Sport | Fußball-WM
28.06.2018

"Um dieses Deutschland tut es einem überhaupt nicht leid"

Internationale Pressestimmen zum WM-Aus des deutschen Nationalteams.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen: Das Ausscheiden von Deutschland in der vermeintlich leichten Gruppe F gegen Mexiko, Schweden und Südkorea ist für sich genommen schon blamabel genug, aber die deutschen und internationalen Medien sparen nicht mit Kritik an der DFB-Elf.

DEUTSCHLAND:

Abendzeitung: "Entsetzen, nacktes Entsetzen, herrscht in Fußball-Deutschland über das Kollektivversagen dieser Mannschaft, der Weltmeister von 2014, die noch neun Mann stark in die Mission Titelverteidigung gestartet waren. Einzelne Spieler machten nicht den Eindruck, am Boden zerstört zu sein. Nur bei Müller, Süle und Kimmich waren Tränen zu sehen. ... Es muss einen Umbruch geben. Einen Neustart. Das System dieser Nationalelf hat sich einen Virus eingefangen namens Selbstherrlichkeit und Selbstzufriedenheit, man ist abgestürzt. Obwohl man es kommen sehen musste."

Stuttgarter Nachrichten: "Der Frust ist riesengroß - aber die Probleme in und um die Mannschaft waren es auch. Nun beginnt die Aufarbeitung. Ob mit oder ohne den Bundestrainer, das ist offen. ... Das Projekt Titelverteidigung ist grandios gescheitert, dem deutschen Team fehlten die letzte Motivation und die letzte Gier - auch, weil der Bundestrainer Fehler gemacht hat. ... Das russische Kasan - das fortan als Schauplatz gilt für den größten Tiefpunkt, den eine deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft je erlebt hat."

Süddeutsche Zeitung: "Historische Pleite. ... Der lange Zeitlupen-Fußball bietende, entthronte Titelverteidiger verliert gegen Südkorea mit 0:2 - während Schweden durch ein 3:0 im Parallelspiel gegen Mexiko ins Achtelfinale vorstößt. ... Es wird in den nächsten Tagen viel um die Aufarbeitung dieses Spiels gehen, die letztlich eine pointierte Zusammenfassung der Deutschen bei diesem Turnier war. Sie spielten behäbig, sie waren nicht überraschend, sie waren berechenbar."

Hamburger Morgenpost: "Das Desaster von Kasan. Das wohl größte in der Geschichte des deutschen Fußballs. Nach 14 Jahren voller Erfolge ein Rückschlag ins Bodenlose ... WM-Aus DFB-Elf blamiert sich nach Kräften und muss nach Hause fahren. ... Und doch wird das Turnier hängenbleiben. Als schlechteste WM, die Deutschland jemals gespielt hat."

Passauer Neue Presse: "Das Unvorstellbare ist passiert. Deutschland ist zum ersten Mal raus nach einer WM-Vorrunde. Unvorstellbar? Nein, wirklich nicht. Das letzte gute Länderspiel ist einfach zu lange her. ... Die Entwicklungskurve vieler Spieler hat ihren Zenit überschritten. Die WM-Qualifikation gegen B- oder C-Gegner hat den Eindruck verfälscht. Jetzt rächt es sich, dass versäumt wurde, nach dem WM-Titel 2014 einen Erneuerungs-und Verjüngungsprozess einzuleiten. Ein Vorwurf, den sich Bundestrainer Joachim Löw schon gefallen lassen muss. Er hat zu viel auf Titelverteidiger gesetzt, zu wenig auf Titeljäger."

Die Welt: "Die WM in Russland sollte der größte Erfolg in der deutschen Fußball-Geschichte werden. ... Heraus kam: die größte Blamage im deutschen Fußball. Ein Tiefpunkt. Eine Schmach historischen Ausmaßes. ... Das Unvorstellbare ist mit dem 0:2 gegen Südkorea Mittwochnachmittag wahr geworden. Die Partie wird als "Schande von Kasan" für immer eine Wunde bei den deutschen Sportfans hinterlassen. Niederlagen gegen Mexiko und Südkorea, das ist eines Weltmeisters unwürdig."

