Francesco Totti ist Italiens letzter Weltstar.

© APA/AFP/ALBERTO PIZZOLI

Phänomen
09/27/2016

Das Römer Fußball-Idol: San Francesco Totti

Der Fußballstar wird heute 40. Sein Leben lang war er nur für AS Roma am Ball. Blick auf eine Ausnahmeerscheinung.

von Christoph Geiler

Die Bibliothek von Francesco Totti ist ein Opfer der Flammen geworden. Sie enthielt zwei Bücher. Totti ist verzweifelt: "Verdammt, das zweite hatte ich noch gar nicht fertig ausgemalt."

So geht Francesco Tottis Lieblingswitz. Der Mann ist offenbar nicht nur auf dem Fußballfeld ein Genie, sein Geschäftssinn dürfte nicht minder genial ausgeprägt sein. Die Witzbüchlein "Le Barzellette su Totti", in denen er sich geistreich über sich selbst und seine Unzulänglichkeiten lustig macht, sind in Italien Bestseller und wurden millionenfach verkauft. Für wohltätige Zwecke wohlgemerkt, denn eine gute Seele steckt in diesem Francesco Totti nämlich auch.

Francesco Totti. Legende und Liebling. Witzfigur und Wohltäter. Ballartist und Bonvivant. Ikone und Identifikationsfigur. Heute wird er 40. Erst 40? Werden viele geneigt sein, zu fragen. Denn gefühlt war er irgendwie immer schon da, und zu Rom, dieser ewigen Stadt, gehört er längst wie Romulus und Remus, wie das Kolosseum und der Trevi-Brunnen.

Großer Respekt

Er mag vielleicht nicht mehr der Allerschnellste sein, er gönnt sich jetzt auch mehr Schaffenspausen als früher, aber die Treffer und Tricks schüttelt Francesco Totti immer noch nach Belieben aus dem Fußgelenk. Auch deshalb jubeln ihm inzwischen sogar Tifosi zu, die sonst wenig mit AS Roma anfangen können, dem Gegner der Austria in der Europa League.

Mit jedem Jahresring ist auch der Respekt vor dem gerne verspotteten Star größer geworden. Dass sich ein Mann Zeit seiner Karriere, besser: sein gesamtes Leben lang, einem einzigen Verein verschreibt, das ist selten im schnelllebigen Fußball-Business des 21. Jahrtausends, in dem viele Spieler ihre Klubs im Jahrestakt wechseln.
Nur Francesco Totti kannte immer nur eine Liebe. Seit er 13 ist, trägt er das gelb-rote Trikot der Roma, seit 1993 ist er für den Verein in der Serie A am Ball. Er hat durchgehalten und die Avancen anderer Vereine abgewehrt.Mit Real Madrid war er sich schon handelseins. Aber er blieb dann doch wieder in seiner Stadt, bei seiner Roma. "Aus Liebe und Faulheit."
Der Altstar weiß eben, welche Bedeutung er für den Fußball in seinem Land hat. Auch mit 40 noch. Francesco Totti ist, wenn man so will, der letzte Weltstar, den der einst so stolze italienische Calcio zu bieten hat. Der letzte Gladiator, den er sich nicht von ungefähr auf den Oberarm tätowieren hat lassen. Der Corriere dello Sport veröffentlicht zu seinem Geburtstag eine 44-seitige Sonderbeilage. Als Roma am Samstag beim FC Turin 1:3 verlor, war nicht die Niederlage das Thema. Sondern Tottis Ehrentor, sein 250. in der Serie A.

Es ist der einzige Rekord, den Totti noch immer nicht gebrochen hat. Silvio Piola traf sogar 274 Mal, für Totti ein Ansporn, weiter zu machen. An ihm soll’s jedenfalls nicht scheitern, und bevor er einmal den Laufpass kriegt, auch das hat die Vergangenheit gelehrt, muss sowieso der Trainer gehen.

So, wie Zdenek Zeman. Als der langjährige Roma-Coach nach den fünf besten italienischen Fußballern gefragt wurde, antwortete er. "Totti, Totti, Totti, Totti und Totti."

Kein Witz.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.