Herbert Gager

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Bundesliga
04/25/2014

Trainerkarussell mit Schleudergefahr

Die Hälfte der Klubs hat für die nächste Saison noch keinen Cheftrainer unter Vertrag. Ein Überblick.

von Alexander Strecha, Andreas Heidenreich

Der Trainersessel wird einmal mehr zum Schleudersitz. Nicht nur in Ried, wo Michael Angerschmid gehen muss: Bei fünf von zehn Bundesliga-Klubs steht aktuell noch nicht fest, welcher Coach ihr Team in die kommende Saison führen soll. Nur Altach, das am Freitagabend als Aufsteiger feststehen könnte, Wiener Neustadt, Sturm Graz und Wolfsberg setzen auf Kontinuität und lassen die aktuellen Trainer auf ihren Sesseln kleben.

Bei der Admira ist das noch nicht zu hundert Prozent sicher. Oliver Lederer darf auch in der nächsten Saison aufgrund der fehlenden Lizenz nicht den Cheftrainer geben. Und mit Walter Knaller, der noch immer mit seinem Vertrag als Akademieleiter ausgestattet ist, gibt es noch keine endgültige Einigung.

Austria: Gagers Arbeit weckt auch anderswo Interesse

Zehn Spiele hat er als Chef absolviert, sechs davon gewonnen und nur eines verloren – es gibt schlechtere Bilanzen. Herbert Gager tut das Seinige, um auch in der kommenden Saison Trainer der Austria zu sein. Fraglich ist, ob das die Austria-Doppelspitze Parits/Kraetschmer honoriert. Erst nach der letzten Runde am 11. Mai wird man sich an den eckigen Tisch für konkrete Gespräche zusammen setzen. Vollkommen überzeugt von Gager dürfte die violette Führung nicht sein, hätte man doch in der Zwischenzeit nach den guten Ergebnissen ein Bekenntnis ablegen können. Vielleicht spürt das auch Gager selbst.

Zahlenspiele

Dem Trainer bleibt nichts anderes übrig, als auf die Statistik zu verweisen, die klar für ihn spricht. "Es geht mir da ebenso wie einigen Spielern. Wir denken nicht an Verträge. Weder beim Training, noch beim Spiel. Da geht es um eine gute Einstellung zum Beruf. Wenn wir erfolgreich spielen, dann werden wir keine Probleme haben." Und nicht übrig bleiben. Denn Erfolg macht interessant. Wenn schon nicht beim eigenen Verein, dann vielleicht bei anderen. "Meine Arbeit wird auch anderswo registriert", ist sich Gager sicher. "Die positiven Ergebnisse sind meine Visitenkarte."

Planspiele

Sportvorstand Parits führt mit Gager regelmäßig Gespräche und plant den Kader für die kommende Saison, was man grundsätzlich als Indiz für einen Verbleib Gagers werten könnte. Konjunktiv.

Anzuzweifeln ist, ob Gager wieder ins zweite Glied zurückkehren und die Amateur-Mannschaft übernehmen würde, wenn aus der Bundesliga Angebote vorliegen.

Der Trainer ist mit seiner Unsicherheit aber nicht allein, auch einige Spieler kennen ihre berufliche Zukunft noch nicht genau. Stankovic wird den Klub verlassen, mit dem vor Kurzem am Knie operierten Kienast scheint man ebenfalls nicht zu planen. Der nach Dänemark verliehene Okotie könnte heimkehren, eine Entscheidung soll laut Parits in den nächsten Tagen fallen.

Werbung in eigener Sache können alle Austrianer am Samstag am Innsbrucker Tivoli machen. Gager warnt jedoch, weil die Innsbrucker nach dem Sieg über Wiener Neustadt noch die winzige Chance auf den Klassenerhalt wahren wollen. Das macht sie gefährlich. "Wir haben schon beim Heimsieg gesehen, dass Innsbruck eine gute Mannschaft hat, die einen guten Fußball spielen will." Herbert Gager fordert daher von seinem Team Engagement und Aktivität. "Wir spielen doch fast immer gleich. Da halte ich es nicht so wie José Mourinho mit seinem Defensivsystem. Da verliere ich lieber."

Doch das ist für Austria-Trainer Herbert Gager genau genommen verboten.

Warten auf Bestätigung

Der Rekordmeister lässt sich Zeit bei der Verlängerung des Vertrags mit Zoran Barisic. Geeinigt soll man sich bereits haben, die Bestätigung soll bald folgen. Alles andere wäre auch eine faustdicke Überraschung: Der 43-Jährige hat Rapid wieder zu einem Spitzenteam geformt. Nach 25 Punkten Rückstand auf die Austria in der Endtabelle der Vorsaison konnte Barisic in dieser Saison drei von vier Derbys gewinnen und den Erzrivalen bisher hinter sich lassen.

