Daxbacher: "Ein Trainer ist nie zufrieden"

Mister Violett: Karl Daxbacher ist Vater von vier Töchtern. Der 58-jährige Niederösterreicher spielte zwischen 1971 und 1985 393 Mal für die Austria. Der sechsfache Teamspieler übernahm im Sommer 2008 das Amt des Trainers.
Foto: ap

Karl Daxbacher will mit der Austria Meister werden, aber nicht von den guten alten Zeiten schwärmen.

Der 58-jährige Austria-Trainer und seine persönliche Vor- und Rückschau auf seine Trainerlaufbahn, sowie die Auseinandersetzung mit den Techniken der Gegenwart.

KURIER: Ihre wievielte Saison-Vorbereitung war das?
Karl Daxbacher: Keine Ahnung. Wenn ich meine aktive Zeit dazurechne, müssten es an die 50 gewesen sein.

Wird das nicht fad?
Nein, ich mache ja nicht immer dasselbe, auch wenn sich Spielformen und Übungen wiederholen. Aber einen Lerneffekt erzielt man bekanntlich durch häufige Wiederholungen.

Haben Sie je einen Lagerkoller miterlebt?
Natürlich. Einerseits, als ich damals als Spieler frischverliebt war. Da waren für mich die 14 Tage viel zu lang. Und auch, wenn Trainingscamps zu lange werden und die Streitereien beginnen. So wie damals bei der Austria, als wir drei Wochen in Südamerika waren.

Andererseits vielleicht eine Gelegenheit, von daheim wegzukommen?
Nein. Man hat ja in diesem Job ohnehin die Möglichkeit, viel zu Hause sein zu können. Es gibt Tage im Wettkampf-Getriebe, an denen ich am Vormittag Zeit für die Familie habe. Es gibt keinen schöneren Job als Spieler oder Trainer zu sein.

Und den Job wollen Sie noch einige Jahre ausüben?
Ja, weil ich kein Choleriker bin, sodass es meiner Gesundheit schaden könnte.

Was würden Sie jetzt machen, wären Sie nicht Trainer geworden?
Der Weg zum Trainer war klar. Nach meiner aktiven Karriere hatte ich wie andere auch eine Tankstelle. Daneben habe ich die Trainer-Ausbildung gemacht.

Also wären Sie Tankwart?
Nein. Pächter. Dieses Geschäft ist aber schwierig geworden. Gelernt habe ich eigentlich Elektriker.

Wo liegt der größte Unterschied zwischen den heutigen Spielern und Ihrer Generation?
Sie leben, arbeiten und ernähren sich heutzutage professioneller und sind bereit, individueller zu arbeiten.

Ist das ein Spiegel der Gesellschaft?
Ja, das ist ein Trend. In allen Berufen gibt es viele, die sich mit Seminaren weiterbilden. Umgekehrt arbeiten die Spieler professionell, aber ich merke auch, es fehlt da und dort die ganz große Leidenschaft, der absolute Siegeswille, der letzte Biss. Ich selbst muss aufpassen, dass ich nicht in die gute alte Zeit verfalle.

Wird den Spielern nicht sehr viel abgenommen?
Sicher, immer mehr sogar.

Exzesse wie früher sind nicht mehr möglich?
Das geschieht nicht mehr. Es wird manchmal etwas geben. Heute erfährt man durch die Medien alles. Siehe Prettenthaler oder Pehlivan. Früher ist sehr viel einfach nicht rausgekommen. Und damals sind sehr viele Fußballer aus ganz einfachen Verhältnissen gekommen, waren nicht so gebildet wie die aktuellen Spieler. Diese sind viel zugänglicher zu alternativen Methoden wie Teambuilding oder Kommunikations-Schule.

Können Sie etwas mit Facebook anfangen?
Dazu stehe ich etwas distanziert. Ich denke, dass ich nicht alles von mir preisgeben muss. Ich sehe nicht ein, warum ich Menschen mitteilen soll, dass ich jetzt in Flachau einen Kaffee trinke. Aber ich verstehe, dass das ein Trend bei der Jugend ist. Meine Töchter sind ja auch dabei.

Aber dem Internet verweigern Sie sich nicht?
Nein, das brauche ich als Trainer.

Wie bilden Sie sich weiter?
Die Zeit der Bücher ist auch schon wieder vorbei, aber ich habe Fachzeitschriften abonniert. Und im Internet findet man ohnehin sehr viel. Meine Diplomarbeit hat mir einen Kick gegeben, mich vermehrt mit vielen Dingen wie auch Psychologie zu befassen. Ein wenig weg vom rein spezifischen Fußball.

Würden Sie gerne bei Barcelona hospitieren?
Sofort, am besten gleich mehrere Wochen. Die interessanten Dinge liegen nämlich im Detail. Oder sie sind schon in der Vergangenheit geschehen, vielleicht entdeckt man das jetzt gar nicht mehr.

Wenn bei Barcelona Trainer Guardiola vom Kollegen Daxbacher ersetzt werden würde - könnten Sie viel falsch machen?
Das ist eine Frage der Akzeptanz durch die Spieler. Guardiola hat den richtigen Zugang zu den Spielern. Barcelona gibt den Trend vor, nach Ballverlust sofort den Gegner unter Druck zu setzen. Und alle wollen es jetzt kopieren. Das Problem ist: Dafür braucht man die geeigneten Spieler.

Sind Sie mit dem aktuellen Kader zufrieden?
Ein Trainer ist nie zufrieden. Aber man muss Realist sein und sehen, was für den Klub möglich ist. Baumgartlingers Abgang werden wir zu kompensieren versuchen. Viele haben auch gedacht, ein Acimovic sei nicht zu ersetzen. Neu ist: Im Tor wird wohl Pascal Grünwald beginnen.

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(kurier) Erstellt am
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