Sport | Fußball
26.08.2018

Adi Hütter: „Mir war klar, dass es schwer wird“

Der Vorarlberger spricht über seinen neuen Job bei Eintracht Frankfurt und seinen Reifeprozess als Trainer.

Auch nach den Abgängen von Peter Stöger (Köln, Dortmund) und Ralph Hasenhüttl (Leipzig) ist Österreich mit einem Trainer in der deutschen Bundesliga vertreten. Adi Hütter trat im Sommer bei Eintracht Frankfurt die Nachfolge von Niko Kovac an, der zu Rekordmeister Bayern München gewechselt ist.

Der 48-jährige Vorarlberger hat bereits eine turbulente Anfangsphase hinter sich. Erst ein 0:5-Debakel im Supercup gegen die Bayern, danach das blamable Cup-Aus gegen den Viertligisten Ulm (1:2). Zumindest in der Meisterschaft feierte Adi Hütter am Samstag einen perfekten Einstand, Eintracht Frankfurt gewann zum Auftakt in Freiburg mit 2:0. Damit kehrt beim Traditionsverein wieder etwas Ruhe ein.

KURIER: Hatten Sie erwartet, dass der Start in Frankfurt holprig verlaufen würde? Adi Hütter: Ich hätte mir vor allem natürlich einen anderen Start erhofft. Man muss ja sagen, dass man gegen die Bayern schon auch einmal ein Spiel verlieren kann. Aber sicher nicht auf diese Art und Weise. Da haben Bereitschaft und Mentalität gefehlt. Das Ausscheiden im DFB-Pokal in Ulm ist mir völlig unverständlich. Das darf so nicht passieren. Aber das ist alles Vergangenheit, entscheidend ist, dass wir die richtigen Schlüsse daraus gezogen und rechtzeitig in die Spur gefunden haben.

Bei der Eintracht wurde im Sommer ein großer Umbruch vollzogen. War insofern nicht schon damit zu rechnen, dass das Werkl zu Beginn noch nicht richtig laufen würde?

Für mich ist das keine Überraschung. Mir war immer klar, dass es schwer wird. Einige Schlüsselspieler haben den Verein verlassen, und mit den vielen neuen Spielern braucht man Geduld und Zeit. Auch die Änderung der Spielphilosophie ist eine große Herausforderung. Zugleich ist mir aber auch bewusst, dass wir uns nicht jeden Tag damit beschäftigen können, was und wer Zeit braucht. Es geht nur darum, dass wir Schritt für Schritt täglich besser werden. Für mich persönlich ist jeder Tag eine Herausforderung, das reizt mich auch – und ich nehme diese Herausforderung auch gerne an.

Sie wirken sehr ruhig und analysieren die Situation sehr sachlich. Täuscht der Eindruck?

Ich habe heute ganz sicher meine Emotionen besser im Griff, das hat mit den zehn Jahren Trainertätigkeit zu tun. Als junger Trainer reagiert man oft zu emotional. Ich habe jedenfalls die Erfahrung gemacht, dass Sachlichkeit und Ruhe mehr Wirkung erzielen. Das heißt jetzt aber nicht, dass ich innerlich immer ruhig bin.

Sie hätten mit Ihrem Ex-Klub Young Boys Bern auch die Chance gehabt, sich für die Champions League zu qualifizieren. Hätte Sie diese Aufgabe denn nicht gereizt?

Natürlich wäre auch das reizvoll gewesen, gar keine Frage. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass ich meine Mission in Bern erfüllt habe. Als dann das Angebot aus Frankfurt gekommen ist, von so einem tollen Traditionsverein, habe ich nicht lange zögern und überlegen müssen.

Was macht die Faszination von Eintracht Frankfurt aus?

Frankfurt ist eine pulsierende Stadt, eine Stadt, die viel Energie hat, und das überträgt sich auch auf die Eintracht. Alleine die Zuschauerzahlen sagen ja schon alles: Die Heimspiele sind mit knapp 50.000 Zuschauern so gut wie immer voll. Für die Europa-League-Gruppenphase sind schon alle Karten verkauft. Dabei kennt man noch nicht einmal unsere Gegner. Ich glaube, das ist in Europa fast einzigartig.

Was ist für Sie als Trainer im Moment die größte Umstellung in Frankfurt?

Sicher die Arbeit mit den Medien. Das Medieninteresse ist enorm, und das zeigt auch gleichzeitig, wie groß das Interesse an der Eintracht ist. Bei jedem öffentlichen Training sind zehn Journalisten vor Ort, die Pressekonferenzen werden regelmäßig von 20 bis 40 Journalisten, Fotografen und Kamerateams besucht. Täglich erscheinen unzählige Seiten über die Eintracht in den Medien. Ich versuche natürlich, auch in diesem Bereich professionell zu arbeiten und viel Zeit zu investieren. Das ist mir auch sehr wichtig.

Wären Sie nach dem Doublegewinn 2015 mit Salzburg schon bereit für die deutsche Bundesliga gewesen, oder hat es die drei Saisonen und die Erfolge in Bern gebraucht?

Nach Salzburg wäre es definitiv zu früh gewesen. Der Schritt in die Schweiz war goldrichtig. Denn die drei Jahre in Bern haben mich reifen lassen. Man darf ja eines nicht vergessen: Ich habe dort über 130 Spiele als Trainer gemacht, davon 20 internationale Partien. Da gewinnt man viel Erfahrung.