Bei Rapid liegen nach dem Rückschlag auf internationaler Ebene die Nerven blank.

© APA/HERBERT NEUBAUER

Analyse
08/30/2014

Die Gründe für die Rapid-Krise

Nach dem Aus im Europacup ist Rapid bereits seit sechs Spielen sieglos. Wie konnte es so weit kommen?

von Alexander Huber

So niedergeschlagen wie noch nie in der 17-monatigen Ära von Trainer Zoran Barisic versammelten sich die Rapidler nach einer kurzen Nacht am Freitag zum Training. Das mit dem 3:3 gegen Helsinki verbundene Aus in der Europa League wirft den gesamten Verein in der Zukunftsplanung weit zurück. "Der Stachel sitzt sehr tief", gesteht Barisic.

Doch bereits morgen kommt Angstgegner Grödig (noch kein Sieg in vier Duellen) ins Happel-Stadion. "Wir haben uns selbst unter Druck gebracht. Die Situation ist kritisch", sagt Andreas Müller. Der Sportdirektor betont aber auch nach dem größten Tiefschlag: "Ich habe vollstes Vertrauen zum Trainerteam und den Spielern."

Rapid in der Krise – wie konnte es so weit kommen? Eine KURIER-Analyse mit sechs Gründen für sechs Spiele ohne Sieg:

Spielanlage Rapid kommt auf rund 60 Prozent Ballbesitz, aber nur zu wenigen Großchancen, weil (abgesehen vom Beginn gegen Helsinki) das Tempo und der Zug zum Tor fehlen. Sofern der Gegner kompakt steht, kann mit einer massiven Defensive den Rapidlern relativ leicht der Zahn gezogen werden. Die von Trainer Barisic oft beschworene "Dominanz" gleicht einer brotlosen Kunst, da Ballbesitz allein eben keine Tore schießt.

Zeitdruck Wirklich erfolgreich kann der an das Tiki-Taka angelehnte Spielstil nur sein, wenn alle auf dem Feld genau wissen, wohin die vielen kurzen Pässe gespielt werden sollen. Zentrale Figuren wie Beric oder Kainz konnten aber erst knapp vor oder nach dem Saisonbeginn verpflichtet werden. "Wir brauchen noch Zeit", klingt nach einer Ausrede, ist aber eine bei den Ansprüchen in Hütteldorf besonders ungern gehörte Tatsache.

Transferpolitik Die Abgänge von vier Leistungsträgern waren aufgrund der Vertragsgestaltung kaum zu verhindern. Immerhin hat Müller so gut verhandelt, dass der Netto-Gewinn bei Boyd nach dem ersten Angebot um fast eine Million erhöht wurde. Die Neuen sind im Schnitt sogar talentierter – aber nach einem zu einheitlichen Raster ausgesucht: jung, technisch stark, charakterlich brav. Die Beißer-Mentalität von Kämpfern wie Boyd, Trimmel und Burgstaller fehlt jetzt. Nun dämmert das auch der sportlichen Führung. Barisic: "Uns fehlt das Böse." Müller: "Mir geht das Dreckige ab."

Kopfballschwäche Mit Boyd ging der beste Kopfballspieler der Liga verloren. Zusätzlich zu seinen Treffern hat er bei Eckbällen gegen Rapid an der ersten Stange dominiert – dort, wo Schwab gegen HJK das Kopfballduell vor dem 2:1 verloren hat. Auch Trimmel und Sabitzer sind mit dem Kopf sehr gut. Neuzugang Beric ist 1,88 Meter groß – wuchtet seinen Körper aber kaum dorthin, wo es wehtut. Nicht umsonst wurde bei der Verpflichtung von Stangl dessen Kopfballstärke betont. Doch sein Linksverteidiger-Konkurrent Schrammel ist als bisher Konstantester nicht zu verdrängen.

Routinemangel "Wir waren nur ein paar Mal nicht abgebrüht genug", haderte Barisic nach dem 3:3. Müller meint: "Es fehlt noch die Erfahrung." Das kommt beim Spiel des Jahres mit acht für die U 21 spielberechtigten Talenten im 18-Mann-Kader aber nicht überraschend. Schwab ist mit 23 der älteste der acht Neuen. Wenn Hofmann nicht mehr 90 Minuten durchhält – was immer öfter vorkommt – gehen Ruhe und Struktur verloren. Petsos ist mit der angedachten Führungsrolle überfordert. Zumindest ein neuer Routinier hätte dem Team gut getan.

Glück"Eigentlich wollen wir den Faktor Glück ausschließen", sagt Barisic, tatsächlich fehlt aber auch das Spielglück. So wie beim 0:1 gegen Altach, durch den einzigen Torschuss der Gäste – nach einem Abseits. Während Rapid zuvor ein Elfmeter vorenthalten wurde, wofür sich später sogar der Schiedsrichter bei Barisic entschuldigte. Auch Ex-Rapidler Heikkinen betonte das "große Glück von Helsinki". Bei einem Gegner dieser durchschnittlichen Qualität ist es ungewöhnlich, also unglücklich, aus nur acht Chancen in 180 Minuten fünf Gegentore zu bekommen.

Dazu kommt das Pech, dass nach Schimpelsberger und Alar mit Behrendt (Mittelfußknochenbruch) die dritte Stammkraft bis in den Winter ausfällt. Der Deutsche hielt sogar noch 15 Minuten nach dem Bruch durch. Barisic trotzig: "Meinen Spielern muss man beide Beine brechen, damit sie rausgehen."

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