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Fußball
05/27/2019

Alfred Hörtnagl: "Das ist so nicht möglich"

Der General Manager von Wacker Innsbruck bastelt an einer neuen Mannschaft und will den Schuldenberg abtragen.

von Christoph Geiler

Für den harten Kern der Wacker-Fans ist die Schuldfrage längst geklärt. "Mission 2020?  Ali, pack die Sense ein", war auf dem riesigen Transparent zu lesen, das sie am Samstag auf der Nordtribüne entrollten. Sie schieben nach dem Abstieg den schwarzen Peter General Manager Alfred Hörtnagl zu, der als Spieler und Raubein seinerzeit noch der erklärte Liebling der Anhänger gewesen war. "Ali, pack die Sense aus", war einer der bekanntesten Schlachtrufe, die im Innsbrucker Stadion zu hören waren.

Es wäre aber zu einfach und außerdem nicht fair, die Verantwortung für das Scheitern jetzt allein Alfred Hörtnagl in die Schuhe zu schieben. Natürlich, die mutige Entscheidung für Trainer Thomas Grumser hat sich im nachhinein als Fehler heraus gestellt, andererseits hat Hörtnagl in seiner Amtszeit durchaus großes Verkaufstalent unter Beweis gestellt und durch lukrative Spielerabgänge (Eler, Lercher, Tekir, Jamnig, Baumgartner, Vallci) mehr als zwei Millionen Euro generiert.

"Ohne diese Transfererlöse würde es den Verein heute nicht mehr geben", stellt Alfred Hörtnagl klar. "Aber diesen Überlebensmodus kann man nur für einen kurzen Zeitraum haben. Auf Dauer funktioniert dieses Modell nicht, weil man irgendwann den ganzen Verein aushöhlt und keine gesunde Basis mehr hat."

So bitter der Abstieg für den FC Wacker auch ist, selbst im Falle des Klassenerhalts wäre das Weiterwurschteln garantiert gewesen, denn die Innsbrucker hätten den ohnehin schon geringen Etat weiter kürzen müssen. "Es hätte uns wieder eine Million gefehlt, um ein niedriges Sportbudget auszufinanzieren", erklärt Hörtnagl. "Das ist so nicht möglich."

Der General Manager versucht nun eine Mannschaft zusammen zu stellen, die nächste Saison in der zweithöchsten Spielklasse halbwegs konkurrenzfähig sein kann. Das Gros werden junge Spieler bilden, die jetzt bei Wacker II in Liga zwei am Ball sind, immerhin besitzen fast alle Jungprofis laufende Verträge. "Wir werden uns neu positionieren und junge Fußballer ausbilden", sagt Hörtnagl. "Uns bleibt aber auch nichts anderes übrig.

Parallel dazu versucht der FC Wacker, noch den einen oder anderen Spieler mit langfristigem Vertrag an den Mann zu bringen. Die Innsbrucker drücken aus der Vergangenheit noch 450.000 Euro Altlasten, die in der zweiten Liga nur sehr schwer abzubauen sind. "Das ist meine Aufgabe, dass wir vielleicht noch  Transfererlöse erzielen, damit wir die Sache dann wirklich auf Null stellen können. Ich will einen Verein übergeben, bei dem die Mannschaft steht und die Finanzen passen", so Hörtnagl, der nach diesem Sommer den Verein wohl verlassen wird.

Die Kritik an seiner Person ist dem Wipptaler natürlich nicht verborgen geblieben. "Es ist klar, dass das nicht angenehm ist. Aber meine Person ist in der jetzigen Situation nicht entscheidend. Es geht darum, einen Neuanfang zu machen. Wie auch immer der aussieht, das hängt auch von den Gesprächen der nächsten Tage ab."

Aber ganz egal, wie groß die Unterstützung der Politik und der so überlebenswichtigen landesnahen Sponsoren am Ende auch ausfallen wird, vor zwei Sachen warnt Alfred Hörtnagl: Vor zu großer Erwartungshaltung und zu großer Eile. Das Ziel Wiederaufstieg, so sein Ratschlag, solle der FC Wacker erst dann in Angriff nehmen, "wenn eine gesunde Basis da ist. Sonst ist man sofort wieder in dem gleichen Fahrwasser drinnen."

 

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