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Sport Fußball
05/26/2021

Auftauchen im Finale: Das ist Villarreal, das gelbe Uboot

Der Klub aus der 50.000-Einwohner-Stadt fordert im Europa-League-Finale von Danzig Manchester United.

von Andreas Heidenreich

Eine Stadt trägt Gelb. Eine kleine Stadt, die 50.000 Einwohner zählt und in der Provinz Castellón am Mittelmeer liegt, 60 Kilometer nördlich von Valencia, deren großer Stolz der ansässige Fußballverein ist. Ein Klub, der nicht auf eine Historie wie die Großen des Landes zurückblicken kann, nicht etwa das Königshaus hinter sich weiß, keine Geldgeber aus dem arabischen Raum und sich dennoch nicht nur hält in den Eliten des spanischen Fußballs, sondern die Giganten auch regelmäßig ärgert. Die Rede ist vom FC Villarreal, der sich anschickt, Manchester United gar in einem Europacupfinale zu fordern (21 Uhr).

Auf der einen Seite der englische Rekordmeister, nach Finanzen der aktuell drittgrößte Fußballklub der Welt mit 711,5 Millionen Euro Jahresumsatz in der jüngsten Rechnung. Auf der anderen ein Klub, der erst 1998 erstmals in die höchste Liga Spaniens aufgestiegen ist und das nur aufgrund der Auswärtstorregel in der Relegation – und überhaupt noch keine Trophäe in seinem Schrank stehen hat.

Finale mit 9.500 Fans

Das „Submarino amarillo“ (gelbes Uboot) hat sich auf den Weg gemacht vom Mittelmeer in die Ostsee, um am Mittwochabend aufzutauchen im Finale der Europa League im schicken polnischen Danzig. 9.500 Fans werden im EM-Stadion von 2012 zugelassen sein und das Endspiel zweier Klubs hautnah mitverfolgen, die die Legende vom Duell zwischen David und Goliath nicht besser verkörpern können.

Eines ist klar: Der fünffache Europapokalsieger aus England, der viel mehr in der Champions League zu Hause ist denn in diesem zweiten, kleineren und oft belächelten Bewerb, kann an diesem Abend nur verlieren.

Ob man den Fehler macht, den Gegner zu unterschätzen? Klar, Villarreal hat die Saison in La Liga „nur“ auf Platz sieben beendet. Doch die Spanier werden angeführt von einem Coach, der genau weiß, wie man Bewerbe gewinnt. Der Baske Unai Emery hat zehn Titel in seiner Vita stehen. Allen voran die drei Triumphe in eben diesem Bewerb. Die Europa League gewann er mit dem FC Sevilla 2014, 2015 und 2016, ehe ihn sein Weg auch nach London zu Arsenal und Paris Saint-Germain führte. „Wir respektieren United, aber ich denke, wir sind dazu fähig, diesen Pokal zu gewinnen“, betonte Emery, dessen Team auf dem Weg ins Finale nicht nur Salzburg eliminiert hat, sondern auch Dynamo Kiew, Dinamo Zagreb und Emerys Ex-Klub Arsenal.

Die Stars der Mannschaft sind Abwehrchef Pau Torres, der zuletzt schon mit Klubs wie Real und Bayern in Verbindung gebracht wurde, und Stürmer Gerard Moreno, der es in der spanischen Liga auf 23 Tore gebracht hat in dieser Saison. Beide Spieler gehören zum EM-Kader von Luis Enrique. Von Real Madrid hat die Barça-Legende keinen einzigen Akteur einberufen.

Gewiefter Präsident

Dass der Klub aus der Provinz trotz seines überschaubaren Umfelds immer wieder von sich reden macht, ist vor allem auf den Einstieg von Präsident Fernando Roig Alfonso Anfang der 2000er-Jahre zurückzuführen. Der 73-jährige Milliardär aus Valencia, der mit Porzellan sein Geld verdient und dessen in Castellon ansässige Firma Pamesa Cerámica seit vielen Jahren das gelbe Trikot ziert, steckt sein Erspartes nicht blind in den Verein. Er hat für Strukturen gesorgt, eines der besten Nachwuchszentren Spaniens errichten lassen und legt Wert auf Nachhaltigkeit und gutes Scouting.

Der Lohn ist nun das erste Europacupfinale in der Vereinsgeschichte. Bisher war vier Mal im Halbfinale – einmal in der Champions- und drei Mal in der Europa League – Endstation.

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