epa03768954 Riot police clash with demonstrators near the Maracana stadium in Rio de Janeiro, Brazil, 30 June 2013. Around 4,000 people gathered to protest what they perceive as excessive public spending for the Confederations Cup and next year's World Cup and to demand instead better hospitals, schools and public transport. Police presence around Rio's Maracana Stadium, which is hosting the FIFA Confederations Cup final, was very visible in the biggest security operation for a sports event in Brazilian history. EPA/MARCOS ARCOVERDE

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Confed-Cup-Analyse
07/02/2013

Brasilien siegte, die FIFA verlor

Der ganz große Verlierer des Confederations Cup ist der Fußball-Weltverband.

von Günther Pavlovics

Die WM-Generalprobe war sportlich ein voller Erfolg. Es waren gute Spiele, es fielen viele Tore, es waren viele Fans im Stadion, der Transport dorthin funktionierte besser als befürchtet. Zu guter Letzt gewann Veranstalter Brasilien im Finale gegen Weltmeister Spanien klar mit 3:0. Wobei Brasiliens Hoffnungsträger Neymar zeigte, dass er das Zeug zum Weltstar hat.

Und dennoch war keine FIFA-Veranstaltung mehr von öffentlichem Unmut geprägt als diese. Millionen Brasilianer demonstrierten – auch am Finaltag – für soziale Verbesserung und teilweise offen gegen den Weltverband. FIFA-Boss Joseph Blatter hatte nach den ersten Protesten gemeint, dass sie aufhören würden, wenn der Ball einmal rolle. Brot und Spiele eben. Doch selbst im fußballverrückten Brasilien waren diesmal nicht die Spiele das Wichtigste auf der Welt. Gesundheit, Bildung, Essen – das waren die Dinge, wofür protestiert wurden.

Der erste Reflex von Blatter: „Das sind soziale Probleme Brasiliens und nicht die des Fußballs. Der Fußball bringt nur Freude, nicht nur für Brasilien, sondern für die ganze Welt.“

Blatter ist einer der mächtigsten Funktionäre auf der Welt. Er schafft, wozu ansonsten Revolutionen oder militärische Einsätze nötig sind. Er kann Regierungen Gesetze diktieren, die ansonsten kaum durchzusetzen wären. Und alles nur, damit die als Fußballfest getarnten Sponsorenmessen der FIFA stattfinden können: Strikte Auflagen und Regeln im Sinne der Sponsoren, überteuerte Eintrittspreise, das Verbot von Stehplätzen und wie schon in Südafrika die Zwangsräumung von Wohnungen für milliardenschwere Stadien, die riesigen VIP-Bereichen gleichen.

Milliardenspiele

Papst Franziskus punktet mit neuer Bescheidenheit. Blatter hingegen wird nie öffentlich mit Bus oder U-Bahn ins Stadion fahren. Er hat in Rio de Janeiro das noble Copacabana Palace Hotel kaum verlassen. Die Funktionäre logieren in den besten Hotels, lassen sich in VIP-Logen bewirten und von normalen Fans dabei auf die Scampi schauen. Und wundern sich dann, dass sie als Eindringlinge oder gar als Besatzer wahrgenommen werden.

Blatter zeigte vor dem Finale zwar kurz Einsicht, rechnete danach aber wieder einmal vor: „Am Ende der WM in Südafrika, zusätzlich zu dem Erfolg des Turniers, haben wir 100 Millionen Dollar hinterlassen. Ich bin mir sicher, dass eine Summe in diesem Bereich oder sogar noch höher hier auch möglich wäre.“ Großzügig. Die Gesamtkosten der WM in Brasilien werden auf elf Milliarden Euro geschätzt. Für das WM-Jahr 2014 kalkuliert die FIFA mit Einnahmen von insgesamt 1,080 Milliarden Dollar (831,54 Millionen Euro).

Blatters Adjutant Jérôme Valcke reagierte auf die Kritik nur kurz: „Wir sind das falsche Angriffsziel. Wir sind unverschuldet in dieses Durcheinander geraten und haben nichts verbrochen.“

Wenn der einstige Rechtehändler Valcke nicht das Unschuldslamm gibt, macht er deutlich, wie er und Teile der FIFA ticken. Im April sagte er: „Um eine WM zu organisieren, ist weniger Demokratie manchmal besser.“

Solange er, sein Chef Joseph Blatter und Kumpane an der FIFA-Macht sind, wird es nur schwerlich mehr Weltmeisterschaften in einer westlichen Demokratie geben. Die nächsten beiden Weltmeisterschaften finden vorsorglich schon in Russland und Katar statt.

Brasilien feiert seine Helden

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