Berliner Zeitung: "Historisch gescheitert. Grün ist die Farbe der Hoffnung. Und Grün ist auch die Farbe der Ausweichtrikots, die die deutsche Nationalmannschaft am Mittwoch beim dritten WM-Gruppenspiel gegen Südkorea in der Kasan-Arena getragen hat. Erlebt hat die DFB-Auswahl jedoch 2018 in Russland eine ihrer schwärzesten Stunden, die für immer mit der Tatarenstadt Kasan verbunden bleiben wird. ... Auf den deutschen Fußball dürften nach dem Vorrundenaus ... unangenehme Debatten zukommen. Klar, dass die Diskussion auch Joachim Löw erreichen wird."

Berliner Morgenpost: "Ende einer Ära. Die Helden von 2014 bleiben in Russland blass. Einige werden wohl zurücktreten. ... Von Anfang an war was kaputt. Bundestrainer Löw hat zu viele Warnzeichen ignoriert. Der deutsche Fußball hat es nicht besser verdient: 0:2 gegen Südkorea, Tabellenletzter in der WM-Gruppe F, nur ein Sieg mit 2:4 Toren - das erste Aus in einer WM-Vorrunde ist die größte Blamage für den Deutschen Fußball-Bund ( DFB) in der WM-Geschichte."

Nürnberger Nachrichten: "Verstört, betäubt und leider auch lustlos. Weil sich in Russland einfach keine Mannschaft fand, scheitert mit Deutschland schon wieder ein Weltmeister in der Gruppenphase."

Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Der gescheiterte Weltmeister. Ein Schatten seiner selbst. Die Deutschen präsentierten sich von Beginn an erschütternd harmlos, ideenlos und vollkommen hilflos in einem Spiel, das eigentlich ein Neustart sein sollte."

Bonner Generalanzeiger: "Das Gesicht des Ausscheidens ist - Joachim Löw. Der Bundestrainer blieb ruhig, als die Ergebnisse in den letzten Tests nicht stimmten. Als die Erdogan-Affäre die Nationalelf beschäftigte. Als der WM-Start in den Sand gesetzt wurde. Vielleicht blieb er zu ruhig. Die wohlige Gewissheit, dass eine deutsche Nationalelf noch fast immer die Kurve gekriegt hat, schläferte den Laden ein. Wer hat eigentlich gesagt, dass Deutschland eine Turniermannschaft ist? Und von wem kam der Spruch, dass am Ende immer die Deutschen gewinnen? Es ist wohl an der Zeit, einige Naturgesetze des Fußballs infrage zustellen. Der Ball ist rund - und keine Scheibe."

BILD: "Vor vier Jahren titelte BILD nach dem historischen 7:1 gegen Brasilien sprachlos vor Begeisterung "Ohne Worte". Jetzt lautet die Schlagzeile wieder "Ohne Worte". ... Was für eine Blamage! Was für ein Angsthasen-Fußball! Bundestrainer Joachim Löw hat Deutschland zum Titel geführt - er hat jetzt auch diesen Tiefpunkt zu verantworten. Wir sind nicht mit Pech ausgeschieden, sondern völlig zu Recht. Wer gegen Mexiko und Südkorea verliert, hat ganz viel falsch gemacht."

RUSSLAND:

Sport-Express: „Es war die größte Sensation der WM 2018. Die deutsche Nationalmannschaft, amtierender Weltmeister und Confed-Cup-Gewinner, hat gegen Korea verloren und den letzten Platz in der Gruppe belegt. Um dieses Deutschland tut es einem überhaupt nicht leid.“

Rossijskaja Gaseta: „Die deutsche Nationalmannschaft hat ihre Geschichte umgeschrieben. Ein starkes Kapitel wurde in der Kasan-Arena in die Chronik des viermaligen Weltmeisters eingetragen. Aber die Deutschen werden es wohl kaum oft nachlesen wollen. Die Bundesmannschaft hat sensationell gegen Südkorea verloren und verlässt das Turnier nach der Gruppenphase.“

Kommersant: „Das Ende der Germanomanie. Bei der Weltmeisterschaft setzt sich eine seltsame Tradition fort. Zum dritten Mal in Folge kann der amtierende Weltmeister seinen Titel nicht nur nicht verteidigen, sondern fliegt auch in der Gruppenphase raus. Bei der WM in Russland fielen dem nun die Deutschen zum Opfer.“

Moskowski KomsomolezLöws letztes Brüllen - Die Hauptsensation bei der WM ist: Die Deutschen haben sich vom Titel verabschiedet.“

