FILES-FBL-FRANCE-ZIDANE

© APA/AFP/GABRIEL BOUYS / GABRIEL BOUYS

Sport Fußball

Nach Attacken: Frankreichs Fußball-Präsident stolpert über Zidane

Noël Le Graët hatte sich der Fußball-Legende gegenüber respektlos geäußert. Nun zieht er sich vorerst zurück.

von Günther Pavlovics

01/11/2023, 03:10 PM

„Noël Le Graët hat in Übereinstimmung mit dem Exekutivkomitee des FFF, das heute in Paris zusammenkam, beschlossen, sich von seinen Aufgaben als Präsident des Verbandes zurückzuziehen“, heißt es in einer Mitteilung des französischen Verbands.

Fisch und Meeresfrüchte sind die Spezialität der Firma von Noël Le Graët. Was der 81-jährige Selfmade-Unternehmer zuletzt in seiner Funktion als Präsident des französischen Fußballverbandes gesagt hat, war tatsächlich für die Fisch’.

Bis dato ging es mit und für Graët in seiner Amtszeit seit 2011 bergauf. 2016 verlor Frankreich bei der Heim-EM das Finale gegen Portugal 0:1. 2018 wurde Frankreich Weltmeister. Deschamps überlebte danach das Achtelfinal-Aus gegen die Schweiz bei der EM 2021. Bei der WM 2022 verlor man das Finale erst mittels Elfmeterschießen.

Eigentlich hätte die Ära von Deschamps mit der WM zu Ende gehen sollen. Doch der 54-Jährige verlängerte seinen auslaufenden Vertag am Samstag bis zur WM 2026. Und das, obwohl die Medien schon Zinédine Zidane als Teamchef gesehen hatten. Auch die Fans lieben „Zizou“, den ehemaligen Superstar, der seit seinem Aus bei Real Madrid seit Sommer 2021 arbeitslos ist. Doch dann leistete sich Graët einen Fauxpas, indem er über Zidane redete wie über eine Kiste abgelaufener Meeresfrüchte.

In einem Gespräch bei dem Sender RMC Sport sagte Graët über ein mögliches Engagement Zidanes als Teamchef von Rekordweltmeister Brasilien: „Er kann hingehen, wohin er will.“ Hätte Zidane, der als Trainer mit Real Madrid immerhin drei Mal die Champions League gewann, versucht ihn anzurufen, wäre er nicht mal rangegangen, sagte der FFF-Chef. „Ich habe ihn nie getroffen. Es ist mir egal, was er jetzt macht. Das betrifft mich nicht.“

Respektlos gegen ZZ

Angesichts dieser Majestätsbeleidigung regte sich Kritik. Real Madrid meinte, es war „respektlos gegenüber einer der größten Legenden des Weltsports“. Teamspieler Kylian Mbappé: „Zidane ist Frankreich. Man missachtet eine Legende nicht so“, schrieb der Stürmer auf Twitter.

Auch die Politik mischte sich ein. Regierungssprecher Olivier Veran meinte, der französische Fußballverband „verdient einen Präsidenten, der der Aufgabe gewachsen ist“. „Es gibt noch andere Dinge, die hinzukommen. Das Fass läuft über“, so Veran. Die FFF brauche „einen Präsidenten, der es ermöglicht, dem französischen Fußball in der ganzen Welt ein gutes Image zu verleihen.“

  • Didier Deschamps ist seit 9. Juli 2012 Teamchef in bisher 138 Länderspielen
  • Laurent Blanc war von 1. Juli 2010 bis 22.. Juni 2012 in 27 Länderspielen der Cheftrainer
  • Raymond Domenech war von 12. Juli 2004 bis 22. Juni 2010 in 79 Länderspielen Teamchef
  • Jacques Santini war von 17. Juli 2002 bis 30. Juni 2004 in 28 Spielen oberster Übungsleiter
  • Roger Lemerre war von 28. Juli 1998 bis 5. Juli 2002 in 53 Spielen der Chefcoach
  • Aime Jacquet war von 17. Dezember 1993 bis 27. Juli 1998 Teamchef und wurde Weltmeister

Auch die Sportministerin sah sich zu einer Stellungnahme veranlasst. „Ein Präsident des ersten Sportverbandes Frankreichs darf so etwas nicht sagen“, schrieb Amélie Oudéa-Castéra und sprach von einem „schändlichen Mangel an Respekt, der uns alle verletzt“. Sie soll eine der treibenden Kräfte hinter seiner nun erfolgten Ablösung sein. Vorwürfe der sexuellen Belästigung, die Gegenstand einer von der Sportministerin veranlassten Untersuchung sind, erschweren die Lage für Graët.

Gegenüber L’Équipe berichtete zuletzt die Fußballagentin Sonia Souid von zahlreichen Vorfällen sexueller Belästigung von 2013 bis 2017. Die 37-jährige ehemalige Volleyballspielerin engagiert sich auch für die Entwicklung des Frauenfußballs. Graët macht immer eindeutigere Andeutungen. „Mein Präsident sieht mich als zwei Brüste und einen Arsch. Für mich muss mein Präsident ein Vorbild sein. Und das war er nicht“, sagte Souid.

Wir würden hier gerne ein Login zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Liebe Community,

Mit unserer neuen Kommentarfunktion können Sie jetzt an jeder Stelle im Artikel direkt posten. Klicken Sie dazu einfach auf das Sprechblasen-Symbol rechts unten auf Ihrem Screen. Oder klicken Sie hier, um die Kommentar-Sektion zu öffnen.

Nach Attacken: Frankreichs Fußball-Präsident stolpert über Zidane | kurier.atMotor.atKurier.atKurier.atFreizeit.atFilm.atImmmopartnersuchepartnersucheSpieleCreated by Icons Producer from the Noun Project profilkat