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26.07.2017

3:0 gegen Island: Österreich im EM-Viertelfinale

Eine Glanzvorstellung gegen die kämpferischen Isländerinnen brachte den ÖFB-Damen den Gruppensieg.

Wenn es so etwas wie ein Fußball-Märchen gibt, dann haben die Österreicherinnen eines geschrieben. Und können jetzt noch ein Kapitel dazu fügen. Zumindest noch eines. Die Österreicherinnen haben an diesem turbulenten Abend die Nerven bewahrt. Sogar bei einer Niederlage wären sie unter Umständen weiter gewesen. Mit einem Remis wäre der Aufstieg fix, der Gruppensieg aber möglich gewesen. Bei einem Sieg gegen Island aber hätte auch Frankreich gegen die Schweiz gewinnen müssen. Am Ende gewann Österreich gegen Island 3:0. Gruppensieg. Viertelfinale.

Teamchef Dominik Thalhammer bot die Elf auf, die gegen die Schweiz so gute Figur gemacht hatte. Dennoch erwartete er einen anderen Gegner, obwohl Island schon ausgeschieden war. „Sie werden sich von ihren Fans verabschieden wollen.“

Glücksfall Zadrazil

Thalhammer musste gegenüber dem 1:1 gegen Frankreich umstellen, weil Kapitänin Schnaderbeck nach einem Foul noch nicht ganz fit war. Im Gegensatz zu Sarah Zadrazil, die ihre Verletzung aus dem Schweiz-Spiel ausgeheilt hatte. Ein Glücksfall und gute Arbeit von Mediziner und Therapeuten. Die laufstarke Mittelfeldspielerin war dann auch die Matchwinnerin.

Aber der Reihe nach. Während Österreich und Island einander abtasteten, ging es im Parallelspiel in Breda schon früh rund. Die Französin Perisset sah nach einer Notbremse gegen Bachmann die rote Karte (18.). Den Freistoß köpfelte Crnogorcevic wuchtig ins Tor. Aber noch waren 70 Minuten zu spielen und noch konnte viel passieren. So auch im Stadion von Rotterdam, wo vorerst die Torfrauen Zinsberger und Gunnarsdottir mit Fehlern für graue Haare bei ihren Trainer sorgten.

Aber die Österreicherin fing sich bald, während die Isländerin einen leichten Ball nicht fing. Und das kam so. Burger flankte zur Mitte, der Ball prallte von der Brust von Gunnarsdottir zu Zadrazil – die Österreicherin staubte mit viel Ballgefühl und Koordinationsgabe zur umjubelten Führung für die Österreicherinnen ab (36.). Dabei hatten die Isländerinnen nach einer halben Stunde leichte Vorteile auf dem Feld. Aber wieder einmal war Österreichs Verteidigung gut gestaffelt und stets auf der Hut.

Österreich im Vorwärtsgang

Was wohl auch Hans Peter Doskozil gefallen hat. Der Minister für Sport und Landesverteidigung war als Gast von ÖFB-Chef Windtner im Stadion. Und die Österreicherinnen wollten nachsetzen, wollten die Vorentscheidung. Die gelang ihnen nach einem Eckball von Nina Burger, der ins Tor ging (44.). Die UEFA schrieb der Stürmerin vorerst den Treffer zu, erkannte aber in der Zeitlupe, dass Sarah Zadrazil den Ball noch leicht mit dem Kopf abgelenkt hatte. Dann legte man sich auf Burger fest. Auf jeden Fall ging Österreich mit 2:0 in die Pause.

Die Österreicherinnen ließen in Hälfte zwei nichts mehr anbrennen. Im Gegenteil: Enzinger kam erstmals ins Spiel und staubte noch zum 3:0 ab (90.). Damit spielen die Österreicherinnen nun als Gruppensieger gegen die Zweiten aus Gruppe D. Trainer Thalhammer: „Es ist einfach sensationell.“

Island - Österreich 0:3

Rotterdam, Sparta Stadion, SR Riem Hussein (GER)

Tor: 0:1 Zadrazil (36.), 0:2 Burger (44.), 0:3 Enzinger (90.)

Island: G. Gunnarsdottir - - G. Viggosdottir, S. Atladottir, A. Kristjansdottir - H. Magnusdottir (51. Jonsdottir), D. Brynjarsdottir, S. Gunnarsdottir, H. Gisladottir - A. Albertsdottir (83. Jessen), H. Thorsteinsdottir (71. Thorvaldsdottir), F. Fridriksdottir

Österreich: Zinsberger - Schiechtl, Kirchberger, Wenninger, Aschauer - Feiersinger, Zadrazil (72. Schnaderbeck), Puntigam, Makas (56. Prohaska) - Billa (86. Enzinger), Burger

Gelbe Karte: Kristjansdottir (48.) bzw. Zadrazil (54.)


Schweiz 1:1 Frankreich

Tore: 1:0 Crnogorcevic (19.), 1:1 Abily (76.)

Rote Karte: Perisset (FRA/17./Torraub)

Frauen-EM - Gruppe C
1. Österreich 3 2 1 0 5:1 4 7
2. Frankreich 3 1 2 0 3:2 1 5
3. Schweiz 3 1 1 1 3:3 0 4
4. Island 3 0 0 3 1:6 -5 0

Burger: "Weiß nicht, ob das alles real ist"

Dominik Thalhammer (Teamchef Österreich): "Das war bisher ein unglaubliches Turnier für uns. Dieser Erfolg hat das Renommee des Frauen-Fußballs in Österreich gehoben. Ein Gruppensieg vor Frankreich ist einfach sensationell. Heute hat das Team alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. In der zweiten Hälfte ist Island etwas aufgekommen, aber insgesamt war der Erfolg klar verdient. Jetzt sind wir in der K.o.-Phase, da wird alles unglaublich eng."

Nina Burger (Stürmerin Österreich): "Ich weiß noch gar nicht, ob das alles real oder ein Traum ist. Ich muss das auch erst alles verkraften. Egal, wer das zweite Tor gemacht hat, es war ein wichtiges Tor. Riesenkompliment an mein Team. Man merkt am Ergebnis, dass wir nicht viel falsch, sondern sehr viel richtig gemacht haben. Das ist wie ein Märchen. Man hätte sich das nicht schöner vorstellen können."