Sport | Fußball
17.11.2012

Das Veilchen mit der rosigen Zukunft

Sascha Horvath ist Austrias größtes Talent. Nun durfte er erstmals Profi-Luft schnuppern.

Wer in den letzten Tagen bei einem Training der Austria vorbeigeschaut hat, dem ist er bestimmt aufgefallen. Der kleine Mann, der da unter den Profis trainierte. Gewiss, auf den ersten Blick ist es die Körpergröße, durch die Sascha Horvath auffallen muss. Doch Unrecht tut dem jungen Mann, wer ihn auf seine 1,68 Meter und 65 Kilo reduziert.

Es sind die fußballerischen Fähigkeiten, die verantwortlich dafür sind, dass Horvath, der erst im August seinen 16. Geburtstag gefeiert hatte, schon mit den Profis trainieren durfte. „Er ist technisch stark, schnell und hat eine hohe Spielintelligenz. Das ganze Paket ist sensationell. Da macht es nichts aus, dass er kleiner ist“, beschreibt Austrias Amateur-Coach Herbert Gager. Er muss es wissen. Gager kennt Horvath bereits seit der U-13 und machte ihn mit 15 Jahren zum Stammspieler bei den Amateuren in der Regionalliga Ost.

Spielbestimmend

Dort überzeugte Horvath, der alle Positionen im zentralen Mittelfeld bekleiden kann, auch Ralf Muhr: „Es ist beeindruckend, wie spielbestimmend er mit seiner Größe im Erwachsenenfußball ist“, sagt Austrias Akademie-Leiter, der Teamspieler wie Alaba, Dragovic, Lindner oder Suttner in seiner Fußball-Schule groß werden sah.

Dementsprechend sieht Muhr auch Parallelen zwischen Horvath und den Talenten von einst. „Bei Sascha ist es so, dass sich all unsere Trainer und Experten einig sind und sagen: ‚Wenn der keiner wird, wer dann?‘ Das war bei Alaba und Dragovic nicht anders.“

Jugend-Förderer

Auch Alaba und Dragovic waren einst unter Gagers Fittichen. „Ich vergleiche nicht gerne Spieler“, sagt der Jugend-Förderer. Um dann doch eine Ausnahme zu machen. „Fußballerisch ist Sascha mit Alaba auf einer Stufe, braucht sich nicht zu verstecken.“ Ein kleines Defizit gilt es aber noch zu beheben. „Was David ausgezeichnet hat, war, dass er auch ohne Ball immer Spaß gehabt hat.“ Bei Horvath sei die Freude über Ausdauerläufe und physische Einheiten nicht immer ganz so groß. „Da kann er von der Mentalität noch eine kleine Schippe drauflegen.“

Große Talente und ihr Werdegang

Sascha Horvath ist bei Leibe nicht der einzige, dem schon in jungen Jahren eine große Karriere prophezeit wurde. Talente gab es auch in Österreich wie Sand am Meer. Nicht alle wurden den Erwartungen so gerecht, wie David Alaba , der mit 15 Jahren im Profifußball und mit 17 in der Champions League debütierte und bereits mit 19 im A-Nationalteam Regie führte.



Mit 16 in der Champions League debütierte auch Roman Wallnerbei Sturm Graz. Mehr als ein Leistungsträger in der österreichischen Liga wurde der 29-fache Teamspieler aber nie. Seine Gastspiele im Ausland (Hannover, Falkirk, Xanthi, etc.) waren ein Torso. Dafür dürfte er finanziell ausgesorgt haben.

Das kann man von Nikon Jevticsicher nicht behaupten. Er wurde mit 13 als Wunderkind gefeiert. Nachdem auch die Familie an Bodenhaftung verlor und den Nachnamen auf „El Maestro“ ändern ließ, verglühte der Stern schon bald. Heute ist der 19-Jährige sogar vereinslos.

Auf Meisterkurs in der NÖ-Landesliga ist Sascha Pichlermit Ober-Grafendorf. Der Stürmer wechselte einst mit 16 Jahren von den Austria Amateuren zu Fiorentina, der große Durchbruch blieb ihm jedoch verwehrt. Den schaffte Andreas Ivanschitz, mit 16 Debütant bei Rapid und heute Leistungsträger in der Deutschen Bundesliga, obwohl ihm von Hans Krankl schon mit 19 Jahren die Bürde des Teamkapitäns umgehängt worden war.