Präsident Kadyrow und seine sportliche Image-Pflege

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Sein kurioser Moment mit Superstar Mohamed Salah ist für Ramsan Kadyrow nur einer von vielen Auftritten mit Sport-Stars.

Dass sich Politiker zu Zwecken der Selbstinszenierung gerne mit Sportpersönlichkeiten umgeben, ist nicht neu – gut zu beobachten war das unter anderem bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi rund um Russlands Präsident Wladimir Putin, und auch bei der Fußball-Weltmeisterschaft ist Putin darauf bedacht, sich mit den Stars der Fußball-Welt als Gut Freund zu zeigen.

Ein enger Vertrauter Putins, Tschetscheniens Präsident Ramsan Kadyrow, greift zur Verbesserung seines Images auf dieselbe Taktik zurück. Ägypten-Star Mohammed Salah, mit dem er sich vergangenen Sonntag Seite an Seite im Stadion von Grosny präsentierte, ist nur einer von vielen Sportstars, mit denen sich der umstrittene Präsident in der Öffentlichkeit gezeigt hat.

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"Abscheulich und schockierend"

Sportarten wie Fußball, Boxen oder Mixed Martial Arts gelten als Leidenschaften von Kadyrow. Diese benutzt er gerne, um sich internationale Legitimität zu verschaffen. Die Einladung an das ägyptische Team, in Grosny zu logieren, fällt in dieselbe Kategorie. Jambulat Umarov, Minister für nationale Politik, Presse und Information, drückte es so aus: „Es geht um ein positives Bild der Tschetschenischen Republik. Vieles, was man über uns erzählt, sind nur Mythen.“

Die NGO „Human Rights Watch“ bezeichnete es als „abscheulich und schockierend“, dass die tschetschenische Hauptstadt Grosny von der FIFA als Wohnort eines an der WM teilnehmenden Teams überhaupt zugelassen wurde. Unter Kadyrows Herrschaft komme es in Tschetschenien regelmäßig zu außergerichtlichen Hinrichtungen und Folter. Außerdem würden Regimekritiker, Journalisten und Homosexuelle gnadenlos unterdrückt werden, so die Menschenrechtsorganisation.

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Ruud Gullit war kurzfristig Trainer von Terek Grosny - knapp sechs Monate. © Bild: REUTERS/MICHAEL KOOREN

Gerade, um von solcher Kritik abzulenken, holt Kadyrow Berühmtheiten zu sich nach Grosny. 2011 überredete er die argentinische Fußball-Legende Diego Maradona und Teile der brasilianischen Weltmeistermannschaft von 2002, bei einem Freundschaftsspiel anlässlich einer Stadion-Eröffnung in Grosny mitzumachen. Außerdem stellte er den ehemaligen holländischen Nationalspieler Ruud Gullit als Trainer des hiesigen Klubs Terek Grosny, der in der höchsten russischen Liga spielt, ein.

"Wir haben keine Drogen"

Gullits Amtszeit dauerte nur kurz und war von Missverständnissen geprägt. Gegenüber der „Daily Mail“ beschwerte er sich über schlechte Trainingsbedingungen, gebrochene Versprechen bei Spielertransfers und die Unmöglichkeit, in der streng-islamischen Stadt etwas trinken zu gehen. Sechs Monaten später war er wieder weg.

Nach seinem Abschied stellte der Verein eine recht missbilligende Nachricht auf seine Website: „Gullit muss wissen, dass er nicht geholt wurde, um in Nachtklubs und Discos zu gehen, sondern um bei einem Fußballklub Resultate zu erzielen. Ja, wir haben keine Drogen oder unanständiges Nachtlebeben, wovon es in den Niederlanden und Europa zuhauf gibt.“

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Boxstar Floyd Mayweather war einer von Kadyrows illustren Gästen. © Bild: USA TODAY Sports/Jasen Vinlove

Doch wieso kommen all diese Stars nach Tschetschenien? Zu seinem 35. Geburtstag lud Kadyrow unter anderem die Schauspieler Jean-Claude van Damme und Hillary Swank ein. Diese sollen laut Berichten für ihre Anwesenheit mit bis zu einer halben Million US-Dollar entschädigt worden sein. Im vergangenen Dezember kam der Boxchampion Floyd Mayweather zu Kadyrow nach Grosny und nannte ihn danach „Mein Kumpel“.

( kurier.at ) Erstellt am 13.06.2018