Fußballcamp mit Christian Fuchs, Wien am 17.08.2016

© KURIER/Gilbert Novy

Interview
08/18/2016

Fuchs: "Das ist und bleibt unspektakulär"

Der Linksverteidiger war erstmals seit zwei Monaten in Österreich und spricht über seinen Rücktritt aus dem Team, die Titelchancen von Leicester und die Premier League.

von Günther Pavlovics, Gilbert Novy

Ende Juni gab es nach dem EM-Aus noch einen verspäteten Knalleffekt: Teamkapitän Christian Fuchs beendete mit knapp 30 Jahren seine Teamkarriere. Was wurde nicht alles gemunkelt und spekuliert. Noch jetzt, fast 50 Tage später, will er keine Fragen zu seinem Rücktritt gestellt bekommen.

KURIER: Warum wollen Sie nicht mehr übers Team reden?

Christian Fuchs: Weil ich alles gesagt habe, weil sich nichts geändert hat. Das ist und bleibt unspektakulär.

Weil Sie nicht wegen irgendwelcher Querelen aufgehört haben, sondern aus privaten Gründen?

Genau. Ich versuche, in der wenigen Freizeit meine Familie in den USA zu besuchen, damit sie nicht immer zu mir kommen müssen. Und ich habe auch sonst genug zu tun, wenn sie nicht da sind. Nach dem Training komme ich, raste mich etwas aus und arbeite dann bis in die Nacht. So ein Fußballcamp hat acht Monate Vorlaufzeit.

Sind solche Camps Ihre Leidenschaft?

Ja. Aber auch mein Leiden. Die USA, Österreich und nächstes Jahr vielleicht auch England. Da muss man nicht nur organisatorisch alles auf die Reihe bringen, da muss man sich auch viel mit den länderspezifischen Unterschieden beschäftigen.

Wird in Leicester den Meisterspielern jetzt mehr Aufmerksamkeit zuteil?

Ich war zwar erst ein Mal in der Stadt. Wünsche nach einem Foto oder einem Autogramm gab es öfters als vorher. Aber meist bleibt es im Rahmen, die Fans sind zumeist sehr diszipliniert.

Zumeist?

Es ist passiert, dass auf einmal ein Handy aus einem vor mir fahrenden Auto gehalten und ein Selfie mit mir im fahrenden Auto gemacht hat. Einmal hatte ich auch das Gefühl, dass mir jemand bis nach Hause nachgefahren ist.

Das liegt vielleicht am auffälligen blauen Auto, das Ihr Klubchef den Meisterspielern geschenkt hat.

Ziemlich sicher sogar.

Leicester spielt erstmals in der Champions League. Ist die Vorfreude groß?

Der Klub hat für die Vorbereitung bewusst starke Gegner ausgesucht. Wir haben gegen Paris 0:4 verloren, gegen Barcelona 2:4. Da wurde uns schon ein Klasseunterschied aufgezeigt. Ich traue mich zu sagen, dass wir noch auf einem anderen Level sind.

Wird die Saison durch die Doppelbelastung Meisterschaft und Champions League nicht noch schwieriger?

Was letzte Saison passiert ist, war verrückt. Und die Champions League ist das i-Tüpfelchen auf diese Saison. Ich mache mir keine Sorgen in der Liga. Der Titel wird schwer zu verteidigen sein, aber wieso sollte es nicht gelingen?

Vielleicht, weil die großen Teams noch mehr Geld für Stars ausgegeben haben?

Vor zehn Jahren waren solche Summen noch undenkbar. Die sind wirklich schon enorm. Die Liga hat durch Spieler wie Pogba oder Ibrahimovic und Trainer wie Conte, Guardiola und Mourinho sicherlich an Qualität gewonnen. Vielleicht schaffen wir wieder die eine oder andere Sensation gegen einen dieser Klubs.

Und was hat Leicester auf dem Transfersektor gemacht?

Wir haben uns punktuell gut verstärkt.

Mit Kanté ist ein wichtiger Spieler gegangen, ist Leicester schwächer geworden?

N’Golo hatte Anfang letzter Saison wie ich seine Probleme, in die Mannschaft zu kommen. Danach war er großartig. Wir haben Mendy geholt, der gut ist.

Sie haben den Liga-Auftakt verpatzt. War das ein erster Warnschuss?

Das Spiel gegen Hull war eng und ist für uns unglücklich gelaufen. Auch ich hatte eine hundertprozentige Torchance, die der Tormann aber großartig gehalten hat. Trainer Ranieri hat als Ziel 40 Punkte ausgegeben, was für den Klassenerhalt reicht. Ich glaube nicht, dass wir etwas mit dem Abstiegskampf zu tun haben werden.

Wie viel verdienst du?

Der Dreikäsehoch hat seine blonden Haare kurz geschnitten. Nur ganz oben, da hat er ein kleines Schwanzerl. Fußballer-Frisur eben. Marke Arnautovic. „Ich spiele mit der Nummer sieben“, sagt er. Mit der Nummer, die Arnautovic auf seinem Trikot im Nationalteam hat. Ein anderer Jungkicker ist nicht so firm in Team-Fragen. „Wer spielt denn rechts im Mittelfeld?“, fragt er. Mit Christian Fuchs hat er einen profunden Kenner der Team-Thematik. „Martin Harnik“, klärt er den jungen Burschen auf.

„Die Einser-Frage von den Kindern ist aber, wie viel ich verdiene“, sagt Fuchs. Keine schlechte Frage. Und wie viel ist es? Fuchs: „Zu wenig.“

Christian Fuchs muss lachen. Der 30-Jährige hat nach der EM seine Teamkarriere beendet. Nicht aber seine Arbeit mit Kindern. Fox Soccer Academy nennt er seine Fußball-Schule. Letztes Jahr hat er damit in den USA begonnen. Dieses Jahr hat er schon Camps in New York und New Jersey gemacht. Und diese Woche ist er damit erstmals in Österreich.

Donaustadt-Idylle

Christian Fuchs ist seit einem Jahr Profi in Leicester, wo er sensationell den Meistertitel geholt hat. Trainer Claudio Ranieri gibt immer am Mittwoch frei. Fuchs strich die Freizeit, um zumindest einen Tag im Camp dabei zu sein. Im Sportcenter Donaucity nahe Donauturm und Vienna International Center wuseln 33 Kinder herum. Zwischen sechs und sieben Trainer machen mit den Kindern Übungen oder sind Schiedsrichter, wenn gespielt wird. Die Trainerauswahl hat Fuchs in die Hände eines seiner engsten Wegbegleiter gelegt: Heinz Griesmayer war jener Trainer, unter dem er als 16-Jähriger seine Karriere in der niederösterreichischen Landesliga begonnen hat. Mit 17 hatte ihn Mattersburg geholt. Via Bochum, Mainz und Schalke ist er 2015 in England gelandet.

Am Mittwoch war er erstmals seit der Vorbereitung auf die EM wieder in Österreich gelandet. Nach der EM war er in den USA, wo seine Familie lebt und er seine Camps macht. Das Trainingslager von Leicester City in Stegersbach durfte er auslassen, weil die EM-Spieler länger Urlaub machen durften.

Kurz nachdem er in England ins Training eingestiegen war, ging es wieder in die USA. Der englische Meister spielte im Rahmen des International Champions Cup gegen hochkarätige Gegner. Am Samstag begann in England das Titelrennen, Meister Leicester startete mit 1:2 gegen Aufsteiger Hull. Aber Fuchs nimmt es gelassen. Den Fehlstart ebenso wie die Fragen nach seinem Rücktritt und eben die Einser-Frage nach seinem Verdienst.