Die Austria erkämpfte sich den Auftakterfolg in Rumänien.

© APA/AFP/DANIEL MIHAILESCU

Europa League
09/15/2016

Auswärtssieg: Austria kennt kein Fernweh

Die Wiener schlugen Giurgiu in Bukarest - allerdings nicht ohne Bauchweh.

von Alexander Strecha

Stell’ dir vor, es ist Europa League und keiner geht hin. Nein, das gilt nicht für die Austria und das Happel-Stadion, sondern für Astra Giurgiu und die National-Arena von Bukarest. Hexenkessel? Keineswegs, viel eher Geisterspiel. Nur 3000 Fans kamen in die große Arena und sahen einen Austria-Sieg.

Die Wiener gewannen somit auch das vierte Auswärtsspiel in der aktuellen Europacup-Saison. Es handelte sich um einen verdienten, aber auch erzitterten Sieg mit durchgemischtem Personal. Trainer Fink hatte schon den Sonntag-Hit gegen Salzburg im Hinterkopf.

In der ersten Hälfte trat Friesenbichler zwei Mal entscheidend in Aktion. Erstens holte er den Elfmeter zum 1:0, verwandelt durch Holzhauser, geschickt heraus, indem er Verteidiger und Goalie düpierte (16.). Zweitens beim 2:1, als er einen traumhaften Pass von Grünwald noch traumhafter in vollem Sprint volley übernahm und ins lange Eck traf (33.).

Dazwischen begingen die Wiener unnötige Fehler und hielten Astra Giurgiu dadurch überhaupt im Spiel. Vor allem beim Ausgleich, als Alibec, der einzige echte Stürmer, völlig ungedeckt den kollektiven Schlaf der Austrianer nutzte (18.). Und auch beim zweiten Gegentor durch Sapunaru, da verlor Rotpuller das Kopfballduell.

Jubeln & zittern

Ein Glück, dass dies nur das 2:3 und nicht der Ausgleich war, weil davor Regisseur Grünwald einen Freistoß wunderschön zum 3:1 versenkt hatte (58.). Er war mit Friesenbichler, der zudem ein Tor auf dem Kopf und mit Goalie Lung den Spielverderber hatte, der beste Austrianer. Der schwächste war Rotpuller, der im Finish die Rote Karte sah.

So wurde eine klare Sache für die Austria absolut unnötig zu einer Zitterpartie um den Auswärtssieg. Es fehlte den Wienern einfach an Routine und Abgeklärtheit, mit der Überlegenheit die Führung über die Zeit zu bringen, stattdessen hauchte man Giurgiu Leben ein. Und hatte bei einem Schuss von Teixeira ebenso viel Glück wie bei einer Attacke an Alibec, die der Schiedsrichter nicht als Elfmeter wertete, und als Hadzikic einen Schuss von Budescu in der Schlussminute parierte.

In Unterzahl nahm das Zittern dann doch ein gutes Ende. Wie hätte man sich ärgern müssen, hätte man dieses Spiel nicht gewonnen.

Astra Giurgiu - Austria Wien 2:3

Bukarest, Arena Nationala, 3.000 Zuschauer, SR Ekberg (Schweden)

Tore: 0:1 (16.) Holzhauser (Foulelfmeter), 1:1 (18.) Alibec, 1:2 (33.) Friesenbichler, 1:3 (58.) Grünwald, 2:3 (74.) Sapunaru

Astra: Lung Jr. - Sapunaru, Alves, Fabricio, Junior Morais - Lovin (46. Nicoara) - Boudjemaa (76. Florea), Budescu, Niculae (46. Seto), Teixeira - Alibec

Austria: Hadzikic - De Paula (37. Larsen), Rotpuller, Filipovic, Salamon - Serbest, Holzhauser - Tajouri, Grünwald, Pires (62. Venuto) - Friesenbichler (82. Kayode)

Rote Karte: Rotpuller (79./Foulspiel)

Gelbe Karten: Junior Morais, Alves, Alibec bzw. Friesenbichler

Friesenbichler: "Es war alles dabei"

Thorsten Fink (Trainer Austria): "In den ersten 60 Minuten haben wir ein sehr gutes Spiel gemacht, wie ich es mir vorstelle. Leider haben nicht mehr so gut weitergespielt, gedacht, wir haben das Spiel gewonnen. Das liegt vielleicht auch an der Unerfahrenheit der Mannschaft. Wir haben den Ball nicht mehr gut gehalten, die Zweikämpfe nicht mehr gewonnen. Schade, dass wir noch einmal so unter Druck gekommen sind, einen Spieler mit Rot verlieren und am Ende noch unentschieden spielen könnten. Da bin ich ein bisschen enttäuscht nach den souveränen Minuten vorher. Wenn man merkt, wenn eine Mannschaft am Boden ist, muss man noch einmal Gas geben, hungrig und geil auf das 4:1 sein. Das fehlt uns, da müssen wir weiter daran arbeiten. Aber wir sind froh, die drei Punkte mitgenommen zu haben. Unser Ziel bleibt weiter der zweite Platz in der Gruppe."

Marius Sumudica (Trainer Astra): "Es war ein schweres Spiel, das wir nicht zu Hause spielen konnten. Für mich war es eine Überraschung, dass so viele gekommen sind. Es waren zwei verschiedene Spielhälften. Zu Beginn haben wir nervös, wir haben nicht gut gespielt. Die zweite Halbzeit war besser von uns auch aufgrund der Wechsel. Der Elfer hätte nicht sein müssen. Danach haben wir ein echtes Champions-League-Tor bekommen, auch der Freistoß war schön. Wir sind zurückgekommen, aber am Ende hat es nicht mehr gereicht."

Kevin Friesenbichler (Torschütze Austria): "Es war alles dabei, Elfer, Ausschluss und viele Tore. In der letzten Viertelstunde haben wir uns das Leben selbst schwer gemacht, aber wir sind sehr froh, dass wir das Spiel gewonnen haben. Die Tabellenführung ist jetzt eine schöne Momentaufnahme, aber nicht mehr. Das 2:1 war schön, es freut mich. Aber jedes Tor zählt nur einmal. Ich habe im Augenwinkel gesehen, dass der Tormann nicht auf der Linie steht."

Alexander Grünwald (Torschütze Austria): "Der Freistoß hat gut gepasst. In der ersten Halbzeit haben wir es gut gemacht, auch bis zum 3:1. Dann haben wir den Faden verloren, es vielleicht schleifen lassen. Das darf nicht passieren. Aber man darf nicht vergessen, das war hier kein Freundschaftsspiel."