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27.06.2018

Historisches WM-Aus: Deutschland scheitert an Südkorea

Nach einer Blamage im letzten Spiel scheitert Deutschland erstmals in der Gruppenphase einer Weltmeisterschaft.

Deutschland hat bei der Fußball-WM in Russland eine historische Schmach erlitten. Zum ersten Mal in der WM-Geschichte ist die deutsche Nationalelf in der Vorrunde ausgeschieden. Eine 0:2-Niederlage gegen Südkorea in Kasan war am Mittwoch zu wenig für den Aufstieg, nachdem Schweden im Parallelspiel die Mexikaner 3:0 besiegte. Die späten Tore erzielten Kim Young-gwon (93.) und Son Heung-min (96).

Gleichzeitig setzte Deutschland mit dem Out aber auch eine Serie fort. Mit Italien (2010) und Spanien (2014) scheiterten die jüngsten beiden Titelverteidiger jeweils vier Jahre später in der Gruppenphase. Im dritten WM-Aufeinandertreffen zwischen dem DFB-Team und Südkorea gelang es den Asiaten erstmals, dem Favoriten Punkte abzuringen. Deutschland blieb sogar nur Gruppenplatz vier.

Löw stellt um

Der deutsche Bundestrainer Joachim Löw hat gegenüber dem Spiel gegen Schweden fünf Umstellungen vorgenommen. WM-Debütant Leon Goretzka kam für Thomas Müller in die Startelf, Niklas Süle ersetzte in der Innenverteidigung den gesperrten Jerome Boateng. Mats Hummels kehrte nach seiner Verletzung wie erwartet in die Anfangsformation zurück. Zudem standen Mesut Özil und Sami Khedira beim Titelverteidiger von Beginn an auf dem Platz. Bei Südkorea bekam Jung Woo-young anstelle des angestammten Kapitäns Ki Sung-yueng, der an einer Muskelverletzung laboriert, seine Chance.

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Der Weltmeister von 2014 hatte über weite Strecken der torlosen ersten Hälfte zwar mehr Spielanteile. Erneut blieb die Löw-Elf aber unter ihren Möglichkeiten, vor allem in der Defensive präsentierten sich die Deutschen häufig fehleranfällig. Die bessere Chance auf den Führungstreffer fand Südkorea vor. Tormann-Star Manuel Neuer konnte einen eigentlich leicht zu klärenden Freistoß nicht ordentlich festhalten, Ersatz-Kapitän Son wäre dabei fast noch zum Nachschuss gekommen.

Danach spielte sich die Partie bis zum Seitenwechsel zwar größtenteils in der Hälfte der Asiaten ab, die Deutschen verabsäumten es aber, zwingende Chancen herauszuspielen. Erst kurz vor der Pause gelang es den Südkoreanern wieder, in der Offensive Nadelstiche zu setzen. Ein Schuss von Son ging jedoch weit links am Tor vorbei (45.+3).

Viele Chancen, keine Tore

Unmittelbar nach Wiederanpfiff war es ausgerechnet Neuling Goretzka, der per Kopfball eine Riesenchance vergab (47.). Goalie Jo Hyeon-woo hielt den Südkoreanern mit einer Glanztat die Null fest. Die Deutschen verschärften nach diesem Warnschuss das Tempo. Timo Werner setzte in der 51. Minute einen scharfen Schuss knapp links am Tor vorbei. Ein Kopfball des eingewechselten Mario Gomez war daraufhin zu zentral (68.).

Die beste Chance der Südkoreaner, bei denen Salzburg-Legionär Hwang ab der 56. Minute zum Einsatz gekommen ist, fand in der zweiten Hälfte Son in der 78. Minute vor. Ein Konter endete aber schließlich mit einem knappen Fehlschuss. Weitere Konterchancen spielten die Asiaten nicht konsequent zu Ende. Für die endgültige Entscheidung sorgte schließlich aber Kim mit seinem Treffer in der dritten Minute der Nachspielzeit, nach einem langen Pass auf Son stellte dieser in Minute 96 sogar noch auf 2:0.

"Ein ganz, ganz bitterer Abend"

Joachim Löw (Teamchef Deutschland): "Es herrscht natürlich eine Riesenenttäuschung. Wir müssen schauen, dass wir das jetzt annehmen. Wir haben es nicht geschafft, ein Tor zu erzielen. Der Mannschaft hat die Leichtigkeit gefehlt, die Sicherheit war einfach nicht vorhanden. Man muss sagen, dass wir zurecht in dieser Gruppe ausgeschieden sind."

Reinhard Grindel (DFB-Präsident): "Also erstmal spüren auch wir in der Delegation, im Präsidium eine grenzenlose Enttäuschung. Es ist jetzt nicht die Aufgabe des Präsidenten, inhaltlich diese WM zu analysieren. Da würde ich mich verheben. Dafür haben wir eine sportliche Leitung um Oliver Bierhoff. Da erwarte ich, dass sie die Lage analysieren."

Manuel Neuer (Tormann Deutschland): "Ich denke, dass jeder sehr enttäuscht und traurig ist, dass wir diese große Chance verpasst haben. Ich denke, dass von uns allen die Bereitschaft nicht groß genug war und der Wille zu zeigen, dass wir bei dieser Weltmeisterschaft was reißen wollen. Spätestens bei der nächsten oder übernächsten Station wäre Halt gewesen für uns. Wir haben in keinem Spiel richtig überzeugt, wo wir sagen können, das war die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Das ist bitter und erbärmlich."

Mats Hummels (Verteidiger Deutschland): "Wir haben heute bis zum Schluss daran geglaubt. Wir haben den Ball einfach nicht ins Tor gebracht, es gab genug Gelegenheiten. Das hat uns heute das Genick gebrochen. Jeder Favorit hat große Probleme, die vermeintlich kleineren Teams sind defensiv sehr kompakt. Wie das Tor gefallen ist, ist für unsere derzeitige Situation symptomatisch. Einige Konter haben wir noch echt gut wegverteidigt und dann haben wir die Struktur verloren. Das ist ein ganz, ganz bitterer Abend für uns und alle deutschen Fußballfans."

Oliver Bierhoff (Teammanager Deutschland): "Wir wollten dumme Fehlpässe vermeiden und mit der Zeit Korea müde spielen. Es hat nicht sein sollen. Wir sind nicht in Führung gegangen, um unser Spiel in Ruhe aufzuziehen."

Shin Tae-yong (Teamchef Südkorea): "Ich fühle mich großartig, aber gleichzeitig auch ein bisschen leer, also ambivalent. Gestern habe ich noch gesagt, wir haben nur eine Ein-Prozent-Chance und dass die Spieler bis zum Ende hart kämpfen müssen. Ich habe darüber nachgedacht, welche Fehler Deutschland machen könnte, weil sie wahrscheinlich gedacht haben, uns besiegen zu können. Das konnten wir als umgekehrte Strategie ausspielen."

Jo Hyeon-woo (Tormann Südkorea): "Ich hatte in meiner ganzen Karriere noch kein so perfektes Spiel wie dieses. Alle koreanischen Spieler und auch der Trainer haben für das koreanische Volk gespielt. Wir haben das Ergebnis erst nach dem Schlusspfiff realisiert."