Weniger gesichert ist hingegen der Verbleib von Christopher Dibon, der noch ein Jahr lang Salzburg gehört. Rapid hat für den ausgeliehenen Innenverteidiger nun ein konkretes Angebot an den Liga-Primus gestellt. Rapid-Sportdirektor Andreas Müller wartet aber noch auf den Rückruf seines Salzburger Kollegen Ralf Rangnick. Möglich, dass dieser Dibon Leipzig schmackhaft machen möchte. Der 23-Jährige will aber bei Rapid bleiben und am Samstag nicht zum letzten Mal gegen Salzburg spielen.

Hütters Nachfolger soll in St. Pölten gefunden werden

Anfang April verkündete Adi Hütter seinen Abschied aus Grödig. Der 44-Jährige will in seiner Trainer-Karriere den nächsten Schritt machen. Mit der Austria wurde er in Verbindung gebracht. Mit 1860 München, RB Leipzig und mit Salzburg, sollte Roger Schmidt dem Ruf der Deutschen Bundesliga folgen. Und dann wäre da noch die Option Ried.

Fakt ist, Hütter hat bei der Wahl des neuen Arbeitsplatzes keinen Stress und Grödig braucht im zweiten Bundesligajahr einen neuen Coach. Diesen will man bereits in St. Pölten gefunden haben: Gerald Baumgartner will die Niederösterreicher trotz Vertrag bis 2015 schon wieder verlassen, weil das Budget gekürzt und ein Aufstieg nicht möglich sein wird. Der SKN braucht Geld und verlangt für seinen Trainer, der den Klub ins Cup-Halbfinale gegen Sturm Graz (7. Mai) geführt hat, 100.000 Euro Ablöse. Das erste Angebot von Grödig-Manager Christian Haas war aber nur ein Viertel davon. Ein weiteres soll folgen. Die Wahrscheinlichkeit auf eine Einigung ist groß.

Angerschmid dürfte selbst bei drei Siegen Geschichte sein

Erreicht Michael Angerschmid zu Saisonende nicht 48 Punkte (derzeit 40), wird sein Vertrag nicht verlängert. Das hat Ried-Manager Stefan Reiter bereits verkündet. Was vor den drei ausständigen Spielen gegen die Admira, Salzburg und Rapid wie ein Rauswurf klingt, ist auch einer. Denn mittlerweile ist durchgedrungen, dass Angerschmid selbst im Falle dreier Siege nicht von seiner Vertragsklausel wird Gebrauch machen dürfen und sich die Rieder notfalls die Abfindung leisten würden.

Wer aber folgt dem Rieder Urgestein auf die Innviertler Trainerbank? Wieder ein Urgestein? Oliver Glasner könnte vom Salzburger Assistenten zum Rieder Chef aufsteigen und dorthin zurückkehren, wo er selbst insgesamt 18 Jahre lang gekickt hat. Oder will man nach der Ära Angerschmid nicht wieder einem aufstrebenden Assistenten die Chance geben und holt einen Mann mit Cheftrainer-Erfahrung? Adi Hütter soll auf der Wunschliste ganz oben stehen. Gut möglich, dass der aber heißere Optionen hat (siehe oben).

Roger Schmidt denkt weiter über einen Abschied nach

Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen sollen auf die Dienste von Roger Schmidt Wert legen. Dass es Anfragen gibt, hat der Deutsche längst bestätigt. "Mehr kann ich aber noch nicht sagen", ließ der 47-Jährige am Donnerstag wissen. "Ich weiß natürlich, dass ich durch die Ankündigung, eine kurzfristige Entscheidung anzustreben, die Erwartungshaltung geweckt habe, dass jetzt schnell etwas passiert", bestätigt der Meistermacher. "Es ist aber eine sehr schwierige Entscheidung, die meiner Meinung nach sehr ausgereift sein muss. Ich werde mich nicht unter Druck setzen, sondern mir die Zeit nehmen, die ich brauche, um endgültig zu wissen, was ich mache."

Sportchef Ralf Rangnick will von einem Abgang seines Schützlings, den Salzburg im Sommer vor zwei Jahren Paderborn um eine Million Euro abgekauft hat, offiziell nichts wissen. "Er hat erst vor Kurzem bis 2016 verlängert. Wir gehen deshalb davon aus, dass alles so bleibt. Wir wollen, dass Roger die nächste und übernächste Saison bei uns ist."

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