Wo Austrias Sportdirektor Wagner mit Talenten "knallhart" sein will

Michael Wagner bei der Austria
Keine Neuverpflichtungen, Fokus auf Talente. Was von diesen verlangt werden soll.

Mit Tomas Zorn als neuer sportlicher Führungsfigur will die Wiener Austria die vor knapp zwei Monaten präsentierte Strategie weiter verfolgen. Seit seiner Bestellung zum Sportdirektor war Michael Wagner erpicht, die Weichen für eine verjüngte Austria samt erhofften Transfereinnahmen zu stellen. Mit dem Wechsel von Rohdiamant Ifeanyi Ndukwe zu Liverpool durfte ein auch prestigeträchtiger Deal fixiert werden. Dem "Jugendwahn" erteilt Wagner aber eine Abfuhr.

"Im Großen und Ganzen bin ich ja bestellt worden, um einen neuen Weg zu gehen", sagt Wagner über seine ersten Wochen im Amt. Eine Neuverpflichtung sucht man im Kader der Profis bisher vergebens, dafür wurden - so der Idealfall - künftige Transferaktien aufgestockt.

Der Vertrag mit dem bereits in der Bundesliga angekommenen Sanel Saljic (20) wurde langfristig verlängert. Jeweils aus Red Bull Salzburgs Nachwuchsschmiede kamen U17-Vizeweltmeister und Linksverteidiger Florian Hofmann (18) und mit Marco Brandt (19) ein ehemaliger Torschützenkönig der U18-Jugendliga (2023/24). Beide sollen bei den Young Violets in der 2. Liga reifen.

Fokus auf U17-Helden

Der Erfolg der ÖFB-U17 sorgte bei der Austria auch in der hauseigenen Nachwuchssparte für Aufsehen. Ndukwes für Sommer anvisierter Sprung auf die Insel ließ nicht nur den 17-Jährigen frohlocken. Die damit verbundenen Millioneneinnahmen lassen Finanzchef Harald Zagiczek durchschnaufen.

Der von Fachleuten ebenfalls hochgelobte Vasilije Markovic soll bleiben und bei der Austria den nächsten Schritt machen. Der Mittelfeldmann hat noch keinen Profivertrag, diesbezüglich schaue es aber "sehr, sehr vielversprechend" aus, wie Wagner anmerkte. Beim ebenfalls noch 17-jährigen Stürmer Hasan Deshishku gestalte sich die Lage "schwieriger". Von Spielerseite gebe es laut Wagner "nicht so die positiven Signale".

Markovic weilte mit Austrias A-Team im Trainingslager in der Türkei. Er hatte erst im Dezember seine ersten Einsätze bei den Young Violets absolviert. Wie schnell es ganz nach oben gehen könnte, bleibt abzuwarten. Wagner bekräftigte, dass der Blick in Zukunft wieder mehr auf Eigengewächse gerichtet werde. Dahingehend musste offenbar auch Überzeugungsarbeit erfolgen. Es gehe innerhalb des Vereins auch darum, "diese Ruhe zu finden, um diesen Weg jetzt auch einmal durchgehen zu können. Da haben wir in den letzten Wochen und Monaten doch einiges zu tun gehabt."

Wagner: "Auch in die Pflicht nehmen"

Ein Freifahrtschein sei das aber nicht. "Wir wollen sie auch in die Pflicht nehmen, einfach diese nächsten Schritte zu setzen. Und wir werden auch knallhart sein mit Entscheidungen, wenn einer von den hochtalentierten Spielern diesen professionellen Weg und den letzten Schritt nicht gehen will oder nur 90 Prozent geben will", bekräftigte Wagner.

Der ehemalige Meisterkicker hatte selbst mit 18 Jahren unter Egon Coordes sein Debüt bei den Profis gegeben. Die aktuelle Austria-Startelf wies im Herbst des Öfteren einen Altersschnitt von über 28 Jahren auf. Ganz ohne Routine werde es auch in Zukunft nicht gehen, merkte Wagner an: "Es wird bei der Austria nicht so sein, dass jetzt nur mehr 17-Jährige am Platz stehen werden. Wir wollen nicht in einen Jugendwahn verfallen."

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