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WM-Aus von ÖFB-Star Baumgartner: Die Verletzung ist deutlich schlimmer

ÖFB-Star Christoph Baumgartner wurde von einem Spezialisten in Finnland operiert. Er fällt sogar fünf Monate aus.
Andreas Heidenreich und Alexander Strecha aus Santa Barbara
Christoph Baumgartner

Dr. Lasse Lempainen ist einer der Stars unter den Sportärzten in Europa und international anerkannt. Er kooperiert offiziell mit Spitzenklubs wie dem FC Barcelona, Atletico Madrid, AC Milan oder Juventus Turin. Auf seinem Instagram-Profil zeigt sich der Mediziner mit vielen Fußballspielern, darunter große Stars wie etwa Ballon d’Or-Gewinner Ousmane Dembélé oder Real Madrids Innenverteidiger Éder Militão. Das Bild mit Christoph Baumgartner wird wohl auch bald zu sehen sein.

Lempainen hat den tragischen Helden von Österreichs Team operiert. Nicht in Wien, wo er sich verletzt hat und nicht in Leipzig, wo der 26-Jährige vertraglich gebunden ist, sondern in seiner Klinik in Turku in Finnland

Warum so viel Aufwand für diese Operation betrieben wurde, hat der KURIER in den letzten Tagen recherchiert. Die Verletzung ist schwerwiegender als bisher kommuniziert und nicht einfach nur eine Muskelverletzung.

Beim Torschuss während des Aufwärmens vor dem letzten WM-Test gegen Tunesien am letzten Montag ist Baumgartner die Sehne des Rectus femoris an der Oberschenkel-Vorderseite am Hüftansatz gerissen. Eine Verletzung, die eine sehr lange Pause bedeutet.

Was das bedeutet

Die Hiobsbotschaft trifft nicht nur den ÖFB und das Nationalteam, sondern auch RB Leipzig. Fünf Monate wird der Klub auf seinen Leistungsträger verzichten müssen. Das schmerzt besonders, wenn man sich die Zahlen der vergangenen Saison ansieht: 37 Pflichtspiele, 17 Tore – als zentraler Mittelfeldspieler, in einer defensiveren Rolle als beim Nationalteam. Baumgartner wird damit nicht nur die WM verpassen, sondern auch die Spiele in der Nations League im Herbst. Und wohl noch schwerer wiegt für ihn persönlich: Leipzigs Rückkehr in die Champions League erlebt er im September von der Tribüne aus.

Nach der Schockdiagnose am Dienstag wurden alle Vorkehrungen getroffen, damit Baumgartner so schnell wie möglich auf den Platz zurückkehren kann. Die OP folgte schon am Tag danach.

Oft sind es schwere Knieverletzungen, die Fußballer monatelang außer Gefecht setzen. Im Fall von Baumgartner stellt sich die Frage: Wie reißt bei einem Schuss plötzlich eine Sehne? „Das ist einfach nur Pech, in den meisten Fällen erwischt es vorher den Muskel“, sagt ein Sporttherapeut, der täglich mit Fußballern zu tun hat. 

Der KURIER hat auch mit einem Arzt gesprochen, der seit Jahrzehnten mit Kickern und Basketballern zu tun hat. „Bei einem Schuss wirkt die maximale Spannung, man holt aus, das Knie ist gebeugt, der Muskel ist über Knie und Hüfte doppelt gespannt“, erklärt der Mediziner. An Vorschäden glaubt er nicht.

Weil der Muskel bei dieser Bewegung explosionsartig arbeiten müsse, könne die Sehne abreißen. „Sie wird dann wieder am Knochen befestigt, sechs Wochen darf der Muskel nicht angespannt werden, man geht auf Krücken und es dauert fünf bis sechs Monate, bis man wieder vernünftig einsatzfähig ist.“

Wie geht es weiter?

Wann und wo Baumgartner wieder persönlich zu sehen sein wird, ist ungewiss. Ob der Pechvogel noch in die USA reisen wird, um während der WM bei seinen Teamkollegen zu sein, ist ebenso offen. Die ersten Schritte in der Reha macht er noch in Europa.

Offen ist nach wie vor auch, ob noch ein Spieler nachnominiert wird. Dies wäre bis zum Tag vor dem ersten Gruppenspiel gegen Jordanien in Santa Clara möglich. Also bis zum 16. Juni (MESZ). Und bis dahin ist noch eine Menge Zeit.

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