Sport | Fußball
14.10.2017

Das Alter schützt nicht vor dem Erfolg

Das Trainer-Comeback von Jupp Heynckes sorgt auch wegen dessen Alter für Aufsehen. Er ist beileibe kein Einzelfall.

„Unglücklicherwiese hat mir jemand vor sehr langer Zeit eine Droge namens Fußball in die Venen geschossen. Ich bin immer noch ein Süchtiger.“ So entschuldigte sich Roy Hodgson im September für seine Rückkehr auf die Trainerbank. Es ist sein erster Job nach Englands EM-Aus 2016 im Achtelfinale gegen Island. Drei Spiele hat er Crystal Palace jetzt betreut, der Klub liegt noch immer mit null Punkten und null geschossenen Toren auf dem letzten Platz der englischen Premier League. Kurz vor Amtsantritt hatte er wahrscheinlich Atembeschwerden, weil er auf seiner Geburtstagstorte 70 Kerzen ausblasen musste.

Nur einen Monat später ist Hodgson nicht mehr der älteste Trainer in den großen europäischen Ligen. In Italien ist Luigi Delneri (67/Udinese) der Älteste, in Spanien ist es Paco Herrera (Gijon) mit knackigen 61 und in Frankreich Claudio Ranieri (Nantes) mit nicht einmal 66. Bayern München hat Jupp Heynckes geholt, ganze zwei Jahre älter als Hodgson.

Älter als der Kanzler

Die Debatte über das Alter der Trainer ist zeitlos und sportübergreifend. In den 60er-Jahren wurde Baseball-Coach Casey Stengel von den New York Yankees aufgrund seines Alters entlassen. Er gelobte, „nie wieder den Fehler begehen, 70 zu werden“. Er war damals gleich alt wie Frankreichs Staatschef Charles de Gaulle, war drei Jahre jünger als Deutschlands damaliger Bundeskanzler Konrad Adenauer.

Der wiederum war damals jünger als Fritz Schulz. Das ist der bis heute älteste Trainer in der deutschen Bundesliga-Geschichte. 1978 sprang er bei Werder Bremen als Coach ein, mit respektablen 74 Jahren. Schulz trat mit Hut und Mantel auf, das Training leitete aber ein gewisser Rudi Assauer, der damals jedoch keine Trainerlizenz hatte.

Nur wenig jünger, 73 Jahre und 184 Tage, war Otto Rehhagel, als er sich 2012 auf die Trainerbank von Hertha BSC Berlin setzte. Für Berlin reichte es aber nicht für den Klassenerhalt, für Rehhagel nur zu Platz zwei in den Geschichtsbüchern der Bundesliga. In den WM-Annalen hingegen ist er Erster, bei der WM 2010 war der griechische Teamchef 71 Jahren alt. Bis heute unübertroffen. Die EM-Geschichte hingegen kann einen 73-Jährigen Teamchef vorweisen – so alt war 2014 Giovanni Trapattoni auf der irischen Bank.

Erfolgreiche Altmeister

Dass Alter nicht vor Erfolgen schützt, zeigt das Triple der Bayern im Jahr 2013, damals war Heynckes immerhin schon 68 Jahre alt. Sollten die Bayern im Mai das Finale in Kiew gewinnen, wäre Heynckes der älteste Trainer mit einem Titel in einem europäischen Klubbewerb. Bis dato hat diesen Titel der Belgier Raymond Goethals inne (71 Jahre und 231 Tage), unter dem Marseille 1993 die Champions League gewonnen hat.

Der älteste Trainer in den größten europäischen Ligen war Nils Lidholm. Der Schwede, 1982/1983 Coach von Herbert Prohaska beim AS Rom, übernahm dort im Jahr 1997 noch einmal kurz das Traineramt, mit 74 Jahren und 236 Tagen.

Das Durchschnittsalter der Bundesliga-Trainer in Österreich lag vor Beginn der Meisterschaft bei 46,6 Jahren (Deutschland 44,38, Italien 49,65, Spanien 49,8, England 49,85, Frankreich 53). Der jüngste Trainer in Österreich war St. Pöltens Jochen Fallmann (38), der von Oliver Lederer ersetzt wurde - welcher jetzt selbst mit 39 der Jüngste ist. Ältester Trainer war zu Saisonbeginn Damir Buric (53), der von der Admira zu Fürth gewechselt ist und durch den 60-jährigen Ernst Baumeister ersetzt wurde.