Aufstand in Russland: Spieler wollen keine Gehaltskürzung

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Der Trainer des Champions-League-Teilnehmers Lok Moskau pflichtet seinen Schützlingen im Kampf gegen die Klub-Maßnahmen bei.

Eigentlich ist Lokomotive Moskau wirtschaftlich gut aufgestellt. Der dreifache Fußball-Meister darf einige der größten russischen Unternehmen zu seinen Sponsoren zählen, zudem nahm "Loko" zuletzt zwei Saisonen in Folge an der Champions-League-Gruppenphase teil und sicherte sich somit üppige Einnahmen.

Gerade damit argumentieren die Spieler, warum sie die vom Klub geforderten Gehaltseinbußen nicht akzeptieren wollen. Auf 40 Prozent hätten sie im April und Mai verzichten sollen und damit dem Beispiel der Kollegen von anderen russischen Top-Vereinen wie Zenit St. Petersburg, ZSKA und Spartak Moskau folgen. Doch das sehen die Kicker des beim Saisonabbruch Zweitplatzierten nicht ein. Im Kampf gegen die Maßnahme ihres Arbeitgebers bekommen die Spieler nun Unterstützung von ihrem Trainer.

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Juri Sjomin (Mi.) bei Loks Champions-League-Duell mit Juventus Turin

"Die Spieler haben durch die Champions-League-Qualifikation dafür gesorgt, dass viel Geld in die Klub-Kasse fließt, aus irgendeinem Grund wird das gar nicht bedacht. Es ist unfair, ihnen vorzuwerfen, sie wären gierig und undankbar, weil sie angeblich keine Rücksicht auf den Klubnehmen würden, der sie ernährt. Dies ist ein gemeinsamer Prozess, und es wird eher so sein, dass die Spieler den Klub ernähren und nicht umgekehrt", schrieb Juri Sjomin in seiner Kolumne im Blatt Sport Express

"Dem Fußball sollte jetzt geholfen werden, und zwar nicht, indem das Geld von den Spielern eingesammelt wird. Es ist am einfachsten zu sagen: 'Verzichte auf einen Teil deines Gehalts.' Viel schwieriger ist es, respektvoll mit dem Spieler umzugehen", kritisiert der 72-jährige Trainerfuchs und ruft in Erinnerung, dass von Spielergehältern viele Menschen unterhalten werden.

"Manchmal sind es, wie bei unseren Brasilianern, große Familien. Söhne, Brüder, Cousins und alle anderen hängen davon ab, wie viel ihnen unser Spieler schicken wird. Die meisten unserer russischen Spieler kommen aus ärmlichen Verhältnissen, ihre Liebsten sind arbeitslos. Vergesst nicht, dass ganze Familien auf diese Gehälter angewiesen sind." 

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