auftakt hatte es eine Heimniederlage gegen Polen gegeben, drei Tage später, am 24. März, dominierten die Österreicher gegen Israel, gingen in Führung, verjuxten den Sieg und kassierten eine schmerzhafte Niederlage.

Aufwärtstrend

Etwas mehr als sechs Monate, vier Spiele und zehn Pluspunkte später schaut die Welt schon wieder ganz anders aus. Mit Siegen gegen Israel und am Sonntag in Slowenien wären die Österreicher der EM-Endrunde ganz nah. Das 2:4 von Haifa ist für Baumgartlinger abgehakt, "aber vergessen ist das nicht. Eine Extra-Motivation brauchen wir jedenfalls nicht". Am Donnerstag (20.45 Uhr/live auf ORF 1) im Ernst-Happel-Stadion geht es aber weniger um eine Revanche gegen Israel, sondern vielmehr darum, sich aus eigener Kraft der EM-Endrunde 2020 mit einem Sieg deutlich anzunähern.

"Der Trend spricht für uns", nennt Baumgartlinger einen Pluspunkt für Rot-Weiß-Rot. "Wir haben die Lehren aus Haifa gezogen und dann die Trendwende in den vergangenen vier Spielen geschafft." Die Entwicklung im Nationalteam stimme, so der Leverkusener, man sei nach dem Fehlstart und den Widerständen, die von außen gekommen sind, näher zusammen gerückt. "Wir haben mit Moral und Qualität geantwortet."

PK ÖFB: BAUMGARTLINGER

Schmerz, lass nach

Apropos Qualität, die für die Foda-Elf sprechen sollte. Baumgartlinger: "Wir sollten auf uns schauen und keine Gründe suchen, weshalb die Aufgabe für uns leichter werden könnte. Wir haben seit dem Israel-Spiel eine große Konstanz in den Kader gebracht, daher greifen die Automatismen gut."

Aber wie gut können die Automatismen am Donnerstag greifen. Es drohen drei Ausfälle gegenüber dem Sieg gegen Lettland und dem Remis in Polen. Rechtsverteidiger Stefan Lainer fehlt sicherlich, hinter den Einsätzen von David Alaba (Haarriss in einer Rippe) und Konrad Laimer (Schmerzen in den Adduktoren) stehen Fragezeichen. Ob die Beiden in der Startelf stehen werden, könnte sich erst knapp vor Spielbeginn entscheiden. "Wir haben im Juni und im September Ausfälle kompensiert", betonte Baumgartlinger. "Und auch jetzt ist es möglich." Teamchef Franco Foda setzt bei Alaba auf dessen Körpergefühl: "Die letzte Entscheidung liegt bei David, sein Einsatz ist vom Schmerz abhängig."

PK ÖFB: FODA / BAUMGARTLINGER

Aggressiv und dominant

Aber egal, wer von Beginn an spielt und wer auf der Bank sitzt: Foda, der mit einer Favoritenrolle vor dieser Partie nichts anfangen kann und will, gibt für das Israel-Spiel eine klare taktische Richtung vor. "Wir wollen aggressiv verteidigen, dominant im Ballbesitz auftreten. Und den Gegner weit vorne unter Druck setzen." Denn in den ersten 30 Minuten von Haifa begingen die Israelis unter Druck in der Defensive und im Spielaufbau viele einfache und haarsträubende Fehler. Vielleicht auch Donnerstagabend ein probates Mittel. Teamchef Foda stellt klar: "Wir müssen gewinnen."