VAR-Entscheid: Danielson (l.) drückte Bessedin das Knie durch und sah noch rot

© APA/AFP/POOL/LEE SMITH

Sport Fußball
06/30/2021

Brutal, aber keine Rote? Warum Lineker beim Ukraine-Sieg rot sah

Der englische Experte sah beim gröbsten Tritt der EM keinen Ausschluss. Für den Gefoulten Bessedin ist das Turnier zu Ende.

von Alexander Huber

Gary Lineker war ein großartiger Stürmer und ist auch als meinungsstarker Experte beliebt. Am Dienstag lag der 60-Jährige aber gleich zwei Mal daneben. Zuerst widerlegten seine Engländer mit dem 2:0 gegen Deutschland Linekers legendärsten Spruch („... und am Ende gewinnen die Deutschen“). Darüber freute sich Lineker noch: „Rest in peace“ schrieb er seinem eigenen Spruch hinterher.

Doch beim letzten Achtelfinale muss ihm seine generelle Skepsis gegenüber dem VAR die Sicht verstellt haben.

Während sich Millionen vor den TV-Geräten mit Schaudern abwandten, beharrte Lineker noch nach der Wiederholung des Fouls von Marcus Danielson an Artjom Bessedin darauf, dass der Schwede nicht ausgeschlossen werden hätte dürfen.

Die Szene in Spielminute 98 entschied vermutlich das Duell Ukraine – Schweden. Auf Ukraines Führung durch Sintschenko (27.) folgte das 1:1 durch Forsberg (43.) und danach das befürchtete Rasenschach.

Das Elfmeterschießen schien unvermeidbar, bis dem eben erst eingewechselten Bessedin mit voller Wucht das Knie durchgedrückt wurde.

Der VAR greift ein

Schiedsrichter Orsato entschied zuerst auf Gelb, wurde aber vom VAR kontaktiert und nach der Zeitlupe war nicht nur dem Italiener klar: Danielson muss mit Rot raus.

In Überzahl legte die Ukraine noch einmal zu und in Minute 121 wurde mit seinem ersten Länderspieltor Sturm-Joker Artjom Dowbik zum Volkshelden: Der 24-Jährige köpfelte eine Sintschenko-Flanke zum 2:1 ins Netz und die Ukraine damit ins Viertelfinale gegen die Engländer am Samstag.

Lineker tobte derweil auf Twitter und beharrte darauf, dass die Rote „lächerlich“ sei: Nicht brutal wirkende Standbilder oder TV-Wiederholungen sollten entscheiden, sondern die fehlende Absicht: Danielson hätte beim Versuch, den Ball zu klären, einfach Pech gehabt.

Dabei ist die Regelauslegung der UEFA ganz eindeutig: Absicht ist ein Kriterium, aber nicht entscheidend. Wenn mit offener Sohle und Wucht die Verletzung eines Gegenspielers riskiert wird, muss ein Ausschluss folgen.

Für Bessedin ist die EM beendet. "Er wird länger nicht Fußballspielen können", wurde noch vor der MRT-Untersuchung verlautbart.

Ob unter seinen diversen Verletzungen auch ein Kreuzbandriss ist, wird noch abgeklärt.

 

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