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24.04.2018

Das Europa-League-Wunder: Was Salzburg Flügel verleiht

Der Meister erreichte als erster österreichischer Klub seit 1996 ein Europacup-Semifinale. Der Erfolg kommt nicht zufällig.

Es war ein Highlight der österreichischen Europacup-Historie, der 4:1-Erfolg der Salzburger im Viertelfinal-Rückspiel der Europa League gegen Lazio Rom. Erstmals seit 1996 steht wieder ein Bundesliga-Klub in einem Europacup-Semifinale. In diesem treffen die Salzburger auf das französische Spitzenteam Marseille. Das Hinspiel findet am Donnerstag im Stade Velodrome statt(21.05 Uhr, live ORFeins, Sky).

Red Bull, im Sommer nach dem zehnten Ausscheiden in der Champions-League-Qualifikation noch dem Hohn und Spott der Fußball-Community ausgesetzt, ist in aller Munde. Genau 13 Jahre, nachdem mit dem Einstieg von Red Bull ein neues Fußball-Zeitalter angebrochen war, ist Salzburg im Konzert der Großen Europas angelangt – und damit dort, wo Dietrich Mateschitz immer hinwollte und wofür über die Jahre Hunderte Millionen erfolglos in den Verein gepumpt wurden.

Dass dies genau in einer Zeit gelingt, wo dem nicht mehr so ist, Red Bull nur mehr als Sponsor auftritt, Salzburg zum Farmteam von RB Leipzig gemacht wurde und das Interesse des Konzerns sich klar auf den deutschen Bundesligisten fokussiert hat, kommt vordergründig überraschend. Werden aber die Hintergründe des durchschlagenden Erfolges in der Europa League beleuchtet, ist das nicht mehr so.

Der KURIER fand sieben Gründe, warum es nicht Zufall ist, dass Salzburg das Europa-League-Semifinale erreicht hat.

Die Philosophie

2012 wurde Ralf Rangnick Sportdirektor in Salzburg. Mit dem Deutschen, der mittlerweile nur mehr für RB Leipzig verantwortlich ist, wurde nicht nur eine neue Spielweise mit extremem Offensivpressing als Markenzeichen eingeführt. Vor sechs Jahren war die Zeit der Altstars, die viele nur wegen des Geldes nach Österreich gekommen waren, zu Ende. Seither werden Talente aus der ganzen Welt verpflichtet, die im besten Fall nach zwei, drei Jahren mit großem Gewinn wieder verkauft werden. „Die Spielerverkäufe sind für uns eine wichtige Finanzierungssäule“, erklärt Geschäftsführer Stephan Reiter. Der Prototyp dieses Geschäftsmodells ist Sadio Mané. 2012 wurde der Senegalese um vier Millionen Euro aus Metz geholt. Nach zwei Jahren wechselte der Flügelstürmer um 23 Millionen zum Premier-League-Klub Southampton.

Das Team

Red Bull hatte schon bessere Einzelspieler als derzeit, aber noch nie eine so gute Mannschaft wie jetzt. „Einer für alle, alle für einen“ ist in Salzburg mehr als nur eine leere Worthülse. Der Teamgeist kann Berge versetzen. Das hat auch das Rückspiel gegen Lazio eindrucksvoll bewiesen.

Der Trainer

Marco Rose gilt als einer der engsten Vertrauen von Liverpool-Erfolgscoach Jürgen Klopp, unter dem er viele Jahre in Mainz spielte. Der 41-jährige Deutsche hat das Sieger-Gen in sich. Das hat er schon vor einem Jahr mit dem Gewinn der Youth League, der Champions League für Nachwuchsteams, bewiesen. Rose gilt als Spielerversteher, als zielstrebig und rastlos. Und Salzburgs Trainer ist einer, der für die „Wir-wollen-noch-mehr-erreichen“-Mentalität steht.

Das Spielglück

Dieses muss ein treuer Begleiter sein, wenn ein österreichisches Team Gegner wie Dortmund oder Lazio ausschaltet. Aber Salzburg hat sich das Glück auch redlich erarbeitet. Die Laufleistung ist gigantisch, der Einsatz ebenso. Aufgegeben wird nie. Die prominenten Gegner zollen Respekt. „Salzburg ist momentan besser als Roma“, meinte Sportdirektor Igli Tare. Lazios Lokalrivale hat immerhin den FC Barcelona im Viertelfinale aus der Champions League befördert.

Die Basis

Auch wenn Red Bull nicht mehr jene Beträge in den Verein pumpt wie in den ersten Jahren (als es 30, 40 und noch mehr Millionen pro Saison waren), hat Salzburg noch immer ein finanzielles Fundament, das viel besser ausgestattet ist als jenes der österreichischen Konkurrenz. Mit dem Geld wird aber zielgerichteter gearbeitet als in den ersten Red-Bull-Jahren. Nur so ist ein Aufstieg gegen einen Verein wie Borussia Dortmund möglich: Der BVB hat mit rund 360 Millionen pro Jahr vier Mal so viel Geld zur Verfügung.

Die Infrastruktur

Anders als Frank Stronach bei der Austria hat Dietrich Mateschitz auch viel Geld in die Errichtung eines modernen Trainingszentrums und in den Bau einer noch moderneren Nachwuchsakademie investiert. Diese müssen den Vergleich mit den Einrichtungen bei europäischen Topklubs nicht scheuen. Mittlerweile schafft es der Klub endlich auch, die optimale Infrastruktur so zu nutzen, dass große Erfolge im Europacup möglich sind.

Die Professionalität

Freitag um acht Uhr und damit nur neun Stunden nach dem Kraftakt gegen Lazio tauchten die ersten Spieler im Trainingszentrum Taxham auf, um optimal zu regenerieren – lange vor dem Trainingsstart. „Ich kann mich auf meine Spieler absolut verlassen“, sagt Rose. Vorbei sind die Zeiten der Nachtschwärmer und Tachinierer. Viele Spieler haben ein klares Ziel: Sie alle wollen in die Fußstapfen von Sadio Mané, der in Liverpool zum hoch bezahlten Superstar gereift ist.