GROSSBRITANNIEN:

Telegraph: „Es gab keinen teutonischen Befreiungsschlag, keine Rettung in letzter Sekunde, kein 90 Minuten Spielen und am Ende gewinnen die Deutschen.“

The Sun: „Schadenfreude, Substantiv (aus dem Deutschen): Vergnügen, das vom Unglück einer anderen Person bezogen wird.“

Daily Mail: „Gott im Himmel! Deutsche fliegen raus - und in Großbritannien bleibt kein Auge trocken!!“

FRANKREICH:

L'Équipe: „Höchststrafe für ein Team, das keines war.“

 

Le Journal de la Haute-Marne: „Zu sagen, Deutschland stehe unter Schock, kommt einem zarten Euphemismus gleich. Diese symbolische Niederlage tritt im ungünstigsten Moment ein. Die größte Wirtschaftsmacht Europas ist mit Krisen konfrontiert, die ihr Image verändern. Der Dieselgate-Skandal hat den Ruf von Made in Germany ernsthaft erschüttert. Die politische Krise, ausgelöst durch die Migrationsfrage, ebnet einer extremen Rechten den Weg, die in Anbetracht der deutschen Geschichte übel riecht. Kurzum, auf der anderen Seite des Rheins ist es nicht nur der Fußball, der nicht rund läuft.“

SCHWEIZ:

Blick: „Megablamage! Gruppenletzter! Weltmeister Deutschland fährt nach Hause.“

watson.ch: „Mission Titelverteidigung kläglich gescheitert: Deutschland ist raus.“

SPANIEN:

Mundo Deportivo: „Die Überraschung ist perfekt! Deutschland ist draußen. Es ist ein ebenso historisches wie peinliches Scheitern der deutschen Nationalmannschaft.“

Marca: „Katastrophales Deutschland. Der Fluch des Weltmeisters erfüllte sich erneut. Deutschland, dem aufgrund des schwedischen Triumphes ein Sieg gegen Südkorea gereicht hätte, um bei dieser WM weiterzukommen, ist tosend, ja fast grotesk untergegangen.“

AS: “Der Zusammenbruch Deutschlands: Ab nach Hause!"

 

PORTUGAL:

A bola: “Auf Wiedersehen, Weltmeister"

ARGENTINIEN:

Ole: "Eliminiert! Erste große Sensation dieser WM. Eine Ära geht zu Ende, die 2006 begonnen hat."

La Nacion: "Historisches Versagen von Deutschland"

BRASILIEN:

Folha de S. Paulo: „Die Starrsinnigkeit des Trainers und schwache Veteranen führen Deutschland zum WM-Fiasko. Löw lehnte Änderungen in der Mannschaft nach der “Gelben Karte„ in den Freundschaftsspielen ab.“

POLEN:

Przegląd Sportowy: "Blamage des Weltmeisters"

 

wp.pl: "Ihr lacht die Deutschen aus? Lacht euch selbst aus." 

Rzeczpospolita: "Nicht immer gewinnen die Deutschen." 

TSCHECHIEN:

Pravo (online): „Deutschland hat für die größte Sensation der Weltmeisterschaft gesorgt. Die Mannschaft verlor gegen Südkorea 0:2 und belegt in der Gruppe F den letzten Rang. Die Deutschen hatten sich ihre Lage mit der anfänglichen Niederlage gegen Mexiko verkompliziert - und haben die Schande nun noch um eine Stufe größer gemacht.“

MF Dnes (online): „Auf Wiedersehen, Champions!“

iSport.cz: „Das Auftreten Deutschlands bei der Fußball-WM in Russland ist eine große Enttäuschung. Bei keinem der Spiele hatte man das Gefühl, dass dies ein Team ist, das zum Titelgewinn ansetzt. Ist nun die Zeit für eine gründliche Inventur des Kaders und seine Erneuerung gekommen? Das ist gut möglich. Junge, angriffslustige, schnelle und nach Erfolg durstende Spieler können Deutschland zurück an die Spitze führen. Es gibt sie. Julian Brandt zeigte eine solide Leistung im Rahmen der Möglichkeiten. Einer der wichtigsten Spieler der Mannschaft dürfte in Zukunft Leroy Sané werden. Der Nachwuchsstar wird zeigen können, was in ihm steckt. Deutschland muss sich um seine Zukunft keine Sorgen machen.“