© EPA/John Walton / POOL

Sport Fußball
02/03/2021

Debakel? Wie man als Trainer reagieren kann

Ralph Hasenhüttl suchte nach dem 0:9 gegen Manchester United keine Schuldigen. Eine Detail-Analyse ist nicht immer sinnvoll.

von Andreas Heidenreich

Old Trafford, zu Gast bei Manchester United. Es ist die zweite Spielminute, und Ralph Hasenhüttl kann seinen Plan in den Mist werfen. Der 19-jährige Alex Jankewitz, defensiver Mittelfeldspieler aus der Schweiz, sieht nach einem brutalen Foul an Scott McTominay glatt Rot. Was folgt, ist eine Schmach: Ein Gegentor fällt nach dem anderen.

Was man als Trainer tun kann? Vielleicht einmal zu nächst nicht nach Schuldigen suchen. Ralph Hasenhüttl machte das vor. „Wir haben zurzeit neun verletzte Spieler und keine Alternativen“, betonte der Grazer. „Wollt ihr, dass ich die Schuld auf die jungen Spieler schiebe, weil sie ihren Job nicht perfekt gemacht haben? Das werde ich nicht tun.“

Er habe eigentlich noch anderen Talenten im ehrwürdigen Old Trafford zu ihrem Debüt verhelfen wollen. „Aber als ich gesehen habe, was passiert, habe ich sie lieber draußen gelassen.“ Bereits zur Halbzeit war es in Manchester 0:4 gestanden.

Gegentor-Analyse

Doch was war da eigentlich alles passiert? Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass Southamptons Spieler trotz numerischer Unterlegenheit auf dem Platz bei sämtlichen Gegentoren – außer dem 0:7 aus einem Elfmeter – im Strafraum in der Überzahl waren.

Teilweise sogar klar mit 7:4 oder 8:5 Spielern. Und außer einem Weitschusstor zum 8:0 wurden auch alle Treffer innerhalb des Strafraums erzielt. Nahezu alle nach Flanken von der Seite, die nie verhindert wurden, weil Hasenhüttls Spieler keinen Druck auf die präzisen Flankengeber bekamen. Fast alle Gegentore fielen also nach dem selben Muster.

Doch macht es überhaupt Sinn, ein Spiel wie dieses im Detail zu analysieren? „Wir als Trainer suchen immer Erklärungen“, sagt Thomas Eidler, Leiter der Trainerausbildung des ÖFB. Solche Spiele analytisch aufzuarbeiten, sei aber ganz schwierig.

Beispiele dafür gebe es genug. Etwa das 1:7 der Brasilianer gegen die Deutschen im WM-Halbfinale 2014. Eidler: „Wenn man in diesem Spiel in die Gesichter der Spieler sieht, merkt man, dass sie völlig apathisch sind. Weltstars wie David Luiz bringen plötzlich keinen Pass über zehn Meter mehr an den Mann.“

Eine einfache Lösung oder Empfehlung, wie man auf einen frühen Ausschluss reagieren kann, gebe es aber nicht. „Egal, welche Spielidee du verfolgst, man kann nicht all seine Prinzipien über Bord werfen“, sagt Eidler.

Ein wesentlicher Bestandteil in der Trainerausbildung ist der Umgang mit Krisen mit dem Schwerpunkt Selbstkompetenz.

Eine Krise bei Ralph Hasenhüttl und seinem Team ist aber ohnehin nicht erkennbar: Southampton liegt in der Premier League im sicheren Mittelfeld, 15 Punkte Vorsprung hat man auf die Abstiegsränge – und  zwischendurch war man sogar an der Spitze gestanden. Am Samstag ist Newcastle der nächste Gegner.

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