Ex-ÖFB-Goalie Manninger ist tot: Ein stiller Mann von Welt

Österreichs ehemaliger Teamtorhüter Alexander Manninger kam bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Er spielte auf den größten Fußballbühnen und wurde in der Heimat verkannt – beschwert hat er sich nicht. Ein Nachruf.
Manninger (Mitte) mit Chiellini und Del Piero (re.)

Der österreichische Fußball verliert eine große Persönlichkeit: Alexander Manninger ist tot. Mit ihm geht ein Torhüter, der über Jahre hinweg auf höchstem internationalem Niveau bestand – und dessen Karriere doch stets von einem leisen Widerspruch begleitet wurde: der großen Anerkennung im Ausland und der vergleichsweise zurückhaltenden Wertschätzung in der Heimat.

Geboren 1977 in Salzburg, führte Manningers Weg früh hinaus in die weite Fußballwelt. Seinen internationalen Durchbruch erlebte er in London. Beim FC Arsenal, wo er Ende der 1990er-Jahre unter Startrainer Arsene Wenger in eine der besten Mannschaften Europas hineinwuchs. In der Saison 1997/’98 sprang er in sieben aufeinanderfolgenden Partien für den verletzten englischen Teamgoalie David Seaman ein – und überzeugte auf Anhieb. Mit bemerkenswerter Ruhe hütete er das Tor der „Gunners“, blieb alle sieben Partien ungeschlagen und hatte maßgeblichen Anteil am Gewinn von Meisterschaft und FA Cup. Es war ein historisches Double – und Manninger mittendrin, als verlässlicher Rückhalt in einer Startruppe mit Spielern wie Dennis Bergkamp, Nicolas Anelka, Patrick Vieira oder Marc Overmars. Diese Zeit prägte seinen Ruf als internationaler Top-Torhüter.

Blütezeit in Italien

Es folgten Stationen in Italien, unter anderem bei Juventus Turin, wo er sich erneut in einem Umfeld höchster Ansprüche bewährte. In der Serie A stellte er seine Klasse über Jahre hinweg unter Beweis. Er spielte bei Siena, Fiorentina, Bologna und Torino und kam auf 137 Partien in der italienischen Topliga.

Manninger war nie der Lauteste, nie der Spektakulärste – aber einer, auf den man sich verlassen konnte.

Gerade dieser stille Stil mag ein Grund gewesen sein, warum ihm in Österreich oft jene Anerkennung verwehrt blieb, die ihm international selbstverständlich entgegengebracht wurde. Während er im Ausland Seite an Seite mit Weltstars spielte und sich in den größten Ligen Europas behauptete, musste er im Nationalteam immer wieder um seinen Platz kämpfen. Die Konkurrenz war groß, die Diskussionen oft intensiv – und nicht selten fiel die Entscheidung gegen ihn.

Besonders schmerzlich für den Salzburger verlief die EURO 2008. Ausgerechnet beim Heimturnier musste Manninger hinter Jürgen Macho zurückstehen. Eine Entscheidung, die damals für Diskussionen sorgte und sinnbildlich für seine schwierige Rolle im Nationalteam steht. Während er international längst etabliert war, blieb ihm die unumstrittene Nummer eins im österreichischen Tor verwehrt.

Affront in Belgrad

So war es auch noch ein Jahr nach der EM gewesen. Im Juni 2009 musste Manninger im Team gegen Serbien auf der Bank sitzen, nachdem er zuvor bei Juventus monatelang den verletzten Gianluigi Buffon vertreten hatte. Anstelle von Manninger durfte damals Michael Gspurning das Tor hüten. Der heutige Tormanntrainer des Nationalteams war damals Legionär bei Skoda Xanthi in Griechenland. Diese Entscheidung des damaligen Teamchefs Didi Constantini dürfte das Fass für Manninger zum Überlaufen gebracht haben.

Die darauffolgende Einberufung im September 2009 schlug Manninger aus. „Ich habe ihm gesagt, dass er beim nächsten Spiel im Tor stehen wird. Darauf hat er geantwortet, dass er nie wieder im Team spielen wird“ – so teilte Constantini den Rücktritt des damals 32-Jährigen mit. Manninger selbst schwieg und war für österreichische Journalisten so gut wie nie erreichbar.

Manninger galt unter Kollegen als Vorzeigeprofi und stellte sich stets in den Dienst der Mannschaft. Dies tat er bis zuletzt im Ausland, beim FC Augsburg (2012 bis 2016) und schließlich noch einmal in England. Jürgen Klopp holte den damals 39-Jährigen im Juli 2016 zum FC Liverpool, wo er als dritter Torhüter den jüngeren Kollegen seine Erfahrung weitergeben durfte.

Nach dem Ende seiner großen Karriere im Jahr 2017 zog sich Manninger bewusst aus dem grellen Rampenlicht zurück. Er spielte gut und gerne Golf, strebte im Fußball aber keine weiteren Jobs an.

Donnerstag früh wurde Alexander Manninger, alleine in seinem Auto sitzend, in Nußdorf am Haunsberg nördlich der Stadt Salzburg von einem Zug erfasst. Für den 48-jährigen Familienvater kam jede Hilfe zu spät.

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