10 Antworten zu Rapids Geisterspiel

Blick in die nahe Zukunft: Ähnlich wie auf diesem Bild wird es am kommenden Samstag bei Rapids Heimspiel gegen die Admira aussehen – die Besucherzahl wird die der Offiziellen kaum übersteigen.
Foto: Stefan Sigwarth

Erstmals startet die Bundesliga mit einem Geisterspiel. Wer die Partie Rapid gegen Admira trotzdem besuchen darf.

Die neue Saison beginnt, die alte ist aber noch nicht ganz abgeschlossen.

Rapid geht am Samstag mit neuem Trainer und einem umgebauten Team ins erste Pflichtspiel im Hanappi-Stadion seit dem Skandal-Derby vom 22. Mai. Als Konsequenz aus dem Platzsturm wird die Admira ab 18.30 Uhr in einem Geisterspiel empfangen. Zehn Antworten zu diesem Duell der besonderen Art:

Findet am Samstag das erste Geisterspiel in der Geschichte der Bundesliga statt?
Nein, bereits einmal hat es seit der Gründung der Bundesliga im Jahr 1974 ein Spiel vor leeren Rängen gegeben. Am 11. Mai 2005 musste die Partie Austria - Pasching (4:0) ohne Zuschauer stattfinden. Grund dafür war sechs Tage zuvor ein Platzsturm der Wiener Fans im Horr-Stadion beim Liga-Hit zwischen der Austria und dem GAK. Zeitgleich mit dem ersten Geisterspiel in der Bundesliga-Historie fand die Partie Admira - Rapid (0:1) vor 10.500 Zuschauern in der Südstadt statt.

Der einzige Spieler, der am Samstag zum zweiten Mal vor leeren Rängen einlaufen könnte, ist der Admiraner Patrik Jezek. Der 34-jährige Tscheche trug vor sechs Jahren das Dress der Paschinger.

Wer kommt bei den beiden Vereinen in den Genuss der jeweils 75 Eintrittskarten?
Auf Wunsch der Liga sollen die Vereine die Karten nicht an Fans verkaufen. Rapid kommt dem nach langen internen Diskussionen nach. Da das Kontingent nicht reicht, um zum Beispiel besonders treue Vereinsmitglieder mit Tickets zu belohnen, wurde ein ganz anderer Zugang gewählt: Die 75 Karten gehen an Kinder mit körperlichen, sozialen oder emotionalen Benachteiligungen vom Kinderdorf "Clara Fey". Den jungen Besucher werden Rapid-Schals und -Fahnen geschenkt.

Bei der Admira, in deren Geschäftsstelle Hunderte Anfragen eingegangen sind, bekommen die Tickets Funktionäre und Partner.

Blick in die nahe Zukunft: Ähnlich wie auf diesem Bild wird es am kommenden Samstag bei Rapids Heimspiel gegen die Admira aussehen – die Besucherzahl wird die der Offiziellen kaum übersteigen. Foto: Stefan Sigwarth Blick in die nahe Zukunft: Ähnlich wie auf diesem Bild wird es am kommenden Samstag bei Rapids Heimspiel gegen die Admira aussehen – die Besucherzahl wird die der Offiziellen kaum übersteigen.

Wieso muss gerade die Admira im Hanappi-Stadion vor leeren Rängen spielen?
Zwar könnte die Antwort "Wegen der Auslosung" lauten, doch ganz so einfach ist es nicht. Traditionell darf der Aufsteiger für die Auftaktrunde einen Wunsch äußern, dem üblicherweise nachgekommen wird. Die Admira gab ein Heimspiel entweder gegen Rapid oder die Austria an. Dem Wunschgegner wurde nachgekommen, dem Ort nicht. Angesichts des stark begrenzten Heimvorteils der Rapidler sind die Südstädter aber nicht gänzlich unzufrieden mit dem Auftaktlos.

Gibt es ein Public Viewing?
Rapid veranstaltet keines. Wer so knapp dran wie möglich sein will, verfolgt die Partie im Lokal "Stag's Head" gegenüber des Hanappi-Stadions das Spiel auf Sky. Die Admira lädt in einem Festzelt vor der Vereinskantine "Sportler-Treff" in der Südstadt zum Public Viewing. Das Rahmenprogramm startet um 16 Uhr.

Wird rund um das Hanappi-Stadion aus Sicherheitsgründen eine Bannmeile errichtet?
Nein, im Unterschied zum Geisterspiel Austria - Pasching wird darauf verzichtet. "Wir haben von der Polizei keine speziellen Anforderungen oder Auflagen bekommen", erklärt Rapid-Manager Werner Kuhn.

Wie überprüft die Bundesliga die Umsetzung des Geisterspiels?
Die Bundesliga entsendet den früheren Schiedsrichter Franz Mostböck als Delegierten, der die Einhaltung der strengen Bestimmungen überprüft.

Bekommen Teamchef Dietmar Constantini oder internationale Scouts Tickets, um Spieler beobachten zu können?
Das ist nicht vorgesehen, weil sie nicht auf der Liste der Offiziellen stehen. Zusatztickets gibt es hingegen für die Catering-Mitarbeiter, deren Profession aber überprüft wird, um nicht durch die Hintertür weitere Fans einzulassen.

Gibt es mittlerweile österreichweite Stadionverbote für die Platzstürmer aus dem Derby, die das Geisterspiel zu verantworten haben?
Jene 63 Fans mit Hausverbot bei Rapid wurden per Brief informiert. Sie können bis 22. Juli beim Senat 3 der Liga dazu eine Stellungnahme abgeben. Da Rapid bereits einen Tag später in Wr. Neustadt spielt, wird es entgegen der ursprünglichen Planungen in Runde zwei noch keine rechtsgültigen Stadionverbote geben.

Veranstalter Wr. Neustadt kann somit nur mithilfe von Rapid versuchen, diese Fans - etwa durch ein für Wr. Neustadt gültiges Hausverbot - vom Stadion fernzuhalten.

Ist Rapid ohne Heimvorteil überhaupt Favorit?
Seit dem Meistertitel 2008 haben die Rapidler sechs Auftaktspiele in Folge verloren. Zum einen spielte Rapid dabei aber stets auswärts. Und zum anderen nahm Ex-Trainer Peter Pacult (im Unterschied zu Nachfolger Peter Schöttel) auf müde Beine am Ende der Vorbereitung keine Rücksicht, um so noch für spätere Aufgaben konditionelle Vorteile herausarbeiten zu können. Die Admira hat jedenfalls die letzten beiden Spiele in Hütteldorf (2005, 2006) 1:0 gewonnen.

Setzen die Trainer auf eine spezielle Vorbereitung?
Für die Rapidler war das Probespiel am Sonntag gegen Hoffenheim im fast durchgehend stillen Hanappi-Stadion ein guter Test. "Wir bereiten uns genauso vor, als wären die Tribünen voll", sagt Schöttel.

Und für das Team von Didi Kühbauer wäre ein ausverkauftes Hanappi-Stadion ohnehin eine gröbere Umstellung als ein Geisterspiel.

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(kurier / Alexander Huber, Philipp Albrechtsberger) Erstellt am
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