Sport | Fußball
05.12.2011

Constantini: "Es ist einfach ein Länderspiel"

Des Teamchefs Hoffnung: "Nicht nur wir schwächeln, sondern auch die Türkei und Belgien."

Für die österreichische Fußball-Nationalmannschaft geht es am Dienstag (20.30 Uhr/live ORF eins, KURIER.at-Liveticker) im Wiener Happel-Stadion um die letzte theoretische Chance auf eine Teilnahme an der EURO 2012 in Polen und der Ukraine. Die Auswahl von Dietmar Constantini benötigt gegen die Türkei unbedingt einen Heimsieg - bei einem Remis oder einer Niederlage sind die Hoffnungen auf den zum Play-off berechtigenden zweiten Platz und damit auf einen Trip zur EM-Endrunde endgültig dahin.

Selbst ein knapper Sieg wäre wohl zu wenig, denn in diesem Fall würde den Türken schon ein voller Erfolg aus ihren beiden ausstehenden Partien daheim gegen Deutschland und Aserbaidschan reichen, damit sie vor Österreich bleiben. Eine halbwegs realistische Möglichkeit, den WM-Dritten von 2002 noch abzufangen, bietet sich nur dann, wenn trotz des 0:2 von Istanbul das direkte Duell mit der Truppe von Guus Hiddink gewonnen wird.

Sieg wäre Überraschung

Constantini ist froh, dass seine Truppe nach den jüngsten Misserfolgen überhaupt noch mit einem EM-Start spekulieren darf. "Wir haben überraschend noch eine letzte Mini-Chance bekommen. Das sagt, dass nicht nur wir schwächeln, sondern auch die Türkei und Belgien. Wir schauen auf jeden Fall, dass wir alles machen, um zu gewinnen", versprach der Tiroler, für den ein Sieg über die Türkei nach eigenen Angaben eine Überraschung wäre.

Nichtsdestotrotz hofft der 56-Jährige insgeheim darauf, sogar das direkte Duell mit den Türken zu gewinnen. Auf bedingungslosen Angriff wird Constantini, der seine Mannschaft mit einem Video des 2:1-Zittersiegs der Türken über Kasachstan auf den Gegner einstellte, deswegen aber nicht setzen. "Es wäre nicht richtig, wenn wir überfallsartig offensiv spielen und dann hinten offen sind. Dann wird das Spiel für uns schnell vorbei sein."

Im Fall des Falles volles Risiko

Dennoch ist der Nationaltrainer bereit, im Fall des Falles volles Risiko zu gehen. "Wir wollen das Geschenk, dass wir noch dabei sind, unbedingt nutzen. Je nachdem, wie der Spielverlauf ist, kann es schon sein, dass noch Offensive kommen." Ein Kandidat für eine Einwechslung zur Stärkung des Angriffs wäre Marc Janko. Ob der an einer Adduktorenverhärtung laborierende etatmäßige Kapitän jedoch rechtzeitig fit wird, entscheidet sich erst am Spieltag.

Somit läuft es im Kampf um den Platz als Solo-Spitze wohl auf ein Rennen zwischen Marko Arnautovic und dem nachnominierten Stefan Maierhofer hinaus - beide stehen erstmals seit ihrer Kabinenrangelei von Istanbul im März wieder gemeinsam im Kader. "Das war nicht so schlimm, wie es immer beschrieben wurde. Es war keine Rauferei", sagte Constantini. Mittlerweile sei die Sache aus der Welt geschafft. "Es gibt zwischen beiden keine Berührungsängste."

Wenig Änderungen

Die Kritik, wonach er gegen Deutschland zu viele Kicker mit wenig oder gar keiner Spielpraxis eingesetzt hätte, konnte Constantini nicht ganz nachvollziehen. "Ich kann auf diese Spieler nicht verzichten, weil ich der Meinung bin, dass wir sie brauchen."

Deswegen dürfte es im Vergleich zum Deutschland-Match auch nicht allzu viele Änderungen geben. Fix ist nur die Rückkehr des in Gelsenkirchen gesperrt gewesenen Paul Scharner, Pascal Grünwald könnte anstelle von Christian Gratzei im Tor beginnen.

Der Sturm-Graz-Schlussmann wurde trotz einiger Patzer gegen die DFB-Elf von Constantini verteidigt. "Wenn der Gegner so wie in Deutschland auf dich einrennt, können schon Fehler passieren. Falls es einen Wechsel gibt, ist das kein Zeichen, dass Gratzei schuld an der Niederlage war", meinte der Teamchef.

"Da werden wir dann schauen, wie es ausschaut"

Vielmehr steht Constantini selbst nach sieben Niederlagen aus den jüngsten acht Länderspielen in der Verantwortung. Im Falle eines neuerlichen Misserfolgs könnte seine zweieinhalbjährige Amtszeit am Mittwochvormittag nach einem Gespräch mit ÖFB-Präsident Leo Windtner beendet sein. "Da werden wir dann schauen, wie es ausschaut", sagte der Tiroler.

In der ORF-Sendung "Sport am Sonntag" hatte er erkennen lassen, dass er bei dieser Unterredung eine Entlassung nicht für ausgeschlossen hält. "Wenn der Präsident überlegt, einen neuen Trainer früher zu installieren, damit der dann drei, vier Spiele mehr hat, werden wir uns zusammensetzen und uns trennen."

Von einem "Schicksalsspiel" gegen die Türkei wollte Constantini jedoch nichts hören. "Josef Hickersberger hat mehr Schicksalsspiele als ich gehabt. Es ist einfach ein Länderspiel, in dem man versucht, die Mannschaft so einzustellen, dass sie gewinnt. Schicksal ist für mich etwas anderes als Fußball."

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