Sport | Fußball 18.04.2012

Chelsea: Kritik und Peinlichkeiten

Die Londoner laufen dem ganz großen Erfolg hinterher. Gegen Barcelona soll es die Recanche für 2010 geben.

Chelsea gegen Barcelona, zwei große Namen, ein Schlager und der große Aufreger im der Champions-League-Halbfinale vor drei Jahren. 0:0 in Camp Nou, 1:1 an der Stamford Bridge, Chelsea flog aus dem Bewerb und beschwerte sich damals hemmungslos über den norwegischen Schiedsrichter Tom Henning Øvrebø.

Einige Male wurde von ihm der Elfmeterpfiff erwartet, immer blieb seine Pfeife stumm. Skandal, Ungerechtigkeit, das Warten auf die große Revanche hatte begonnen.

Bis jetzt. Denn an diesem Mittwoch haben die Blues wieder die Chance, den Favoriten aus Barcelona aus dem Bewerb zu schubsen. "Wir haben mit ihnen noch eine Rechnung offen. Ich bin überzeugt, wir können Barcelona schlagen", sagt Englands Teamspieler Frank Lampard. Stürmer-Star Didier Drogba sieht sich und seine Mannschaft gegen Barcelona ganz und gar nicht in der Außenseiterrolle: "Die Chancen stehen 50:50."

Trainer-Theater

Viel Wasser ist seit dem denkwürdigen Spiel im Mai 2009 die Themse hinuntergelaufen. 2010 wurde Chelsea zuletzt Meister, Trainerberühmt­heiten wie Scolari, Hiddink oder Ancelotti gaben sich die Türschnalle in die Hand, aber zum großen internationalen Triumph hat es dennoch nicht gereicht. Nichts wurde es aus dem Traum von Geldgeber Roman Abramowitsch, der sich schon allzu oft in der Position der europäischen Nummer 1 gewähnt hatte.

Chelsea läuft dem ganz großen Erfolg hinterher und Chelsea sucht wieder einmal einen neuen Trainer. Der Italo-Schweizer Roberto di Matteo hat aus den letzten zwölf Pflichtspielen neun Siege geholt, darunter den lockeren Spaziergang gegen Tottenham (5:1) am vergangenen Sonntag ins FA-Cup-Finale.

Allerdings muss sich Chelsea in der Premier League weiter intensiv um das Ticket für die nächste Champions League bemühen. Am kommenden Samstag steigt diesbezüglich bei Arsenal ein wichtiges Stadt-Derby. Derzeit liegt Chelsea auf Platz sechs.

Wird das reichen? Oder braucht ein Promi-Klub wie Chelsea nicht auch einen namhaften Trainer?

Heftige Kritik

Abramowitsch hat von der englischen Trainervereinigung für seine Personalpolitik zuletzt jedenfalls viel Kritik einstecken müssen.

Richard Bevan, Chef der League Managers Association (LMA): "Nach dem achten Trainer in neun Jahren zu suchen, ist eine ernsthafte Peinlichkeit für den Besitzer, den Klub, die Fans und die Liga."

Die Londoner hätten es trotz des unbegrenzten Reichtums nicht geschafft, einen erfolgreichen Fußballklub aufzubauen. Der Brasilianer Felipe Scolari war selbst sieben Monate in Abramowitschs Diensten. Seine leidvolle Erfahrung: "Wer immer Trainer wird, für ihn wird es die Hölle."

( Kurier ) Erstellt am 18.04.2012