30 Jahre nach dem 3:0: Das wurde aus den Europacup-Helden von Rapid

Von Erfolgstrainern und Autoverkäufern: Vor 30 Jahren schaffte Rapid mit dem 3:0 gegen Feyenoord den Einzug ins Europacup-Finale. Was wurde aus der Truppe?
Carsten Jancker jubelte gegen Feyenoord, auch Gratulant Stumpf traf

Am 18. April 1996 spielte Rapid eine der besten Halbzeiten der Vereinsgeschichte. Nach dem 1:1 in Rotterdam gegen Favorit Feyenoord mit Stars wie Ronald Koeman, Giovanni van Bronckhorst oder Henrik Larsson folgte im ausverkauften Happel-Stadion das Halbfinal-Rückspiel im „Cup der Cupsieger“.

Nach nur 35 Minuten stand das Endergebnis von 3:0 fest, Carsten Jancker mit einem Doppelpack und Christian Stumpf hatten für ein furioses Rapid-Team getroffen.

Startelf vom 3:0 auch im Finale 

Ungewöhnlich: Exakt jene Elf stand am 8. Mai auch im Finale gegen PSG in der Startelf. Die bislang letzte Chance eines Bundesligisten auf einen österreichischen Europacup-Sieg ging in Brüssel bekanntlich mit 0:1 verloren.

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Ebenso ungewöhnlich: Die Dichte an späteren Entscheidungsträgern in Österreichs Fußball ist extrem hoch. Viele Spieler meinen, dass das auch am ungewöhnlichen Stil von Ernst Dokupil lag.

Der Erfolgstrainer setzte auf eine extrem lange Leine und sorgte so auch dafür, dass sich die Kicker vieles im Kader selbst regelten sowie angehalten waren, sich schon früh mehr Gedanken als über das nächste Spiel zu machen.

Legenden und ihre Jobs

Was wurde aus dieser Mannschaft?

Der KURIER hat 30 Jahre danach den Überblick:

Michael Konsel, 64 Jahre

Der Tormann ist einer der wenigen Österreicher, der in zwei Europacup-Finale (1985 gegen Everton) spielte. Der damalige Kapitän schaffte es 1997 zu AS Roma und stand bei der WM 1998 im Tor.

Trifon Ivanov, verstorben 2016

Der legendäre Libero brachte sogar Stoiker Dokupil öfters auf die Palme. 1997 wurde der Bulgare rausgeworfen, mit 50 Jahren starb der WM-Dritte 1994 im Jahr 2016 an einem Herzinfarkt.

Michael Hatz, 55

Der Verteidiger schaffte es vom Stammklub in die Serie A und ist seit 2022 im Rapid-Präsidium. Der Mitarbeiter des Sportland NÖ schrieb übers „magische Jahr 1996“ ein Buch.

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Peter Schöttel, 59

Der ÖFB-Sportdirektor war bis zu Steffen Hofmann der Rekordspieler der Hütteldorfer und auch als Trainer sowie Sportdirektor für Rapid tätig.

Peter Guggi, 58

Der Dauerläufer machte mit seinem Weitschuss zum 1:0-Sieg gegen Leoben (der bislang letzte Cuptitel!) die Europacup-Sensation erst möglich. Ansonsten meist auf der rechten Außenbahn zu finden, verteidigte der heutige Autohändler gegen den Dreiersturm von Feyenoord links hinten – gegen den späteren Rapidler Gaston Taument.

Andreas Heraf, 58

Unter Dokupil zum Sechser weiterentwickelt, spielte der heutige Bregenz-Trainer wegen der Systemumstellung rechts im Mittelfeld und flankte von dort zu Janckers Traumtor per Volley. Mit dem Posten als Technischer Direktor der Frauen von Neuseeland (2017) gab es die am weitesten entfernte Aufgabe für einen der legendären Truppe.

Didi Kühbauer, 55

Der Spielmacher rückte nach der Verpflichtung von Peter Stöger 1995 eine Reihe zurück, das Duo harmonierte prächtig. Der erfolgreiche LASK-Coach wird wohl auch bei künftigen Trainerbestellungen ein heißes Thema für eine Rückkehr nach Hütteldorf sein.

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Peter Stöger, 60

Soeben feierte der Wiener, der mit der Austria wie mit Rapid legendäre Erfolge schaffte, seinen runden Geburtstag. Als Rapid-Trainer folgten nach dem Rekordstart ein Einbruch und das Aus im November 2025.

Stephan Marasek, 56

Das Mitglied der „Daltons“-Spaßcombo (mit Kühbauer, Barisic und Mandreko) schaffte es mit seinen Flankenläufen mit links zu Freiburg. Nach der Karriere folgte der Umzug nach Tirol und der Wechsel in den Weinhandel.

Carsten Jancker, 51

Da der Deutsche die „Daltons“ schon kannte, dachte der Stürmer bei einem Anruf von Franz Beckenbauer an einen Gag von Barisic. Tatsächlich riefen nach nicht einmal einem Jahr die Bayern, weil (teilweise mit Turban) viele Goldtore gelangen. Gegen Feyenoord der Ausgleich zum 1:1 in Rotterdam und im Prater ein Doppelpack zum 3:0.

Heute trainiert der Vizeweltmeister von 2002 in Oberösterreich ASKÖ Oedt.

Carsten Jancker von SK Rapid Wien jubelt nach dem ersten Tor während des Europapokals.

Christian Stumpf, 59

Der „Büffel“ rettete Rapid gegen Sporting Sekunden vor dem Aus mit dem 2:0 in die Verlängerung (4:0 n. V.) und traf auch beim 3:0. Als Trainer gab es Aufgaben im OÖ-Amateurbereich, jetzt ist der zweifache Teamstürmer (ein Tor) in der Logistik tätig.

Rene Haller, 52

Der Verteidiger wurde in Minute 86 eingewechselt. Nach 37 Einsätzen für Rapid folgte eine Karriere in der 2. Liga, dann eine im Bankwesen (Unicredit).

Sergej Mandreko, verstorben 2022

Der Tadschike kam ebenfalls in Minute 86. Der Mittelfeldspieler wechselte 1997 nach fünf Jahren bei Rapid zur Berliner Hertha. Als Trainer beim Wiener Verein LAC Inter wurde 2017 bei Mandreko ALS diagnostiziert. Um die Behandlung zu finanzieren, liefen die alten Freunde bei Benefizspielen ein. 2022 erlag er 50-jährig der unheilbaren Nerven-Krankheit.

Ohne Einsatz beim 3:0, aber im Finale dabei:

Zoran Barisic, 55

Gegen PSG spielte der Freistoßkönig die zweite Hälfte im Endspiel, am Weg zum Meistertitel 1995/’96 gelangen bemerkenswerte acht Ligatore. Nach dem Trainer-Aus bei Rapid Ende 2023 lehnte der Wiener einige Angebote ab, wäre aber noch für ein Comeback im Profifußball zu begeistern.

Weiters im Saison-Kader mit damals nur 20 Mann: Raimund Hedl, Roman Pivarnik, Patrick Jovanovic, Maciej Sliwowski, Oliver Lederer und Sascha Bürringer.

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