NEUER SK RAPID - PRÄSIDENT: BRUCKNER

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Sport Fußball
03/07/2020

Auffällig unauffällig: Die ersten 100 Tage von Rapid-Boss Bruckner

Martin Bruckner hat in der ersten Phase seiner Amtszeit vor allem klubintern gewirkt. Der Wahlkampf wirkt noch nach.

von Alexander Huber

Seit mittlerweile vier Jahren und neun Monaten wartet Rapid auf einen Liga-Sieg im Lavanttal: 2015 gab es ein 5:0 gegen den WAC. Gewonnen wurde danach nur noch im Cup, 2018 gab es – bereits unter Trainer Didi Kühbauer – ein 3:0. Zum Schluss des Grunddurchgangs ist am Samstag ein Punkt die Mindestanforderung.

Damit würde bei der Punktehalbierung Platz drei verteidigt werden – und Martin Bruckner als Präsident ungeschlagen bleiben: „Das sollten wir beibehalten.“

In den ersten 100 Tagen im Amt freute sich der Krammer-Nachfolger über vier Siege und zwei Remis. Weil der 55-Jährige auffallend uneitel ist, spricht Bruckner öffentlich aber nur darüber, wenn er ausdrücklich darum gebeten wird.

„Meine erste Botschaft nach der Wahl war: Reden, reden, reden. Das halte ich auch ein“, erklärt er im KURIER-Gespräch den Unterschied zwischen medialer und tatsächlicher Realität. Die alte Regel von Ex-Boss Rudolf Edlinger (der Präsident muss pro Woche 20 Stunden für Rapid einplanen) hält er ein: „Vieles davon passiert am Abend.“

NEUER SK RAPID - PRÄSIDENT: BRUCKNER

Wahlkampf-Nachwehen

Seine Einschätzung der Lage in Grün: „Der Wahlkampf wirkt nach, aber die Nachwehen werden immer geringer. Ich habe mich mit Roland Schmid (Gegenkandidat, Anm.) ausgetauscht, wir sind in laufenden Gesprächen mit Michael Tojner und die Gräben sind generell nicht so, dass nichts geht.“ Bruckner betont, dass „auch Ideen von anderen Gruppen aufgenommen“ wurden.

Zoran Barisic überraschte zuletzt mit einem Appell, rund um Rapid nicht alles schlechtzureden. Des Sportchefs Hauptadressaten waren jene, die auch nach der Präsidentenwahl in Opposition geblieben sind. Bruckner: „Generell hoffe ich, dass wir uns wieder mehr über Erfolge freuen können. Etwa, wenn wir so viele Punkte holen wie zuletzt 2010.“

Zu den ersten Akzenten meint der Vorstand der Allianz-Investmentbank: „Wir gehen aktuell kleine Schritte auf einem begonnenen, längeren Weg. Wichtig ist, dass wir die versprochene Kontinuität auch einhalten. Unsere Ziele sind nicht situationselastisch. Mit Dibon wurde ein Leistungsträger gebunden, mit Arase ein Talent, das zum Stammspieler wurde. Genau das ist unser Weg.“ Ohne Zwischenrufe vorangehen darf Barisic: „Zoki ist der Garant dafür, dass alles, was intern besprochen wird, auch umgesetzt wird.“

Dietmar Kühbauer und Zoran Barisic

Den beiden Geschäftsführern für Sport und Wirtschaft ist aufgefallen, dass sie unter dem neuen Präsidium ihre Geschäfte auch tatsächlich führen. Selbst wenn es Bruckner nie zugeben würde, hat sich die Unternehmenskultur verändert. Was es in Hütteldorf immer geben wird, sind Gerüchte. So wie aktuell über eine angebliche finanzielle Schieflage. Bruckner entgegnet unaufgeregt: „Wir haben ein stabiles Fundament. Wie bereits bei der Präsentation des aktuellen Geschäftsberichts angekündigt, werden wir auch das laufende Geschäftsjahr mit einem Gewinn abschließen. Ein weiterer Gewinn in einer Saison ohne Europacup ist doch das beste Signal dafür, dass wir nicht in einer Situation der Sorge sind.“

Das Streitthema

Messen lassen müssen wird sich Bruckner am Ausbau des Nachwuchszentrums, dem größten Streitthema im Wahlkampf: „Es hakt nirgends. Wir sind im Prozess der Genehmigungen.“ Parallel werden verschiedene Finanzierungsoptionen geprüft. „Wir haben das Funktionsgebäude im Prater gekauft und nutzen es. Es ist gut, dass die Spieler abseits des Trainings dort mehr Zeit als früher miteinander verbringen können.“